Fußball-Weltmeister : Promi-Geburtstag vom 19. Juli 2018: Kevin Großkreutz

Kevin Großkreutz wird 30.
Kevin Großkreutz wird 30.

2014 stand Kevin Großkreutz beim WM-Triumph Deutschlands noch im Konfetti-Regen. Mit Borussia Dortmund wurde er zweimal Meister und einmal DFB-Pokalsieger. Jetzt setzt der Kicker seine Karriere unterklassig fort.

shz.de von
19. Juli 2018, 00:01 Uhr

Von der großen Fußball-Bühne in die Provinz: Vier Jahre nach dem deutschen WM-Triumph in Brasilien ist Kevin Großkreutz in der Drittklassigkeit angekommen. Er wird künftig für den KFC Uerdingen spielen.

Der Kicker wechselte vom Zweitligisten Darmstadt 98 nach Krefeld und erhielt beim Drittliga-Aufsteiger einen Dreijahresvertrag. Es ist vermutlich die letzte Station in der Karriere von Kevin Großkreutz, der heute 30 Jahre alt wird. Zuletzt war er nur noch Ersatzspieler in Darmstadt gewesen.

«Für uns zählt weniger der Name als die spielerische Qualität, die Kevin Großkreutz mitbringt», sagte Uerdingens Geschäftsführer Nikolas Weinhart. «Er wird die Mannschaft sicher noch einmal enorm verstärken.» Auf Instagram schrieb Großkreutz, der insgesamt 186 Bundesliga-Spiele absolviert hat: «Ich freue mich jetzt auf meine neue Aufgabe und möchte mit dem Verein KFC Uerdingen erfolgreich sein.»

Großkreutz teilt sich der Öffentlichkeit nur noch durch die Sozialen Netzwerke mit. Interviews oder selbst kleine Statements nach einem Spiel gibt er dagegen schon lange nicht mehr. Dafür ist in den Jahren nach dem WM-Triumph von 2014 zu viel passiert.

2015: Großkreutz spielt noch bei seinem Heimat- und Herzensverein Borussia Dortmund, ist aber in der Nach-WM-Saison ständig verletzt. Trainer Thomas Tuchel sortiert ihn aus, ein Wechsel zu Galatasaray Istanbul wird am letzten Tag der Transferfrist vereinbart, aber nicht mehr fristgerecht vollzogen. Der deutsche Weltmeister darf in der Türkei vier Monate lang nur trainieren, aber nicht spielen.

2016: Großkreutz möchte aus Heimweh unbedingt zurück nach Deutschland und wechselt im Winter zum VfB Stuttgart. Mit dem Verein steigt er nach nur wenigen Monaten aus der Bundesliga ab.

2017: Der VfB trennt sich von ihm, weil er mit mehreren Jugendspielern des Vereins durch das Rotlichtviertel gezogen und in eine Schlägerei geraten war.

2018: Darmstadt 98 gibt ihm nach dem Bundesliga-Abstieg eine neue Chance, doch mit der Entlassung seines Fürsprechers und Förderers Torsten Frings schwinden auch dort seine sportlichen Perspektiven.

Von Kevin Großkreutz ist in den vergangenen Jahren ein Bild entstanden, das er selbst gemalt hat, das von anderen aber auch immer wieder überzeichnet wurde. Der Mann, der sich nicht im Griff hat. Der immer Fan und Profi zugleich sein wollte. Er kenne diesen Ruf, sagte auch Dirk Schuster. «Aber Kevin hat sich top verhalten, ich kann überhaupt nichts Negatives sagen», erklärte der Darmstädter Trainer der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung».

Hinzu kommt: Einen Großkreutz, der nicht gegen den sportlichen Bedeutungsverlust ankämpft, könnte der deutsche Fußball vielleicht gerade jetzt sehr gut gebrauchen. Denn Profifußball kontra organisierte Fans: Diese Kluft wird immer größer. Viele Leute, die Verständnis für das jeweils andere Lager haben, gibt es auf beiden Seiten nicht. Kevin Großkreutz allerdings ist genauso jemand.

Er sei der «wahrgewordene Fan-Traum», schrieb die «Süddeutsche Zeitung» einmal über ihn. «Vom Arbeiterviertel auf die Südtribüne auf den Rasen im Westfalenstadion. Er kämpfte und lief und feierte danach mit seinen Dortmunder Jungs.» Diese Prägung ist Großkreutz bis heute wichtig. Er beteiligte sich an dem Protest gegen die Einführung von Montagsspielen in der Bundesliga («Die Fans werden dabei total vergessen»). Nur erzielte er damit längst nicht mehr die Wirkung, die er vielleicht noch als Nationalspieler gehabt hätte.

Vom Weltmeister-Titel ist ihm trotzdem mehr als nur die Erinnerung geblieben. Er hat sich den WM-Pokal auf die Schulter tätowieren lassen und ist seit den erfolgreichen Wochen in Brasilien eng mit Lukas Podolski und Bastian Schweinsteiger befreundet.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert