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Ein Doppelleben : Promi-Geburtstag vom 30. Oktober 2017: Claude Lelouch

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Claude Lelouch dreht seit über 50 Jahren Filme über Liebe, Lüge und Manipulation. Auch mit 80 Jahren hält der Oscar-Regisseur an seinem Credo fest: Wenn man die Frauen liebt, liebt man das Leben.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2017 | 00:01 Uhr

Elf Männer und elf Frauen, die über einen Mann urteilen werden. Doch bevor die Geschworenen ihr Urteil abgeben, wirft Claude Lelouch einen Blick hinter die Kulissen ihres Lebens. Denn er will wissen, wer diese Menschen sind, die richten werden.

«Chacun sa vie et son intime conviction» (etwa: Jedem sein Leben und seine innige Überzeugung) heißt der in Frankreich vor wenigen Monaten erschienene Film. Er ist im bewährten Lelouch-Stil gedreht. Denn darin geht es um Biografien von Männern und Frauen und ihre großen und kleinen Lügen, Hoffnungen und Intrigen. 

Seit mehr als 50 Jahren steht der französische Regisseur mit dem buschigen Silberhaar, der an diesem Montag 80 Jahre alt wird, hinter der Kamera. Fast jedes Jahr hat er einen Film gedreht, denn als unerschöpfliche Inspirationsquelle dient ihm das Leben. Er interessiere sich mehr für Männer und Frauen als für Landschaften, erklärte er. Das sei so spannend wie ein Film.

Für Lelouch ist das Leben eine Mischung aus verschiedenen Genres, die sich immer um das Thema Liebe drehen: mal bittersüß, mal himmelhoch jauchzend. Wie er selbst einmal sagte, habe er im Leben nur einen einzigen Film gedreht, aber zu 35 verschiedenen Zeitpunkten und in immer neuen erstaunlichen Variationen.

Zu seinen Meisterwerken zählt «Ein Mann und eine Frau», mit dem er 1966 auch seinen internationalen Durchbruch schaffte. Das melodramatische Liebesdrama um einen verwitweten Rennfahrer und eine Witwe brachte ihm mehr als 40 internationale Preise ein, darunter die Goldene Palme in Cannes und den Oscar für den besten fremdsprachigen Film.

«Lebe das Leben», «Ein Leben lang», «Die Entführer lassen grüßen» «Ein glückliches Jahr», «Die Zeit des Verbrechens»: In seiner Filmografie mischen sich Liebesgeschichten und Krimis. Denn letztere sind für ihn wie Liebesdramen. Seine Erklärung: Sie seien voller Lügen, Manipulationen und falscher Hoffnungen.

«What love may bring» trägt streckenweise autobiografische Züge. In dem 2010 erschienenen Film geht es um eine Frau und ihren Widerstand gegen Nazis und Kollaborateure. Wie Lelouch erzählte, hatte ihn seine Mutter als kleiner Junge vor den Nazis im Kino versteckt. Der Regisseur wurde 1937 als Sohn eines jüdischen Textilkaufmanns in Paris geboren.

Seitdem begleitet Lelouch die Welt der bewegten Bilder auf Schritt und Tritt. «Ich führe sozusagen ein Doppelleben. Ich weiß nicht, welches Leben welches auffrisst, das Leben das Kino oder umgekehrt», so der Regisseur. Und das fing nach dem Wehrdienst mit Dokumentar- und Werbefilmen an. Mit Anfang 20 gründete er bereits seine eigene Produktionsfirma, «Les Films 13». Mit ihr finanziert er in der Regel seine Filme selbst.

Als Autorenfilmer bestimmte Lelouch maßgeblich das Kino der 70er Jahre. Sein erklärtes Ziel: Herz und Verstand anzusprechen oder, wie er sagte: «unter Tränen zu lachen». Damit zog er das Publikum vor die Leinwand, bei der internationalen Kritik handelte er sich jedoch den Ruf des «Virtuosen des Edelkitschs» ein. Im Jahr 2004 drehte er «Les Parisiens». Der Film über das Leben von Kinozuschauern wurde dermaßen verrissen, dass der Regisseur sogar mit dem Gedanken spielte, mit dem Drehen aufzuhören.

Lelouch arbeitet gern immer wieder mit denselben Schauspielern. Zu ihnen gehören Fanny Ardant, Anouk Aimée, Robert Hossein und Francis Huster. Lelouch hat dadurch das Gefühl, von einer großen Familie umgeben zu sein. Bei ihm ist das durchaus wörtlich zu nehmen. Mitte der 80er Jahre tauchte häufiger Marie-Sophie L. in seinen Filmen auf, Lelouchs zweite Ehefrau. Der Regisseur war drei Mal verheiratet und ist Vater von sieben Kindern.

Wenn man das Leben liebe, liebe man die Frauen; wenn man die Frauen liebe, liebe man das Leben, sagte er in einem Interview dem Radiosender «Europa 1». Dann schlussfolgerte er: «Und wenn man das alles liebt, dann ist das Kino ein einzigartiger Zeuge dieser schönen Liebesgeschichte.»

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