Geistliches Oberhaupt : Orientalische Juden trauern um Rabbi Josef

Rabbi Ovadia Josef sorgte für eine Liberalisierung des Glaubens. Er bewirkte unter anderem, dass Frauen in Israel Hosen tragen dürfen.
Rabbi Ovadia Josef sorgte für eine Liberalisierung des Glaubens. Er bewirkte unter anderem, dass Frauen in Israel Hosen tragen dürfen.

Ministerpräsident Netanjahu äußerte tiefe Betroffenheit: Das Oberhaupt der Schas-Partei und der spirituelle Führer der orientalischen Juden ist im Alter von 93 Jahren gestorben.

shz.de von
07. Oktober 2013, 14:39 Uhr

Jerusalem | Der wichtigste spirituelle Führer der orientalischen Juden in Israel ist tot. Rabbi Ovadia Josef starb am Montag im Alter von 93 Jahren, wie der behandelnde Arzt, Professor Dan Gilon, im Hadassah-Krankenhaus in Jerusalem mitteilte. Der mit ihm befreundete Staatspräsident Schimon Peres (90) war nach Berichten über Josefs bevorstehenden Tod in die Klinik geeilt.

Zahlreiche Angehörige und Anhänger des Rabbiners drängten sich in dessen letzten Stunden im Krankenhaus. Gemeinsam mit religiösen Juden im ganzen Land hatten sie bis zuletzt inständig für Josefs Gesundheit gebetet. Der 1920 in Bagdad geborene Josef hatte sich als jüdischer Religionsgelehrter einen Namen gemacht. In den vergangenen Jahrzehnten galt er als sehr einflussreich in der israelischen Politik. Seine strengreligiöse Schas-Partei, gegenwärtig in der Opposition, war oft Zünglein an der Waage bei der Regierungsbildung.

Zu Beginn des Friedensprozesses vor 20 Jahren unterstützte er zunächst einen Frieden mit den Palästinensern, später sorgte Josef jedoch mit umstrittenen Äußerungen, unter anderem über Araber, für Empörung.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu äußerte „tiefe Trauer“ über den Tod des Religionsführers. Er sei „einer der größten Gelehrten unserer Generation“ gewesen. „Er war durchdrungen von Liebe für die Tora und das Volk“, sagte Netanjahu nach Angaben seines Büros. Die Gespräche mit Josef seien für ihn immer sehr lehrreich gewesen.

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