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Gerichtsprozess gegen Paralympics-Star : Pistorius im Kreuzverhör

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Oscar Pistorius soll seine Freundin Reeva Steenkamp vorsätzlich getötet haben. So lautet die Anklage. Staatsanwalt Gerrie Nel stellt die Glaubwürdigkeit des Paralympics-Stars Oscar Pistorius in Frage.

shz.de von
erstellt am 09.Apr.2014 | 13:51 Uhr

Pretoria | Für den Paralympics-Star Oscar Pistorius haben am Mittwoch die bislang härtesten Tage in seinem Mordprozess begonnen.

Staatsanwalt Gerrie Nel versuchte im Kreuzverhör vor dem Gericht im südafrikanischen Pretoria von Anfang an, die Glaubwürdigkeit des Angeklagten infrage zu stellen. Ob Pistorius denn „als Sportidol“ und „als Christ“ die Wahrheit sagen wolle, fragte Nel. Ja, das werde er tun, versicherte Pistorius mit brüchiger, zittriger Stimme. Er wolle nichts verbergen.

„Sie haben einen Menschen getötet. Sie haben Reeva Steenkamp erschossen und getötet“, betonte der Staatsanwalt mehrfach. Er versuchte vergeblich Pistorius dazu zu bringen, das zu wiederholen und selbst zu sagen. Der sagte nur immer wieder: „Ich habe einen schrecklichen Fehler gemacht.“ 

Gegen den Einspruch der Verteidigung wurde vor Gericht auf Verlangen Nels ein Video präsentiert, das Pistorius bei Schießübungen mit anderen zeigt. Die im März im britischen Sender Sky News veröffentlichten Aufnahmen zeigen den Paralympics-Star, wie er mit sichtlichem Spaß mit einem Gewehr auf eine Wassermelone schießt.

Im Hintergrund sind Lachen und Scherzen zu hören, dann die Stimme eines Mannes, der beim Anblick der platzenden Wassermelone sagt: „Sie ist viel weicher als ein Gehirn (...) - das ist ein Zombiekiller.“ Der Begriff aus gewaltreichen Videospielen, den der Staatsanwalt bei seiner Befragung gleich ins Spiel brachte, wird südafrikanischen Medien zufolge zuweilen als rassistisches Slangwort benutzt.

Pistorius gab zu, dass es seine Stimme war.

Nel sagte, mit Steenkamps Kopf sei ähnliches geschehen wie mit der Wassermelone. „Er explodierte.“ Daraufhin wurde auf den Gerichts-Bildschirmen ein Foto der toten, schwer verletzten Freundin von Pistorius gezeigt. Der weigerte sich, das Bild anzuschauen und brach schließlich in Tränen aus. Die Verhandlung musste unterbrochen werden.

Der Profisportler ist des Mordes angeklagt, weil er in der Nacht zum 14. Februar 2013 durch die Toilettentür seines Hauses seine damals 29 Jahre alte Freundin erschossen hatte. Er habe dort einen Einbrecher vermutet, beteuert der 27-Jährige. Der Prozess hat bisher 19 Tage gedauert, er wird kaum vor Mitte Mai zu Ende gehen. Pistorius droht bei einer Verurteilung eine lebenslange Strafe.

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