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Nobelpreisträgerin : Promi-Geburtstag vom 20. Oktober 2017: C. Nüsslein-Volhard

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Die Forschung an Fruchtfliegen hat Christiane Nüsslein-Volhard 1995 den Medizin-Nobelpreis eingebracht. Diese Auszeichnung hat die Biologin weltbekannt gemacht. Mittlerweile ist sie emeritiert - aber immer noch fleißig.

shz.de von
erstellt am 20.Okt.2017 | 00:01 Uhr

Ein schwarz-weißes Poster im Büro der Biologin Christiane Nüsslein-Volhard könnte als grafischer Kunstdruck durchgehen, zeigt aber Eier der Fruchtfliege.

Es zeugt von ihrem größten Erfolg: Die Erkenntnisse zur embryonalen Entwicklung dieses winzigen Tierchens haben Nüsslein-Volhard 1995 den Nobelpreis eingebracht. Spätestens seitdem ist sie eine Forscherin von Weltrang. Heute feiert Nüsslein-Volhard, geboren in Magdeburg, ihren 75. Geburtstag. 

Noch immer kommt sie täglich ins Büro im Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie in Tübingen. «Ich bin aber nicht mehr am Wochenende hier.» Ihre Neugier müsse angeboren sein, sagt sie. Sie habe eine Besessenheit für Tiere und Pflanzen, wie sonst niemand in ihrer Familie. Hinter ihrem Schreibtisch hängen Fotos von Zebrafischen. Nüsslein-Volhard strahlt, wenn sie von den farbenprächtigen Mustern in der Tierwelt spricht, über die man noch so wenig wisse. Wie Zebrafische ihre Muster bilden und wie Zellen dafür interagieren, sei eine neue Erkenntnis ihrer jüngsten Forschung.

«Wenn sie ein Phänomen spannend findet, will sie es verstehen und hat den langen Atem, den man dafür braucht», sagt ein Kollege, der Tübinger Zellbiologe Gerd Jürgens, über Nüsslein-Volhard. Er kennt sie schon seit 40 Jahren. «Sie fokussiert natürlich sehr stark, um dann richtig in die Tiefe zu bohren.»

Seit ihrer Emeritierung nimmt sich Nüsslein-Volhard die Freiheit, wieder ganz bei ihrer eigenen Forschung zu sein. In der Zeit nach der Nobelpreisverleihung - «das war schon ein ganz großes Erlebnis» - raubte ihr die öffentliche Aufmerksamkeit die Zeit dazu. Sie wurde in Kommissionen berufen, zu Vorträgen eingeladen, um Interviews gebeten. «Man wird angehalten, viel über Vergangenes zu sprechen. Da fehlt einem die Zeit und die Muse, wieder neue Ideen zu kriegen.»

Nüsslein-Volhard ist Grundlagenforscherin, Genetikerin. Sie hat immer an Tieren geforscht. Die massiven Proteste gegen Tierversuche mit Affen in Tübingen in den vergangenen Jahren nennt sie eine «tragische Geschichte». Ein Hirnforscher stellte seine Arbeit mit den Primaten daraufhin ein. Sie fühlt mit dem Forscher, der aus ihrer Sicht nach allen Regeln der Kunst gearbeitet habe. Für die Ablösung von Tierversuchen gebe es zwar auf dem Gebiet der Zellbiologie vielversprechende Entwicklungen. Doch in der Neurobiologie werde man weiter am lebenden Organismus von Tieren forschen müssen. 

Nüsslein-Volhards genetische Forschungsarbeit hat im Lauf ihrer Karriere von neuen Techniken profitiert, zuletzt von der sogenannten Gen-Schere CRISPR/Cas. Damit können Forscher präziser als bisher Teile der DNA ausschneiden oder einsetzen. Die biologische Grundlagenforschung werde dadurch beflügelt, sagt Nüsslein-Volhard.

Als langjähriges Mitglied im Deutschen Ethikrat hat sie sich auch mit kritischen Fragen der Genforschung beschäftigt. Sie sieht die Dinge gelassen, pragmatisch. «Da wird immer so getan, als könne man jetzt einfach den Menschen nach Belieben verändern. Das halte ich nach wie vor für eine absolute Illusion.» Man wisse überhaupt nicht, welches Gen beim Menschen wofür genau zuständig sei. Daher sei gezielte Manipulation nicht möglich, auch nicht mit neuen Methoden.

CRISPR/Cas könne eventuell besser dabei helfen, Stoffwechselkrankheiten zu heilen, indem bei Menschen Zellen entnommen, das kranke Gen manipuliert und die Zellen dann wieder eingesetzt werden.

Ein persönliches Anliegen der Wissenschaftlerin mit den kurzen grauen Locken ist die Förderung von Frauen. Nüsslein-Volhard - die selbst keine Kinder hat - hat eine Stiftung gegründet, mit der sie Wissenschaftlerinnen mit Kind hilft, die nötige Freiheit zu haben, ihre Arbeit in der Forschung weiterzuverfolgen. Sie selbst war bei ihrer Berufung als Direktorin in der Max-Planck-Gesellschaft noch eine Ausnahme. «Und Ausnahme ist anstrengend.»

Eine Frauenquote lehnt sie aber ab. «Das verekelt einem den Erfolg, wenn man sich immer fragen muss: Liegt es an der Quote oder hab ich's wirklich selbst verursacht?» Sie wäre froh über ein Ende der Diskussion. «Man möchte eigentlich gemessen werden an dem Wert der Arbeit und nicht an dem Geschlecht.»

An ihrem Geburtstag, den sie bei sich zu Hause im kleinen Tübinger Stadtteil Bebenhausen mit ihrem Bruder und den drei Schwestern verbringt, will sie Musik machen. Im Trio musizieren, sie mit der Flöte, die Geschwister mit Geige und Cello. Und sie werde ein paar Arien singen. 

Christiane Nüsslein-Volhard-Stiftung

Vita Christiane Nüsslein-Volhard

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