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Kritik zu Bodensee-Ermittlern : Sonntags-„Tatort“: Überleben ist alles

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Feuertod eines scheinbar unbescholtenen Architekten entpuppt sich als Martyrium der 17-jährigen Rebecca. Blum und Perlmann sind gefordert.

shz.de von
erstellt am 10.Jan.2016 | 14:52 Uhr

Auf der Überholspur hat sich der Bodensee-„Tatort“ ja noch nie bewegt. Und wenn er doch mal links blinkte, um anzuzeigen, dass auch das „Konschtanzer“ Mörderbiotop für Überraschungen und ästhetische Purzelbäume gut ist, dann nur, wenn es wirklich um Gefühle statt um Action ging. Um die psychischen Defekte von Tätern oder Opfern statt um telegenes Tamtam zwischen Seeidylle und Blutrausch.

Denn eines muss man den 2016 scheidenden Kommissaren Blum und Perlmann immerhin attestieren (Eva Mattes, Sebastian Bezzel): leidenschaftliche Empathie. Das machte die beiden Figuren fehlbar und somit menschlich. Aber, ach, wie oft wurde aus der Anteilnahme nur Betroffenheitsgedusel?

So gesehen, erleben wir heute einen erneuten Überholversuch. Denn was mit dem Feuertod eines scheinbar unbescholtenen Architekten beginnt, entpuppt sich bald als Martyrium der 17-jährigen Rebecca (Gro Swantje Kohlhof), dem eigentlichen Opfer dieses Falls. Und als erneute Seelenqual für unsere Kommissare.

Denn Architekt Olaf Reuter hatte Rebecca schon als Zweijährige entführt, jahrelang gefangen gehalten und missbraucht. In einer Art religiösem Herrschaftswahn. Und nun, da Rebecca sich von ihrem „Erzieher“ befreit hatte, nun müssen Blum und Perlmann bei ihr Seelenklempner spielen, um das Drama aufzuklären. Ein Himmelfahrtskommando, das Rebecca endgültig zerbrechen könnte. Aber wie sonst ist die Kleine zu retten?

Dieser „Tatort“ (Buch: Marco Wiersch, Regie: Umut Da) lebt und stirbt mit der jungen Gro Swantje Kohlhof. Ein echtes Talent, das offenbar um die Gefahr der Theatralik ihrer Rolle weiß und diese geschickt umspielt. Genau wie unsere Ermittler, die ihrem Hang zur Empathie erneut Zucker geben, aber diesmal, ohne zu nerven.

Auch wenn alles wie in Zeitlupe läuft, das Ungeheuerliche der Umstände und des Psychospiels uns nur häppchenweise erreicht – dieser Bodensee-„Tatort“ fesselt und berührt. Als spielten Mattes und Bezzel um ihr Überleben. Wie wird da bloß das Finale?

„Tatort – Rebecca“, 20.15 Uhr, ARD.

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