Independent-Regisseur : Promi-Geburtstag vom 22. Januar 2018: Jim Jarmusch

US-Regisseur Jim Jarmusch wird 65.
US-Regisseur Jim Jarmusch wird 65.

Jim Jarmusch ist das Gegenteil von Hollywood. Der Amerikaner kommt ohne Action und Effekte aus. Der Schöpfer von Kultfilmen wie «Stranger than Paradise» und «Broken Flowers» macht mit 65 Jahren auch Musik.

shz.de von
22. Januar 2018, 00:01 Uhr

In der Film- und Musikszene hat Jim Jarmusch viele Freunde. Für die Ikone des amerikanisches Independent-Kinos, Schöpfer von Kultfilmen wie «Stranger than Paradise» und «Broken Flowers», traten die Stars gerne öfters vor die Kamera.

Musiker und Schauspieler wie John Lurie, Tom Waits, Iggy Pop, Tilda Swinton, Roberto Benigni und Bill Murray zählen seit Jahrzehnten zu seiner Stammbesetzung. Doch wenn Jarmusch an diesem Montag (22. Januar) seinen 65. Geburtstag feiert, wird es vermutlich keine große Party geben.

Jim feiere seine Geburtstage nicht gerne, ließ der Komponist und Band-Kollege von Jarmusch, Carter Logan, auf eine Anfrage der Deutschen Presse-Agentur bei dem Regisseur ausrichten. Er wollte sich derzeit auch nicht in einem Interview zu seiner Arbeit äußern. «Im Namen von Jim, Danke aber für die Nachfrage», lautete die freundlichen Absage des pressescheuen Filmemachers. Mit ihrer 2009 gegründeten Rock-Band SQÜRL spielten Jarmusch und Logan unter anderem die Soundtracks für die Filme «The Limits of Control», «Only Lovers Left Alive» und «Paterson» ein.

Seinen bisher letzten Spielfilm «Paterson» hatte Jarmusch im Mai 2016 beim Filmfest in Cannes in den Wettbewerb geschickt. In dem poetischen Werk spielt «Star Wars»-Bösewicht Adam Driver einen Busfahrer und Dichter, der durch sein Leben treibt. Es ist ein langsamer Gedankenstrom voller hübscher Anekdoten und Beobachtungen eines ganz normalen Alltags. «Ich hatte keine Lust auf einen Action- und Kriegsfilm. Ich wollte einen ruhigen und langsamen Film drehen», sagte Jarmusch in Cannes der dpa.

Jarmuschs filmische Hommage an die Dichtkunst hat einen ganz persönlichen Hintergrund. «Eigentlich wollte ich Dichter werden. Dichter waren meine Helden, denn ich habe noch nie einen Dichter getroffen, der aus finanziellen Gründen zum Dichter wurde», erzählt der Regisseur.

Jarmusch wuchs mit zwei Geschwistern in einer Vorstadt von Akron im US-Bundesstaat Ohio auf. Seine Liebe für Kino und Literatur entdeckte er früh. In Chicago studierte er zunächst Englische und Amerikanische Literatur, nach einem längeren Aufenthalt in Paris schrieb er sich in New York für Filmwissenschaften ein. Als Keyboarder und Sänger spielte er damals auch in einer Band mit.

Mit «Gimme Danger» (2017) brachte er seine Liebe zur Musik ins Kino. Die Dokumentation ist eine Hommage an den Punk-Musiker Iggy Pop und The Stooges. Als er Teenager war, hätten ihn die Stooges umgehauen, erzählte Jarmusch bei der Weltpremiere des Films 2016 in Cannes. 20 Jahre zuvor hatte er in «Year of the Horse» bereits eine Konzerttour von Neil Young und Crazy Horse dokumentiert. Er drehte auch Musikvideos für Künstler wie Tom Waits und Neil Young.

Mit seinem Band-Kollegen Carter versuche er, einen eigenen Rhythmus zu finden, sagte Jarmusch im vergangenen Juli dem Entertainment-Portal «Vulture.com». «Ich spreche langsam, ich liebe Musik, daher habe ich vielleicht einen langsamenRhythmus in mir? Schnellen Kram mag ich auch, aber selbst kreiere ich keine schnellen Sachen.»

Langsam, fast meditativ und minimalistisch, mit einem Blick für Details, ist auch die typische Handschrift seiner Filme. Der finnische Kult-Regisseur Aki Kaurismäki soll einmal über Jarmusch gesagt haben: «Er ist der langsamste Filmemacher der Welt.»

Schon in seinem ersten größeren Film «Stranger than Paradise» hatte er sich der Kunst der Einfachheit verschrieben - und 1984 auf Anhieb in Cannes die «Goldene Kamera» gewonnen. In «Down by Law» schickte er drei Gefängnisausbrecher, gespielt von John Lurie, Tom Waits und Roberto Benigni, in die Mississippi-Sümpfe.

In seinem Episodenfilm «Night on Earth» (1991) über nächtliche Taxibegegnungen in New York, Paris, Rom, Los Angeles und Helsinki glänzte Armin Mueller-Stahl als hilfsloser deutscher Taxifahrer mitten im chaotischen New York. Jarmusch macht aus dem alltäglichen, zufälligen Aufeinandertreffen unterschiedlichster Menschen eine anrührende Geschichte.

In «Coffee and Cigarettes» (2004) bringen Kaffee und Zigaretten Charaktere zusammen, die in Cafés und Kneipen über allerlei Belangloses plaudern. In elf Episoden sind wieder alte Freunde wie Waits, Iggy Pop und Benigni dabei. Bill Murray ist großartig als manischer Kaffee-Süchtiger, Cate Blanchett ist in einer Doppelrolle als Filmdiva und deren heruntergekommene Verwandte zu sehen. Jarmusch lässt die Akteure auch improvisieren.

In dem melancholischen Film «Broken Flowers» (2005) kehrt Bill Murray als verblühter, wortkarger Don Juan zurück, der auf den Spuren seiner amourösen Vergangenheit wandelt. Er besucht Ex-Freundinnen, gespielt von Sharon Stone, Frances Conroy, Jessica Lange und Tilda Swinton. «Es ging mir weniger um eine Story als solche», erklärte Jarmusch bei den Filmfestspielen in Cannes, wo «Broken Flowers» den Großen Preis der Jury erhielt. «Ich wollte die Geschichte der einzelnen Figuren zeigen.»

Das gelang ihm auch wieder mit der Vampirkomödie «Only Lovers Left Alive» (2013), mit Tom Hiddleston und Tilda Swinton als Hipstervampire mit menschlichem Tiefgang. Sogar Untoten kann Jarmusch eine melancholische und zugleich hochgradig komische Hymne auf das Leben und die ewige Liebe entlocken.

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