Zwischen Pop, Jazz und Soul : Promi-Geburtstag vom 10. Januar 2018: Donald Fagen

Donald Fagen (2009) will auch mit 70 noch auf die Bühne.
Donald Fagen (2009) will auch mit 70 noch auf die Bühne.

Für die US-Rockmusik der 70er waren Donald Fagen und Walter Becker alias Steely Dan ein ähnlich kongeniales Duo wie Lennon/McCartney. Gut vier Monate nach dem Tod seines langjährigen Bandpartners wird Fagen nun 70 Jahre alt - belastet von Nachlass-Streitereien.

shz.de von
10. Januar 2018, 00:01 Uhr

Er ist ein herausragender Songwriter an der Schnittstelle von Rock, Jazz und Soul, ein erstklassiger Pianist und Sänger, nicht zuletzt einer der scharfzüngigsten Texter der Popgeschichte.

Dennoch dürfte Donald Fagen unter den besonders einflussreichen Musikern der vergangenen 50 Jahre heute einer der unbekannteren sein. Er wird damit umgehen können - hat sich Fagen doch weder im Bandprojekt Steely Dan noch mit seinen eleganten Soloplatten jemals begierig ins große Rampenlicht gedrängt. Heute feiert er seinen 70. Geburtstag.

Womöglich wird der Mann aus Passaic im US-Bundesstaat New Jersey oft unterschätzt, weil er immer ein fast schon altmodischer «Album-Musiker» geblieben ist, trotz mancher höchst eingängiger Singles wie «Do It Again» oder «Rikki Don't Lose That Number». Vom Steely-Dan-Debüt «Can't Buy A Thrill», das 1972 den Westcoast-Rock zu einem Höhepunkt führte, bis zu seinen späten Jazzfunk-Solowerken «Morph The Cat» (2006) und «Sunken Condos» (2012): Stets strebte Fagen nach hochkomplexen, oft bis zum Exzess durcharrangierten Songsammlungen - und nicht nach dem einen Welthit, den er sicher locker hätte schreiben können.

Auf den insgesamt nur 13 Studioalben seiner fast 50-jährigen Karriere saß jeder Bläsersatz, jeder weibliche Chorgesang, jedes Gitarren- oder Keyboardsolo, jeder geschmeidige Bass-Groove an der perfekt richtigen Stelle. Experten haben gar einen «Steely-Dan-Akkord» identifiziert, der die fabelhafte Songschreiber-Kunst von Fagen und seinem langjährigen Bandpartner Walter Becker belege. In jedem Fall waren Lieder von Becker/Fagen so makellos komponiert und produziert, dass sie bald als Blaupause für einen relaxten Popsound zum Cocktailschlürfen in der Sonne Kaliforniens dienten - später wurde das augenzwinkernd «Yacht-Rock» genannt.

Fagen und Becker sind für viele Musikfans auch und gerade wegen ihrer Kompetenzen als coole Studiotüftler und experimentierfreudige Klang-Optimierer eine Art US-amerikanische Lennon/McCartney. Und das, obwohl dem auf angeblich rund 30 Millionen Tonträgern verkauften Gesamtwerk von Steely Dan (und auch Fagens Soloplatten) das Spinnerte, Verspielte und Herzerwärmende vieler Beatles-Lieder fehlte. Als typische Ostküsten-Zyniker schrieben sie beispielsweise kaum Balladen.

Dafür setzten sie seit ihrem frühen Kennenlernen am New Yorker Bard-College andere Schwerpunkte, «mochten viele von denselben Dingen», wie sich Fagen nach Beckers Tod am 3. September 2017 wehmütig erinnerte. Dazu gehörten der Jazz der 20er bis 60er Jahre, Soul und Chicago-Blues, die Komiker-Truppe The Marx Brothers, Science-Fiction, Schriftsteller wie Vladimir Nabokov oder Kurt Vonnegut, Filme von Robert Altman. Fagen gibt sich bis heute gern als Mensch mit erlesenem Geschmack - Kritiker wiederum empfinden seine intellektuelle Musik als zu unterkühlt, zu poliert, zu elitär.

Nach dem kommerziellen Höhepunkt von Steely Dan mit «Aja» (1977), das bis auf Platz drei der US-Albumcharts kletterte und sich 60 Wochen lang in der Hitliste hielt, schien das Pulver zeitweise verschossen. Fagen hatte Anfang der 80er Jahre noch großen Erfolg mit dem wunderschönen, zutiefst nostalgischen Solo-Debüt «The Nightfly», doch danach dauerte es immer länger mit neuen Veröffentlichungen. In den 90ern tourte er mit Steely Dan für einige versierte Live-Auftritte, bis das Comeback «Two Against Nature» (2000) bei den Grammys als «Album des Jahres» zum unerwarteten Triumph geriet.

Auch nach dem Tod seines Kollegen Walter Becker will der seit 1993 mit der angesehenen Singer-Songwriterin Libby Titus verheiratete Fagen bei Konzerten jetzt weiter Steely-Dan-Musik spielen. Darüber kam es im Herbst zu einem unerquicklichen Rechtsstreit, als Fagen Beckers Nachlassverwalter unter anderem wegen der Namensrechte verklagte - es geht wie so oft um die Kontrolle eines Band-Erbes.

Der Sänger ist von dem Gezerre offenkundig einigermaßen genervt: «Ich würde es eigentlich vorziehen, es ab sofort «Donald Fagen und die Steely-Dan-Band» oder so zu nennen», sagte Fagen kürzlich dem US-Rockmagazin «Rolling Stone» über sein künftiges Live-Projekt. «Für mich waren Steely Dan nur ich und Walter. Es war ein Konzept, das wir beide zusammen hatten.» Jedoch hätten Konzertveranstalter darauf bestanden, dass die Truppe aus kommerziellen Erwägungen weiter Steely Dan heißen solle. Bleibt nur zu hoffen, dass der Legendenstatus dieses klugen Popmusikers nicht am Ende noch Schaden nimmt.

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