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Kunst : Pei-Shen Qian und der New Yorker Kunstfälscherskandal

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Pei-Shen Qians Arbeiten wurden auf der ganzen Welt ausgestellt: In New Yorker Galerien, internationalen Museen und sogar einer US-Botschaft. Doch Pei-Shen Qian kannte, zumindest bis vor wenigen Tagen, niemand. Denn was er malte, trug viel klangvollere Namen: Barnett Newman, Richard Diebenkorn, Mark Rothko und sogar Jackson Pollock. Der Chinese, ein kleiner Maler aus Queens, soll die zentrale Figur eines gewaltigen Fälscherskandals sein, in deren Mittelpunkt das aufsehenerregende Ende von New Yorks ältester Galerie stand.

shz.de von
erstellt am 25.Aug.2013 | 11:45 Uhr

M Knoedler & Co war in New York, ja in der weltweiten Kunstwelt eine Institution. Der Schwabe Michel Knoedler hatte sie 1846 übernommen, und eineinhalb Jahrhunderte ging in New York, wer Kunst liebte und Geld hatte, zu Knoedler.

Ende der neunziger Jahre schien der Galerie ein besonderer Coup zu gelingen: Eine Mexikanerin, Glafira Rosales, vermittelte den Kauf von unbekannten Werken der großen, der ganz großen Amerikaner. Ein Mann, der natürlich anonym bleiben wolle, habe sie von seinem Vater geerbt und wolle die Bilder jetzt verkaufen. Knoedler und andere griffen zu.

63 Bilder sollen so verkauft worden sein - für Millionensummen. Kein Wunder bei so klangvollen Namen wie Pollock und Co, die oft für Dutzende Millionen gehandelt werden. Die 63 Bilder sollen für mehr als 80 Millionen Dollar (gut 60 Millionen Euro) weggegangen sein.

Doch nach ein paar Jahren hagelte es Klagen. Ein Pollock für 17 Millionen sollte gar kein Pollock und ein Rothko für 8,3 Millionen kein Rothko sein. Experten gaben den wütenden Käufern recht: Entweder stimmte die Technik nicht oder auf der Leinwand war Farbe, die es zu Lebzeiten der Künstler noch gar nicht gab. Die Streitwerte summierten sich auf Dutzende Millionen Dollar. Ende 2011, plötzlich und unerwartet, schloss Knoedler - nach 165 glanzvollen Jahren.

Und Pei-Shen Qian soll an allem schuld sein? Wohl kaum, denn der Chinese, den die «New York Times» jetzt als den angeblichen geheimnisvollen Maler nannte, ist von der kriminellen Energie her offenbar ein kleines Licht. Seit 40 Jahren lebt er in den USA, doch bekanntgeworden ist er nicht. Rosales und ihr Freund sollen den Straßenmaler vor zwei Jahrzehnten angesprochen haben, ob er nicht ein paar spezielle Bilder für sie malen könne. Also pinselte der Chinese die Großen der Kunst hinter den verhängten Fenster seines Hauses und kassierte laut «New York Times» für jedes Bild ein paar Tausend Dollar.

Im Gegensatz zu Pei-Shen Qian wurde Rosales im Mai festgenommen. Denn das Kopieren von Originalen ist nicht strafbar, nur der Verkauf als Original. Zudem ist nicht bewiesen, ob Pei-Shen Qian wirklich der geheimnisvolle Maler ist. «Er hat Talent, aber ich glaube nicht, dass er so gut malen kann», zitiert die «Times» einen früheren Weggefährten.

In Deutschland hatte der Maler Wolfgang Beltracchi einen der größten Skandale auf dem Kunstmarkt ausgelöst. Im Oktober 2011 wurde er nach einem Geständnis zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Beltracchi hatte zusammen mit seiner Frau Helene und zwei Komplizen gestanden, jahrelang Fälschungen als Werke von Künstlern wie Max Ernst, Max Pechstein, André Derain, Fernand Léger und Heinrich Campendonk in den Markt geschleust zu haben. Renommierte Kunstexperten und weltbekannte Auktionshäuser fielen auf die Fälschungen herein.

«New York Times» zu Qian

«New York Times» 2012 über Knoedler

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