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Peter Kraus im Interview : Spagat zwischen Rebell und Schwiegersohn

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Er war der Star der 50er Jahre und ließ die Mädchenherzen höher schlagen. 2014 wird Peter Kraus 75. Für ihn Grund genug, mit dem Touren aufzuhören. Doch so ganz will er sich nicht von der Bühne verabschieden.

shz.de von
erstellt am 29.Okt.2013 | 13:24 Uhr

Berlin | Mit „Sugar Baby“ wurde er als Teenager berühmt; 2014 geht der Schlagersänger, Schauspieler und Entertainer Peter Kraus nach eigenen Worten zum letzten Mal auf große Tournee. Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa erzählt der 74-Jährige von aufdringlichen weiblichen Fans und harmlosen Klatschreportern - wie immer lässig in Turnschuhen und Jeans.

Herr Kraus, Sie sehen nicht aus wie 74. Wollen Sie 2014 wirklich zum letzten Mal auf große Tour gehen? 
Ja, will ich. Eine Tournee ist schon sehr zeitaufwendig und intensiv, weil man doch fünf, sechs Konzerte hintereinander macht. Das lange konzentrierte Arbeiten geht schon ein bisschen auf die Substanz. Es kann natürlich schon sein, dass ich dann noch Konzerte mache. Also, ich höre nicht auf, um Gottes Willen.

Was macht ein Peter Kraus denn, wenn er nicht mehr rockt? 
Na, zum Beispiel baue ich gerade ein Weingut auf, in der Südsteiermark. Außerdem will ich mich um meine Oldtimer-Sammlung kümmern und ausgiebig fahren. Und ich freue mich auf mein Familienleben mit meinem Sohn und meiner Frau. Ich möchte einfach das ausgiebig genießen, was ich mir erarbeitet habe.

Sie haben ihre Karriere früh begonnen. 1956 sind Sie schlagartig berühmt geworden. Wie war das? 
Das Problem war, dass ich praktisch über Nacht bekannt wurde, aber dem noch nicht gewachsen war. Ich musste zum Beispiel die Schauspielschule abbrechen, weil ich Karriere machte. Die großen der Branche, Hans Albers, Walter Giller oder Hans Söhnker, waren dann eigentlich meine Schauspiellehrer. Und die Mädels waren plötzlich scharf auf mich, das hat schon sehr viel verändert.

Erzählen Sie mal...

Damals war es natürlich sehr leicht, an uns heranzukommen, weil wir nicht so gesichert waren, wie die Stars heute. Da ist man nach dem Konzert in die Garderobe gegangen und plötzlich waren da drei Mädels drin, da war nichts abgesperrt. Ein Mädel im Zimmer oben, die da von selber reingeklettert ist über den Balkon, das war nichts Außergewöhnliches.

Und die weiblichen Fans heute? 
Ich sage immer gerne: Es werden immer noch Slips auf die Bühne geworfen, sie werden nur leider immer größer. Aber das ist dann eher nur ein Gag. Die wissen ja, dass ich ein seriös verheirateter Mensch bin.

Das heißt, Sie sind braver geworden? 
Das war ich früher eigentlich auch schon. Das Schwierige an meiner Karriere war ja, dass ich auf der Bühne und in meinen Filmen zum einen der Rebell sein musste, der die Kids ein bisschen aufputscht gegen ihre Eltern. Zum anderen mussten die Eltern ja die vier D-Mark für die Single rausrücken. Ich musste also auch der nette Schwiegersohn sein.

Wären Sie lieber ganz Rebell gewesen? 
Eher der gute Schwiegersohn. Der echte Rock'n Roller war ich nicht unbedingt. Mich hat nur die Musik begeistert. Ich habe auch Wert auf meine Rolle als Vorbild gelegt. Viele haben erwartet, dass so ein junger Karrieretyp ein arroganter Kotzbrocken sein muss. Ich fand es faszinierend zu zeigen, dass so jemand auch pünktlich sein kann und sich gut benehmen kann.

Gab es nie Skandale bei Ihnen? 
Das Streben der Presse danach war noch nicht so groß wie heute. Reporter, wie der Kolumnist „Hunter“, wussten zwar sehr viel, haben aber nicht drüber geschrieben. Dem Publikum hat viel weniger genügt. Es gab zum Beispiel schon einen Aufschrei, als ich eine Kollegin zur Begrüßung auf die Wange geküsst habe und dabei die Hand in der Hosentasche hatte. Die Welt war irgendwie heiler.

Können Sie heute unbehelligt durch Berlin spazieren? 
Ich habe einfach ein Gesicht, das man erkennt. Das ist heute noch so. Selbst beim Skifahren mit Brille und Pudelmütze werde ich angesprochen: „Sie sind doch der Peter Kraus!“ Aber das stört mich nicht. Wenn man auch eine Zeit erlebt hat, wo das nachgelassen hat, dann weiß man es zu schätzen. Es wäre schlimmer, wenn man nicht mehr erkannt wird.

Sie hatten mit Mitte 20 einen Karriereknick. Bei den 68ern waren Ihre Schlager nicht mehr gefragt. Prägt so etwas? 
Auf jeden Fall. Es ging ja bis dahin immer nur bergauf. Und dann wurde mein Plattenvertrag plötzlich nicht verlängert. Da wurde mir klar, dass ich das jetzt selber in die Hand nehmen muss. Und dann habe ich mich mit der Comedy-Show „Bäng Bäng“ wieder hochgearbeitet. Aber ich habe mich nie verändert, um mehr Aufmerksamkeit zu bekommen.

Aber eine gewisse Eitelkeit braucht es schon, oder? 
Ich würde sagen, ich bin berufseitel. Früher, als Teenageridol, musste ich ja etwas darstellen. Da habe ich viel trainiert, Box-Unterricht genommen, Muskeln aufgebaut. Und irgendwann bleibt das dann. Ich würde auch heute noch sofort etwas dagegen tun, wenn ich einen Bauchansatz bekäme. Die Leute kommen ja nicht nur in meine Konzerte, weil ich den hohen Ton so schön singe, sondern auch, weil ich eben eine gewisse Jugendlichkeit verkörpere.

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