#NetzFragtMerkel : Phänomen LeFloid: Wer ist der Youtuber, der Angela Merkel interviewt?

Er hampelt vor der Kamera, flucht auf Englisch und plappert ohne Punkt und Komma: Florian Mundt hat sich als Youtuber einen Namen gemacht. Wieso darf ausgerechnet er mit Merkel sprechen?

shz.de von
10. Juli 2015, 19:22 Uhr

Laut, schrill und kurzweilig hampelt er in seinem Kinderzimmer die Nachrichten der Welt in die Kamera. LeFloid ist Nachrichtensprecher der „Digital Natives“ – einer Generation, die kaum noch Radio hört, die Tagesschau schaut oder Zeitung liest. Und LeFloid „schafft es wie kaum ein anderer deutscher YouTuber, mit seinem jungen Publikum auch über politische Sachverhalte zu diskutieren“, findet ein Regierungssprecher. Deshalb darf der Zappelphilipp mit dem Baseball-Cap, was sonst kaum einer darf: Er darf mit Bundeskanzlerin Angela Merkel sprechen.

Eine ähnliche Charmeoffensive in Richtung Jugend hatte zuvor schon US-Präsident Barack Obama gewagt. Im Januar stellte er sich im Weißen Haus den Fragen dreier Youtuber.

Am Montag wird der 27-jährige Youtube-Star, der mit seiner deutlich jüngeren Zielgruppe stets auf Augenhöhe bleibt, das am Freitag geführte Interview mit Deutschlands First Lady in seinem Kanal veröffentlichen. Zuvor ließ er sich von seinen jungen Anhängern via Kurznachrichtendienst Twitter unter dem Hashtag #NetzFragtMerkel Gesprächsanregungen diktieren. Ganz digital also, ganz interaktiv.

Und die Jugend antwortet. Erstaunlich kritisch, überwiegend interessiert. „Frag doch die Kanzlerin mal nach dem ominösen TTIP-Abkommen mit den USA. Warum ist das so top secret?“, will einer wissen. Ein anderer fragt: „Wie wird nun mit der IT-Sicherheit, nach dem Hackerangriff auf den Bundestag umgegangen?“ Und eine junge Frau möchte wissen: „Frau Merkel, was wollen sie dagegen unternehmen das die Deutschen immer weniger Kinder bekommen wollen?“

Das mag daran liegen, dass sich der Protagonist selbst hinter den schnellen Schnitten und den englischen Kraftausdrücken durchaus reflektiert und medienkritisch mit dem aktuellen Weltgeschehen auseinandersetzt und es seinen Fans im Format „LeNews“ unter dem Motto „Action News. Aber hart!“ zur Diskussion stellt. Was den Kindern die KiKa-Nachrichten sind, ist der Jugend LeFloid.

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Der Erklärbär einer ganzen Generation heißt mit bürgerlichem Namen Florian Mundt. 2007 veröffentlichte er auf Youtube sein erstes Video. Inzwischen kann er von seinen fünf- bis achtminütigen Clips leben. Mit aktuell 2.626.402 Abonnenten auf seinem Kanal, 622.942 Facebook-Fans und rund 566.000 Twitter-Followern (Stand 10. Juli, 13.45 Uhr) zählt er heute längst zu den erfolgreichsten Youtube-Stars Deutschlands. Mundt betreibt darüber hinaus noch zwei weitere, weniger erfolgreiche Youtube-Kanäle, die sich inhaltlich hauptsächlich um Computerspiele drehen.

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Im Oktober letzten Jahres hatte Mundt sich medienwirksam vom kommerziellen Vermarktungsnetzwerk Mediakraft getrennt. Seit Kurzem ist er beim zu ProSiebenSat.1 gehörenden Netzwerk Studio71 unter Vertrag. Solche Vermarktungsnetzwerke sind für aufstrebende Youtuber wichtig. Sie kümmern sich um Vermarktung und Produktion der Videos und werden im Gegenzug an einem Teil der Umsätze beteiligt.

Geld machen Youtuber wie LeFloid vor allem mit Werbeeinnahmen durch kurze Clips, die zu seinen Videos geschaltet werden. Mundt entwickelt außerdem ein Format für das geplante Jugendangebot von ARD und ZDF und steht Modell für die Techniker Krankenkasse.

Um einen Studentenjob muss sich Mundt, der an der Berliner Humboldt-Universität ganz unscheinbar Psychologie und Rehabilitationspädagogik studiert, in naher Zukunft wohl nicht bemühen. Sein medialer Erfolg wurde ihm bereits durch zahlreiche Auszeichnungen bestätigt. Darunter der deutsche Webvideopreis, die 1Live Krone und der Publikumspreis der Grimme Online Awards.

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