ZDF-Chefhistoriker : Promi-Geburtstag vom 29. Januar 2018: Guido Knopp

Historiker, Quotenkönig, Ehestifter: Guido Knopp wird 70.
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Historiker, Quotenkönig, Ehestifter: Guido Knopp wird 70.

Der frühere ZDF-Chefhistoriker Guido Knopp ist nach zahlreichen Quotenerfolgen immer noch in der Geschichte unterwegs. Zum 70. Geburtstag liegt seine anekdotenreiche Autobiografie vor. Knopp hat historische Themen populär gemacht - aber auch Kritik geerntet.

shz.de von
29. Januar 2018, 00:01 Uhr

Guido Knopp hat Geschichte einem Millionenpublikum nahegebracht. Kein anderer deutscher Historiker war im Fernsehen so präsent wie er, kein anderer hat sich vor der Kamera so regelmäßig mit zentralen Themen wie dem Nationalsozialismus und dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt.

Heute feiert er seinen 70. Geburtstag, fünf Jahre nach seinem Abschied vom ZDF, für das er nach eigenen Worten rund 2000 Sendungen verantwortet hat. Seine Doku-Reihen über den Diktator Adolf Hitler habe der Sender in 182 Länder verkauft.

Was macht der erfolgreiche und teils umstrittene Geschichtslehrer der Nation heute im Ruhestand? Schwarze Schuhe, schwarze Hose, schwarzes Hemd, schwarze Brille, grauweiße Haare und ein Lächeln: «Ich bin freier.» Keine Bürokratie, keine Konferenzen, keine Reiseanträge mehr. Stattdessen Buchprojekte, Vorträge, auch auf Kreuzfahrten und Kreuzflügen, sowie neue Sendungen im Spartensender Phoenix. Gerade ist Knopps Autobiografie erschienen, mit der er bereits auf Lesereise geht. Der Historiker lehnt sich in seinem Haus in Mainz im Sessel zurück: «In Etappen sind das bis September 40 Stationen.»

Dazwischen arbeitet der in zweiter Ehe mit einer Ungarin verheiratete 1,95-Meter-Mann an einem neuen Buch über die Geschichte eines bedeutenden deutschen Konzerns. «Mehr darf ich noch nicht sagen. Der Konzern weiß das selbst noch nicht.» Im Herbst 2019 soll das Buch erscheinen.

ZDF-Chefredakteur Peter Frey urteilt: «Guido Knopp hat die zeitgeschichtlichen Dokumentationen im ZDF über gut 30 Jahre wesentlich geprägt und häufig erfolgreich sein Motto umgesetzt, wonach Aufklärung Reichweite braucht. Viele Impulse wirken noch heute hinein in die Dokumentationen, die das ZDF im Hauptprogramm, aber auch in ZDFinfo, zu historischen und politischen Themen anbietet.»

Erregt der promovierte Historiker Knopp den Neid mancher Kritiker? «Geschichtspornografie» mit Interviewsplittern, nachgespielten Schlüsselszenen, Thrillermusik und unzulässige Vereinfachungen - all das ist dem langjährigen Leiter der Mainzer ZDF-Redaktion Zeitgeschichte vorgeworfen worden. Er winkt ab: Inhaltlich seien die Sendungen stets mit Fachberatern abgesichert gewesen. «Das ist ein sehr deutsches Thema. Im Ausland bin ich nie kritisiert worden.»

Der Düsseldorfer Historiker Gerd Krumeich, ein Experte für die Geschichte des Ersten Weltkrieges, sagt, Knopp werde von der Fachwelt normalerweise kritisch beäugt: «Denn seine Art, Geschichte den Nichtfachleuten zu vermitteln, ist manchmal etwas grob geschnitzt.» Dennoch tue Knopp viel Gutes, ergänzt Krumeich.

Bei gemeinsamen Filmprojekten habe er erfahren, «wie absolut professionell Guido Knopp sich vorbereitet, wie präzise und richtig seine Fragen sind und wie kritisch er mit sogenanntem etablierten Wissen umgeht». Krumeichs Fazit: «Also doch ein echter Historiker, dem es gelungen ist, Hundertausende von Menschen für Geschichte zu interessieren und der bei aller der Darbietungsform geschuldeten Vergröberung doch um eine sachlich angemessene Sicht der historischen Ereignisse bemüht ist.»

Michael Kißener, Mainzer Historiker und Experte für NS-Geschichte, urteilt: «Guido Knopp kommt sicherlich das Verdienst zu, systematisch historische Bildquellen recherchiert, sie in den Vordergrund der Geschichtsreflexion gerückt und Historiker auf den Wert dieser Quellengattung wieder aufmerksam gemacht zu haben.»

Knopp selbst erläutert in seiner 320-seitigen Autobiografie «Meine Geschichte» die Motive für seine Vorgehensweise und gewährt Blicke hinter die Kulissen vieler Sendungen. Er beschreibt sich als Glückskind: «Ich konnte studieren, was ich wollte. Ich konnte einen Beruf ergreifen, der mir gefiel. Und ich hatte Erfolg.» Der Historiker zeichnet seinen langen Lebensweg vom Aschaffenburger Gymnasiasten über frühe Stationen bei Zeitungen und dem Eintritt ins ZDF bereits 1978 bis in den Ruhestand 2013 nach.

Auch Journalismus hat Knopp an der kleinen Gustav-Siewerth-Akademie im Südschwarzwald unterrichtet - in diesem Zusammenhang sei ihm sein Professorentitel ohne Habilitation von der baden-württembergischen Landesregierung verliehen worden.

Nun hat er mehr Zeit für Golf, auch in Florida, wo er ein Ferienhaus besitzt. «Mein Cello dagegen schaut mich vorwurfsvoll an - es will mehr gespielt werden.» Knopps drei Söhne und seine Tochter orientieren sich übrigens beruflich alle anders als der Vater.

Die Autobiografie, die laut Verlag eine Erstauflage von 20 000 Exemplaren hat, ist gespickt mit Anekdoten. Mit ein paar Erdnüssen in der Hand lässt Knopp den Blick in seinen großen Garten schweifen: «Die Autobiografie hat mir viel Spaß gemacht.» Die Leser erfahren zum Beispiel: Der Historiker ist Thema von vier Rocksongs. Für eine Drehgenehmigung im legendären Katharinensaal hat er 20 Staubsauger in den Kreml bringen lassen. Und er hat laut Autobiografie sieben Ehen unter Mitarbeitern gestiftet: «Sie schicken eine junge Redakteurin auf eine längere Drehreise in ein exotisches Land - irgendwo zwischen Panama und Moskau -, geben ihr einen ebenso jungen Kameramann und/oder Produzenten mit - und dann geschieht das Unvermeidliche.»

Guido Knopp, Meine Geschichte, C. Bertelsmann Verlag, 22,00 Euro, 320 Seiten, ISBN 978-3-570-10321-0

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