Meister-Regisseur : Promi-Geburtstag vom 10. Juli 2018: Cary Joji Fukunaga

Cary Joji Fukunaga wird 41 Jahre alt. /ANSA
Cary Joji Fukunaga wird 41 Jahre alt. /ANSA

Er ist einer der aufregendsten Regisseure der letzten zehn Jahre. Leichte Kost aber sind die vielfach ausgezeichneten Filme von Cary Joji Fukunaga nie.

shz.de von
10. Juli 2018, 00:01 Uhr

Knallharter Realismus und Charlotte Brontë, Kindersoldaten und Detektive - es scheint ganz so, als würde der US-Regisseur Cary Joji Fukunaga in seinen vielfach ausgezeichneten Filmen keine Grenzen zu kennen.

So unterschiedlich sie sein mögen, so eint sie doch alle die aufklärerische Kraft, die nach Fukunagas Ansicht Filmen innewohnt. Sie können helfen, «diese Welt zu einem positiven Ort zu machen, einem besseren und zivilisierteren Ort», sagt der Regisseur, der heute 41 Jahre alt wird.

Und dazu gehört es auch, die raue und ungeschminkte Wirklichkeit auf die Leinwand zu bannen. Es ist eine harte Welt, in die sein Debüt «Sin Nombre» (2009) den Kinozuschauer entführt. Es geht um Leben und Tod, um Brutalität und schier unfassbare Skrupellosigkeit - es ist die Welt mexikanischer Gangs.

Cary Joji Fukunaga, halb japanischer, halb schwedischer Abstammung, erzählt hier vor allem die Geschichte einer Flucht: Die junge Sayra (Paulina Gaitan) will dem Elend in Mexiko entfliehen und erhofft sich in den USA ein besseres Leben. Das Schicksal führt sie zu Willy (Edgar Flores), dem seine Gang-Mitglieder im Nacken sitzen. Gemeinsam versuchen sie illegal über die Grenze zu kommen.

Cary Joji Fukunaga hat vieles von dem, was er in sein Regie-Debüt einbaute, hautnah selbst erlebt: Er drehte an Originalschauplätzen in Mexiko, fuhr 27 Stunden lang auf dem Dach eines der Züge gen Norden. Er nahm Kontakt zu Gang-Mitgliedern auf, einige von ihnen übernahmen sogar Statistenrollen.

Nach seinem vielfach ausgezeichneten Debüt, das durch seinen knallharten Realismus besticht, tauchte Fukunaga aus der Wirklichkeit in das 19. Jahrhundert ab. Ausgewählt hat er «Jane Eyre» (2011), den bereits mehrfach verfilmten Roman-Klassiker von Charlotte Brontë.

Fukunagas zweiter Spielfilm hat dieselbe fesselnde Intensität wie «Sin Nombre». Zusammen mit Kameramann Adriano Goldman fängt er jetzt die düstere Stimmung der wilden englischen Moorlandschaft, die Einsamkeit des schaurigen Landsitzes und die viktorianische Enge der vermeintlich tugendhaften Gesellschaft ein.

Neben den Bildern ist es vor allem die geniale Besetzung der Charaktere, die einem Millionenpublikum seit Jahrzehnten vertraut sind, die aber durch Mia Wasikowska und Michael Fassbender neu aufleben.

Gleich danach folgte mit der gefeierten HBO-Serie «True Detective» (2014) der nächste Geniestreich. Die beiden Detectives Marty und Rust sollen einen scheinbar okkulten Mord klären - und decken im sumpfigen Louisiana immer mehr Vermissten- und Kindesmissbrauchsfälle auf. Doch ob sie in dem engen Geflecht zwischen Kirche und Politik wirklich die wahren Täter finden können?

Nicht nur die Story und das Setting sind packend, es sind vor allem Woody Harrelson und Oscar-Preisträger Matthew McConaughey, die diese mit Kritikerlob und Auszeichnungen überhäufte Serie zum Ereignis machen: Ihre Detectives sind gebrochene Figuren, deren Leben im Laufe der jahrelangen Ermittlungen immer mehr aus den Fugen gerät.

Mit «Beasts of No Nation» (2015) kehrte Fukunaga wieder zu seinen Anfängen zurück. In der Netflix-Produktion erzählt er das unbarmherzige Schicksal eines Kindersoldaten. Er lässt einen kleinen Jungen durch ein Bürgerkriegsgebiet irgendwo in Afrika irren. Erst wird er von seiner Mutter getrennt, dann bringen Soldaten seinen Vater und Bruder um. Als die Rebellen ihn schließlich aufgreifen, bilden sie ihn zum Soldaten aus. Der Brite Idris Elba spielt den brutalen Rebellenführer.

Vollkommen anders gelagert ist sein neuestes Projekt: Mit Jake Gyllenhaal in der Hauptrolle will Cary Joji Fukunaga das Leben des legendären Dirigenten und Komponisten Leonard Bernstein (1918-1990) verfilmen. Es sei eine «unglaubliche Ehre» die Geschichte dieser «faszinierenden Figur - voll von Genie und Widersprüchen» zu erzählen», sagte Gyllenhaal , der auch als Produzent an Bord ist. Die Dreharbeiten sollen im Herbst beginnen.

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