Geweint wird nur privat : Papst Franziskus verkneift sich die Tränen

Es passieren schreckliche Dinge auf der Welt, die auch den Papst zum Weinen bringen. Sieht er deshalb seit 1990 kein Fernsehen mehr?

shz.de von
25. Mai 2015, 17:53 Uhr

Buenos Aires | Papst Franziskus weint um menschliche Dramen, verkneift sich aber die Tränen in der Öffentlichkeit. Das Schicksal der Rohingya in thailändischen Gewässern, die wegen Umweltschäden erkrankten Kinder oder die Umstände, die einen Menschen zum Verbrechen führen, könnten ihn zutiefst erschüttern, erklärte der Papst in einem am Sonntag veröffentlichten Gespräch mit der argentinischen Zeitung „La Voz del Pueblo“.

„Das bringt mich innerlich zum Weinen“. Öffentlich habe er aber nur zweimal Tränen vergossen. Einmal wegen der Christenverfolgung im Irak, das andere Ereignis erinnere er nicht, sagte Franziskus der Zeitung der Kleinstadt Tres Arroyos. „Ich konnte mich nicht rechtzeitig halten, ich war zu erschüttert, dabei sind mir einige Tränen entwischt.“ Er habe so getan, als ob nichts wäre, und sei sich mit der Hand über das Gesicht gefahren, um weiter zu machen.

Über das Weltgeschehen erfahre er aus den Medien nur über die italienische Zeitung „La Repubblica“, die er täglich nicht länger als zehn Minuten am Morgen durchblättere. Auch surfe er nicht im Internet und fern sehe er seit einem Gelöbnis vom 15. Juli 1990 nicht mehr, erklärte der argentinische Papst. „Ich sagte mir, das ist nichts für mich.“ Ergebnisse und Tabellenstand seines Fußballteams San Lorenzo erfahre Franziskus über ein Mitglied der Schweizer Garde des Vatikans, der ihm wöchentlich einen Bericht aufstelle.

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