TV-Tipp : Sharp Objects

Die US-amerikanische Schauspielerin Amy Adams spielt Camille Preaker, eine Kriminalreporterin mit Leib und Seele.
Die US-amerikanische Schauspielerin Amy Adams spielt Camille Preaker, eine Kriminalreporterin mit Leib und Seele.

Der eigenen - womöglich unschönen - Vergangenheit stellt sich kaum jemand gern. In einer US-Serie muss eine Journalistin genau das tun. Das Drehbuch basiert auf einem Roman der Bestsellerautorin Gillian Flynn. Sie hat auch bei diesem Projekt ihre Finger im Spiel.

shz.de von
30. August 2018, 00:01 Uhr

Eine Zeitungsreporterin kehrt in ihre Heimatstadt in der US-Provinz zurück, um über das Verschwinden zweier junger Mädchen zu recherchieren. Dabei wird sie unvermittelt mit ihrer eigenen schwierigen Kindheit konfrontiert.

Wie es ihr dabei ergeht, zeigt die neue achtteilige Serie «Sharp Objects», die am Donnerstag (30. August, 20.15 Uhr) bei Sky Atlantic HD startet.

Camille Preaker (Amy Adams) ist Kriminalreporterin mit Leib und Seele. Aber beide haben stark gelitten. Sie ist Alkoholkerin, hat sich mehrfach selbst verstümmelt und war lange zu einer Therapie in einem psychiatrischen Krankenhaus. Jetzt schickt sie ihr Chef und Mentor Frank Curry (Miguel Sandoval) in ihre Heimatstadt Wind Gap im US-Bundesstaat Missouri zurück, um über den Tod zweier junger Mädchen zu recherchieren. Dabei sucht sie die Hilfe von Ermittler Richard Willis (Chris Messina) und Polizeichef Vickery (Matt Craven).

Sie wohnt wieder in ihrem Elternhaus, bei ihrer Mutter Adora (Patricia Clarkson), die es immerhin zu einem beachtlichen Anwesen gebracht hat. Die Frau ist allerdings eine Tyrannin, steckt voller Argwohn und behandelt nicht nur ihr Hausmädchen wie den letzten Dreck. Jetzt zwingt sie ihre Tochter dazu, sich mit ihren persönlichen Dämonen zu beschäftigen. Während Camille versucht, mühsam das Puzzle ihrer Vergangenheit zusammenzusetzen, verbeißt sie sich in die Schicksale der beiden Opfer und fällt bald in alte selbstzerstörerische Gewohnheiten zurück.

Die Serie vom US-Bezahlsender HBO basiert auf der Buchvorlage der erfolgsverwöhnten US-amerikanischen Bestseller-Autorin Gillian Flynn, die selbst eine Zeitlang als Journalistin gearbeitet hat. Schon das Drehbuch zu ihrem spannenden Thriller «Gone Girl» hat sie selbst geschrieben - und nun zusammen mit Marti Noxon («Mad Men») auch das für die Miniserie, bei der sie auch ausführende Produzentin ist.

Regie führt Jean-Marc Vallée («Big Little Lies»). Die Hauptrolle ist mit Amy Adams («Arrival», «American Hustle») hervorragend besetzt, aber auch Patricia Clarkson («Six Feet Under», «House of Cards») als ihre Serienmutter spielt ihre Figur ganz ausgezeichnet.

Allerdings wimmelt es in dieser Serie von Stereotypen: Natürlich ist der kleine Ort ein gottverlassenes Kaff samt staubiger Straßen und brummender Ventilatoren in heißer Sommerluft, dazu läuft sattsam bekannte Blues- und Rockmusik. Die Handlung ist betulich oder sogar zäh inszeniert. Den Charakteren mangelt es an Originalität und Tiefe, dafür wirken sie umso klischeehafter. Der Sheriff trägt nicht nur einen dicken Schnauzer, sondern hat auch noch immer üble Laune.

Der Ermittler ist viel zu eifrig bei der Sache, und Camilles etwas jüngere Halbschwester spielt gern mit einem ziemlich großen Puppenhaus, einem Modell ihres Zuhauses. Das Ende bleibt seltsam offen - und mancher Zuschauer etwas ratlos zurück. Eine zweite Staffel ist nicht geplant.

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