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Der andere Jim Henson : Retrospektive für Muppet-Meister in New York

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Frosch Kermit, Miss Piggy und zottelige Monster machten ihn berühmt. Aber eine neue Ausstellung über Jim Henson zeigt in New York auch, dass sich der Puppenspieler noch ganz andere Welten erträumte.

shz.de von
erstellt am 22.Jul.2017 | 12:14 Uhr

Nach ihrem Debüt 1975 wurde die «Muppet Show» zu einem Millionenerfolg. Danach erreichten Jim Henson, den Puppenspieler aus Mississippi, der in Maryland Kunst studierte, Tausende Briefe.

Jay Fosgitt, der sich in seinem Schreiben an den Puppen-Meister als «besorgten Jungen» beschreibt, sieht die Sache so: «Bis ich erwachsen bin, werden die Muppets weg sein, verschwunden, nichts mehr! In anderen Worten, ich habe einfach Angst, dass du und all die anderen Muppet-Darsteller vielleicht einfach in den Ruhestand gehen, bevor ich groß genug bin, um einen Job mit den Muppets auszuprobieren!» Ein anderer Fan schrieb in Großbuchstaben: «Bitte bleib uns eine lange, lange Zeit erhalten!»

Hensons bunter Welt aus zotteligen, tollpatschigen, teils grummeligen, aber stets liebenswerten Figuren ist in New York eine große Retrospektive gewidmet. Die am Freitag eröffnete Schau mit Puppen, Skizzen, Fotos und Filmmaterial im Museum of the Moving Image im Stadtteil Queens zeigt, dass Hensons Gedankenwelt über die seiner bekanntesten Figuren weit hinausreichte.

Nicht allzu viele Fans dürften etwa wissen, dass Henson in den 1960er Jahren einen Nachtclub namens Cyclia entwarf. Ein «pures Theater in revolutionärer, neuer Form» sollte es werden, ein Kaleidoskop aus Filmprojektion an Wänden und auf den Körpern von Tänzerinnen, mit auf Musik abgestimmten Leuchten im Boden. 1968 produzierte Henson eine Dokumentation namens «Youth 68» mit, in der mithilfe von Interviews und Konzertmitschnitten die Jugendkultur der Zeit dargestellt wurde.

Weniger bekannt als der Frosch Kermit und Miss Piggy dürfte auch Hensons Fantasy-Film «Die Reise ins Labyrinth» von 1986 sein, in dem Popsänger David Bowie und Jennifer Connelly an der Seite von Puppen spielen, und den «Star Wars»-Erfinder George Lucas produzierte. Und welcher Fan vom Krümelmonster erinnert sich an «Der dunkle Kristall» von 1982, Hensons vielleicht aufwendigstes Werk? Mit Brian Froud und Frank Oz ließ Henson darin ferngesteuerte Figuren durch eine blubbernde, glucksende Wunderwelt laufen, die im Vergleich zur heutigen Digitaltechnik eine plastische Anziehungskraft ausübt.

«In den 60ern hielt ich mich für einen experimentellen Filmemacher. Ich war interessiert am visuellen Bild um seiner selbst Willen», sagte Henson einmal. Als er im Team aus Erziehern, Autoren und Produzenten im Jahr 1968 die TV-Sendung «Sesamstraße» entwickeln sollte, zögerte er erst, um nicht auf eine Rolle als Darsteller für Kinder reduziert zu werden. Und das, obwohl er mit seiner Studienkollegin Jane zu dem Zeitpunkt bereits vier Kinder hatte.

Als er dann doch mit einstieg, hatte er bereits eine bunte Familie aus pelzigen, zappeligen Puppen angesammelt. Figuren wie Ernie und Bert wurden speziell für die Show angefertigt, andere entstammten Werbe-Aufträgen - den Vorgänger des heute bekannten Krümelmonsters hatte Henson etwa für die Werbung eines Lebensmittelherstellers erdacht. Bibo, Elmo, Grobi, Oscar - die Familie wuchs und wuchs. Frank Oz blieb sowohl in der «Sesamstraße» als auch in der «Muppet Show» Hensons wichtigster Puppenspieler-Partner.

Mit der von 1976 bis 1981 ausgestrahlten «Muppet Show» verwirklichte Henson seinen Traum, seine Puppen im Varieté-Format ins Fernsehen zu bringen. Millionen verfolgten die in über 100 Ländern ausgestrahlte Sendung, 1979 schaffte sie den Sprung auf die Kinoleinwand. Obwohl die Puppenspielerei Henson in den Formaten TV und Kino vor so manch technische Herausforderung stellte, beteuerte er: «Simpel ist gut.» In der Sendung «Fraggle Rock», die zwischen 1983 und 1987 zu sehen war, schienen die Puppen dann noch erwachsener geworden zu sein.

Hensons Familie rang nach seinem Tod im Jahr 1990 lange mit sich, ob die Muppets beim Disney-Konzern tatsächlich ihr letztes Zuhause finden sollten, entschied sich 2004 aber schließlich für den Verkauf. So hätte es ihr Vater gewollt, schrieb Lisa Henson seinerzeit. Sie mag damit ein Versprechen eingelöst haben, das Jim Henson dem «besorgten Jungen» Jay Fosgitt in einem Antwort-Brief gegeben hatte: «Ich arbeite hart, um sicherzustellen, dass die Muppets - und alle möglichen Muppets-Produktionen - noch lange, lange erhalten bleiben.»

Museum of the Moving Image zur Ausstellung

The Jim Henson Company

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