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Helge Schneider zum 60. Geburtstag : Oh Helge, mein Helge

vom
Aus der Onlineredaktion

„Clownjazzer“ schreiben sie über ihn. Dabei ist er Deutschlands bester Jazzmusiker. Und begnadeter Filmer. Eine Hommage.

shz.de von
erstellt am 27.Aug.2015 | 09:50 Uhr

Mühlheim/Ruhr | Helge Schneider wird 60. Glaubt man gar nicht. Immerhin sechs Kinder von vier Frauen. Das braucht schon seine Zeit. „Clownjazzer“ schreiben sie über ihn, sagt er aber auch selbst: „Klaunjatzer“. Zu oft auf „Katzeklo“ reduziert.

Helge Schneider stammt aus dem Ruhrgebiet. Aus Mühlheim an der Ruhr. Ich aus Dortmund. Fast in der Mitte haben wir uns Mitte der 80er-Jahre zum ersten Mal getroffen. In Essen. Bei einer Abendveranstaltung aus Anlass des Ostermarschs. Helge noch unbekannt, ich noch Schüler und müde. Fragmente dieser Vorführung sind mir im Gedächtnis geblieben. Anfangen konnte ich damit nichts. „Das kann doch jeder.“

Dann kam „Johnny Flash“. Ein sehr schneiderhafter Film, in dem Helge Schneider so gut wie alle männlichen Rollen spielt, auch die Titelrolle, der aber gar nicht von ihm ist, sondern vom Experimaltalfilmer Werner Nekes.

Und dann kamen die eigenen Filme. Vor allem in den 90ern. Texas natürlich. Gedreht auf der Freilichtbühne der Karl-May-Festspiele, nein, nicht in Bad Segeberg, sondern natürlich in Elspe im Sauerland.

Und das Kleinod deutschen Filmschaffens von 1997: Praxis Dr. Hasenbein. Von Schneider selbst als platt und albern gebrandmarkt, die Kulissen  als zu simpel, besticht der Film durch Humor bis ins Detail. Etwa der aufgemalte Straßentunnel.

Erwähnenswert, weil wirklich misslungen, aus dem Filmschaffen Schneiders: „Mein Führer, die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“ von Dany Levy. Hier muss ich mich der Meinung des Hauptdarstellers anschließen: „Über diesen Hitler kann ich nicht lachen.“

Nicht witzig sind auch alle Bücher Schneiders. Die Sprache ist nicht zum Aufschreiben. Hier wird sie zotig und vulgär.

Witzig oder nicht: Bei Schneiders Schallplatten ist das kein Kriterium. Sie sind großartig. Und großspurig. „Seine größten Erfolge“ heißt gleich das erste Album von 1991. Dann 1993: „Es gibt Reis, Baby“. Natürlich mit „Katzeklo“. Aber auch mit dem „Telefonmann“.

Und natürlich das Titelstück, hier in einer Liveversion von 2014. Jazzmusikalische Fähigkeiten werden überdeutlich.

2007 „I brake together“, eine Mischung aus alten und neuen Songs. Und Jazz-Standards. Und hier zeigt sich die wahre Stärke. „Georgia On My Mind“, in einer Live-Version von 2012.

Manche glauben, Till Brönner sei Deutschlands bester Jazzmusiker. Stimmt aber nicht. „Meisenmann“:

Das Beste zum Schluss: „Baby, Baby. Dein ewiges Nein geht mir auf den Sack, du Sau“, gespielt bei der Verleihung des Prix Panthéon 2009.

Helge Schneider feiert seinen 60. Geburtstag nicht. Keine Lust auf hinterher putzen. Trotzdem: Glückwunsch!

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