Alles ausprobiert : Promi-Geburtstag vom 3. August 2018: Ingrid Caven

Ingrid Caven führt auch mit 80 ein Leben ohne Langeweile. Foto (2012):
Ingrid Caven führt auch mit 80 ein Leben ohne Langeweile. Foto (2012):

Fassbinder-Schauspielerin, Chansonnette und Romanheldin: Das Leben der Ingrid Caven ist spannend wie ein Film. Auch im hohen Alter. Jetzt wird sie 80.

shz.de von
03. August 2018, 00:01 Uhr

Paris (dpa) – Rötlich-blonde Perücke, dunkle Sonnenbrille. So trat Ingrid Caven erst vor wenigen Monaten als Pariser Herzogin auf, die im Jahr 1774 die sexuelle Freiheit auch nach Deutschland bringen wollte.

Eigentlich spielt Caven kein Theater mehr. Aber wegen des Stoffes des an der Berliner Volksbühne aufgeführten Stücks und für den katalanischen Regisseur Albert Serra hat sie eine Ausnahme gemacht. Ihr habe das Thema der Libertinage gefallen und der Regisseur, wie die Schauspielerin und Sängerin in einem Interview sagte. Er sei ein attraktiver Mann.

Caven, die am Freitag (3. August) 80 Jahre alt wird, hat sich schon immer gegen gängige Moralvorstellungen gewehrt. Sie habe dafür gekämpft, dass man schlafen könne, mit wem man wolle, sagte sie in dem Interview mit der «Welt» weiter. Wichtiger sei die Frage gewesen, ob man sich mit ihm, mit ihr oder mit dem da verstehe.

Bekannt wurde Caven durch ihre Filme mit Rainer Werner Fassbinder, mit dem sie eine Zeit lang verheiratet war. Ihre Ehe mit dem homosexuellen Filmemacher hat jedoch nur zwei Jahre gedauert, von 1970 bis 1972.

Ihre erste Rolle in einem Fassbinder-Film spielte Caven 1969 in «Liebe ist kälter als der Tod». Es folgten zahlreiche weitere wie «Der amerikanische Soldat», «Rio das Mortes», eine seiner wenigen Komödien, «Satansbraten» und «In einem Jahr mit 13 Monden». Zwischen Ende der 60er Jahre und Anfang der 80er Jahre trat Caven in mehr als zehn Fassbinder-Streifen auf.

Die Rollen, die Fassbinder ihr gegeben hat, waren überwiegend Nebenrollen. Er habe nicht gewollt, dass sie arbeite. Er habe sie immer bei sich haben wollen, erklärte Caven dazu. Kennengelernt hatten sich die beiden 1967 bei einer Theateraufführung in München.

International bekannt wurde Caven dann mit dem Melodrama «La Paloma» von Daniel Schmid, in dem sie eine Nachtclub-Sängerin verkörpert. Weitere Filmemacher, mit denen sie drehte, waren Werner Schroeter und Dani Levy.  

Mit ihrem Umzug nach Paris Ende der 70er Jahre begann für die gebürtige Saarbrückerin ihre Ära als Chanson-Sängerin. Das Gehirn dürfe sich nicht langweilen, sonst werde man traurig und depressiv, erklärte sie einst ihre Doppelkarriere.

In Frankreich wurde sie mit ihrer rauchigen Stimme und lasziven Haltung mit Diven wie Edith Piaf und Marlene Dietrich verglichen, in Deutschland und Amerika als «Stimme der 80er Jahre». Zu ihren Textschreibern gehörten neben Wolf Wondratschek auch Hans-Magnus Enzensberger und Fassbinder.

Caven, die in einem musikalischen Elternhaus aufgewachsen war, studierte Germanistik und Pädagogik. Heute lebt sie mit dem Franzosen Jean-Jacques Schuhl in Paris zusammen. Der Schriftsteller hat sie 2000 zu einer Romanheldin gemacht.

In dem autobiografischen Werk gibt Schuhl tiefe Einblicke in ihr Leben: Ihre Kontakte zu dem Pop-Art-Künstler Andy Warhol, dem 2008 gestorbenen Modezar Yves Saint Laurent, aber auch Affären, Drogen und ihre Verbindungen zu den Vorläufern der Rote Armee Fraktion RAF kommen darin zur Sprache. Das Buch, das auch auf Deutsch erschienen ist, wurde mit dem begehrten französischen Literaturpreis Prix Goncourt ausgezeichnet.

Nichts wird verheimlicht. So sei eben ihr Leben gewesen, wie sie nach der Veröffentlichung sagte. In einem Interview mit dem «Spiegel» erklärte sie, dass sie alles hatte ausprobieren wollen. Dazu habe auch gehört, dass sie einen amerikanischen Porno synchronisiert habe und mit Frauen im Bett gewesen sei, wie sie verriet.

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