Karriere in Ost und West : Promi-Geburtstag vom 28. Juli 2018: Veronika Fischer

Veronika Fischer wird 67.
Veronika Fischer wird 67.

Sie stammt aus der ehemaligen DDR und hat sich als Sängerin fortwährend politischen Zwängen ausgesetzt gesehen. Dabei wollte Veronika Fischer auf keinen Fall ein Politikum sein. Heute wird sie 67 Jahre alt.

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28. Juli 2018, 00:01 Uhr

Als sie 2013 ihre Memoiren veröffentlichte, konnte sie nicht ahnen, dass sie ihre Lebensgeschichte noch nicht auserzählt hatte. Grundlegende neue Erfahrungen hat Veronika Fischer seitdem gemacht, von denen sie in einer erweiterten, diesen Februar erschienenen Autobiografie berichtet.

«Woher - Wohin» ist nicht nur Titel des Buchs, sondern auch ihres gut einen Monat später erschienenen Albums. Es ist ihre 22. LP und die erste neue Studioproduktion seit zehn Jahren, produziert von ihrem langjährigen musikalischen Begleiter Andreas Bicking. Heute wird die Sängerin 67.

Geboren am 28. Juli 1951 in einem kleinen Ort bei Gotha in Thüringen, bewarb sich die damals kaum 17-Jährige 1968 mit einem Volkslied, einem Politsong und zwei Chansons an der Musikhochschule in Dresden. «Als die Zusage kam, konnte ich mein Glück kaum fassen!», schreibt die Musikerin mit den langen blonden Haaren und den großen, stets dunkel geschminkten Augen. 1973 schloss sie ihr Studium ab.

Fischer berichtet auf annähernd 400 Seiten von Hits und Rückschlägen in der DDR. Ihre Karriere nahm schnell an Fahrt auf. «Der Erfolg kam beinahe über Nacht und war überwältigend. Unsere erste LP (sie erschien 1975) verkauften wir aus dem Stand eine halbe Million Mal.» Mit ihrer Band tourte «Vroni» im gesamten Ostblock, konnte allein in den ersten zwei Jahren sechs Hits, darunter «In jener Nacht», «Auf der Wiese» und «Abendlied» auf ihrem Habenkonto gutschreiben. «Wir waren in dieser Zeit keinen Tag faul... alles schien möglich.»

Jedoch räumt sie ein: «Als Star wohnte ich in einer Ofenheizungswohnung und wusch mich am Waschbecken in der Küche.» Und: «Zugleich erwartete man von mir, dass ich mich gesellschaftlich engagiere. Kein falsches Wort, kein Wort zu viel oder zu wenig.» Auch die Stasi sei ihr auf Schritt und Tritt gefolgt, sogar nach dem Mauerfall noch, wie sie später in ihrer dicken Akte habe lesen können.

«Ich musste lernen, dass meine Arbeit in meinem Land finanziell kaum Anerkennung fand.» Pro Schallplatte bekam sie etwa 6000 Mark - völlig unabhängig von den Verkaufszahlen. Wäre sie mit nur 1,50 Mark an jeder verkauften Platte beteiligt gewesen, wären das bei 1,5 Millionen Stück, die allein in der DDR verkauft wurden, 2,25 Millionen Mark gewesen, rechnet sie vor. «Um dieses Geld hat der Staat mich betrogen.»

Ihr Glaube an die Vorteile eines realen Sozialismus ging immer mehr verloren. Als dann ihr Komponist Franz Bartzsch im Westen blieb, sah die 30-Jährige keine Zukunft mehr für sich in der DDR. Fast ihr gesamtes Repertoire durfte fortan nicht mehr gespielt werden. Warum? Es stammte von einem Republikflüchtigen. Veronika Fischer siedelte mit ihrem aus Ungarn stammenden Mann Lásló und dem 1979 geborenen gemeinsamen Sohn Benjamin 1981 nach West-Berlin über - und fühlte sich dort ziemlich fremd.

«Ich musste feststellen, dass Musik dort grundsätzlich als ein Konsumartikel neben anderen betrachtet wurde.» Jeder Künstler sei im «Westen» wie eine Marmeladensorte: «Die Marmelade hat er selbst erzeugt, aber damit hat er sich auch für eine Sorte entschieden, die er von jetzt an «darstellen» muss.» Die Sängerin mit der Chanson- und Musicalausbildung aber liebte verschiedene Genres und wollte sich nicht in eine Schublade stecken lassen. Am wenigsten mochte sie die Schlager-Schublade. Genau dort sollte sie aber in der Bundesrepublik verortet werden.

Als die Musikerin, im Osten ein Star, in Westdeutschland bei einem Plattenlabel vorspricht, wird ihr mitgeteilt: «Frau Fischer, Ihre bisherige künstlerische Arbeit ist Schnee von gestern.» Sie erarbeitet sich ein komplett neues Repertoire und veröffentlicht bis zum Mauerfall sechs Platten. Allerdings hat sie viel weniger Live-Auftritte als in der DDR.

Schon einen Tag nach dem 9. November 1989 steht sie dann wieder auf einer Bühne im Osten. Sie darf nach achteinhalb Jahren Besuchsverbot wieder zu ihren Eltern und ihrer Schwester und kehrt auch als Künstlerin in Deutschlands Osten zurück.

Heute resümiert Fischer: «Ich verstand mich immer als Musikerin, unterlag als Sängerin jedoch fortwährend politischen Zwängen. Osten - Westen, Westen - Osten. Ich habe diese Trennung in mir nie zulassen wollen. Ich wollte kein Politikum sein.»

Auch wenn sie sich in beide Richtungen immer wieder erklären musste, hat sie nichts an ihrer Leidenschaft eingebüßt: «Musik treibt mich um, bis heute», formuliert sie es im langen Epilog ihrer Autobiografie, in der sie nicht zuletzt von einer neuen Liebe berichtet, nachdem sie sich 1996 hatte scheiden lassen. Der neue Mann an ihrer Seite heißt Mario, trat 2014 unverhofft in ihr Leben und hat ihr geholfen, seelisch und körperlich (Asthma, Arthritis) zu gesunden. Meditation ist dabei für sie der Weg zur Heilung. Ihr Credo darüber hinaus: «Musik gibt neue Kraft.»

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