„Local Heroes“ im Rotlicht : „Schweinegeil“: Kim macht jetzt in Erotik

„Schweinegeil“ heißt das neue Comicbuch von Kim Schmidt.
„Schweinegeil“ heißt das neue Comicbuch von Kim Schmidt.

Tote Hose auf dem flachen Land? Nicht, wenn Kim Schmidt den Stift in die Hand nimmt: Für sein neuestes Cartoonbuch taucht der norddeutsche Kultzeichner seine „Local Heroes“ ganz tief ins Rotlicht.

shz.de von
19. Juli 2015, 16:00 Uhr

Dollerup | Es ist alles ganz einfach. Nur ein paar Striche und schon ist die Bildergeschichte fertig. So zumindest sieht es aus, wenn Kim Schmidt Hand anlegt. Spielerisch und leicht geht dem 50-Jährigen das Zeichnen von der Hand: die Kühe auf dem Bauernhof, der Faulenzer Öde und seine skurrile Oma oder Unser Schumi – nichts und niemand ist vor Kim und seiner Feder sicher. „Das Zeichnen ist das eine“, gibt Schmidt gegenüber Schleswig-Holstein am Sonntag zu, „das andere ist das Geschichten erzählen.“ Was so leicht und spielerisch aussieht, ist in Wirklichkeit harte Arbeit und sehr genaues Hinschauen: Güllewagen und Landmaschinen, Ackerflächen und Windräder – so kennt man das norddeutsche Landleben. Kim Schmidt dagegen hat jetzt für sein neuestes Buch auch einmal genau hinter den Knick geschaut und stellt fest: Neben Pflügen und Säen tut sich auch so einiges in Sachen Liebe, Lust und Leidenschaft.

In seinem neuen Local Heroes-Cartoonband „Schweinegeil“ informiert der Zeichner über die aktuelle Verkehrslage auf dem Land. Ob knisternde Erotik im Melkstand oder die Freuden der Besamungstechnik – zwischen Saubox und Güllebecken sind Ferkeleien aller Art zu finden und auch der blanke Hans bekommt hier eine völlig neue Bedeutung. Allerdings: Trotz des gewagten Themas bleibt Kim in gewohnter Weise familientauglich, und die Hefte sind weiterhin für Leser ab 12 Jahre geeignet.

Kim Schmidt arbeitet seit rund 20 Jahren als freiberuflicher Comic-Zeichner. Er lebt und arbeitet in Dollerup in der Nähe von Flensburg. Seit 1996 erscheint im Journal des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (sh:z) immer samstags seine Tier-Cartoonserie „Local Heroes“, die auch in 16 Sammelbänden erschienen sind.

Daneben erstellt er auch Buchillustrationen, unter anderem für Kinderbuchreihen wie „Die drei ??? Kids“, für Bücher von Rüdiger Nehberg, Manfred Degen und viele andere. Schmidt veröffentlichte darüber hinaus bei Carlsen, Tokyopop und Achterbahn. Seine erste Veröffentlichung bei Carlsen war Unser Schumi, eine Satire auf den Rummel um Michael Schumacher, mit Lutz Mathesdorf als Autor. Es folgte ein Abenteuercomic über die Jugend von Klaus Störtebeker, geschrieben von Patrick Wirbeleit, und die Cartoonserie Märchenprinzen über Frösche und Prinzessinnen. Für Tokyopop zeichnete er den zweibändigen Comic Kleiner Thor im Mangaformat, ebenfalls nach Texten von Wirbeleit.

Cartoon-Landkarten von Schmidt sind bereits für alle deutschen Bundesländer erhältlich, dabei wurden Landkarten mit lokalen Besonderheiten und verballhornten Städtenamen (z. B. „Kokshaufen“ für Cuxhaven oder „Humbug“ für Hamburg) gezeichnet.

Außerdem gibt der Cartoonist seit mehr als zehn Jahren Comic-Kurse. Am liebsten für Kinder und Jugendliche. „Erwachsene zeichnen auf dem Niveau von Grundschülern“, sagt der 50-Jährige mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Zeichnen, sagt Schmidt, könne aber jeder. Es bedarf nur der Übung. „Kinder haben mehr Fantasie und keine Scheu vor dem weißen Blatt Papier“, sagt Schmidt.

Und ob nun acht oder 88 Jahre alt – ein paar Tricks und Übung gehören dazu, gibt Schmidt zu. So malt er in seinen Seminaren gern Kreise, Rechtecke und Zylinder auf ein Flip-Chart, zu deutsch: Tafelschreibblock. Aus den geometrischen Formen setzen sich langsam Figuren zusammen. „So zeichnen auch die großen Meister“, sagt Schmidt. Und entzaubert damit beinahe Walt Disneys Klassiker des Zeichentricks wie Micky Maus oder Donald Duck. Denn auch diese Stars folgen nur den Grundformen der Geometrie.

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