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Jansen, Neuner, Deibler : Nichts wie weg vom Leistungssport: Diese jungen Athleten hatten plötzlich genug

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Phillipp Lahm beendet seine Karriere im Musteralter. Der Lebensentwurf der Sportler heutzutage hat häufig den Wecker auf ein wesentlich früheres Karriereende gestellt.

shz.de von
erstellt am 08.Feb.2017 | 13:11 Uhr

Hamburg | Sportlerkarrieren verlangen den Athleten jahrelanges, diszipliniertes Schuften ab. Noch dazu sind sie meist sehr kurz. Die Natur will es so. Manche reizen es aus, bis alle sehen, dass es nicht mehr geht. Doch es gibt auch Sportler, die den mühsam erklommenen Leistungssport-Zirkus schon in jungen Jahren aus eigenen Stücken verlassen – bevor der Zahn der Zeit es ihnen abverlangt. Ob aus finanziellen oder aus persönlichen Gesichtspunkten: Die folgenden Sportler setzten auf ein plötzliches Karriere-Ende.

marcel jansen hsv karrierende trauer bayern
Foto: dpa

Ein Aussteiger ist Marcell Jansen. Der Ex-Nationalspieler, der bis 30. Juni 2015 beim Hamburger SV unter Vertrag stand, zog sich trotz diverser Angebote vom aktiven Fußball zurück. Die Entscheidung fiel im Urlaub. Nach zehn Profijahren bei Borussia Mönchengladbach, Bayern München und dem HSV sollte kein viertes Vereinswappen sein Sportlerherz mehr berühren. Mit 29 Jahren begann der Linksfuß, für den Bayern München 2007 14 Millionen Euro Ablöse zahlte, ein neues Leben. Er will sich stärker in seinem Start-up-Unternehmen für Fitness-Bekleidung einbringen und Fußball künftig nur als Hobby spielen.

Anna Kurnikova
Foto: dpa

Anna Kurnikova beendete vor zwölf Jahren ihre Karriere auf dem Tennis-Platz. 1999 war sie zehn Wochen lang die Nummer 1 der Doppel-Weltrangliste. Neben ihren sportlichen Leistungen verdankt sie ihre große Bekanntheit ihrem Aussehen. Als sie mit erst 22 Jahren ihren Rücktritt erklärte, war die Russin bereits mehr Werbe-Ikone als Sportlerin. Hartes Training war für Weltruhm nicht mehr nötig. Auch nach ihrem Karriereende ist sie in den Medien präsent und verfügt über mehrere Werbeverträge.

Foto: imago/ZUMA Press

Auch die ganz Harten sehnen sich nach körperlicher Unversehrtheit: Chris Borland (unten auf dem Foto, Nummer 44) war eines der größten Football-Talente Amerikas, seine Karriere bei den San Francisco 49ers hatte gerade erst begonnen. Doch im Alter von erst 24 Jahren erklärte der Linebacker sein Karriereende – aus Angst vor Schädel-Hirn-Traumata. Über sein Leben nach dem Sport ist noch nichts bekannt.

Viona Harrer
Foto: dpa
 

Viona Harrer hat ihrer Karriere ein besonderes Ende gesetzt. In der Saison 2007/08 gab die Eishockeytorhüterin im Trikot der Tölzer Profimannschaft als erste Frau überhaupt ihr Debüt in der deutschen Eishockey-Oberliga der Herren. 2014 beendete die 27-jährige gebürtige Rosenheimerin ihre Karriere als Eishockey-Torsteher. Seither spielt sie als Verteidigerin für den ESC Planegg in der Frauen-Bundesliga.

Tanja Szewczenko
Foto: dpa
 

„Nur die Harten komm' in' Garten“: Tanja Szewczenko gab sich stets kämpferisch. Trotz zahlreicher Verletzungen kam ihr Karriereende mit erst 23 Jahren überraschend. Die Bronzegewinnerin der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften von 1994 verpasste 1998 aufgrund einer schwerwiegenden Virusinfektion die Olympischen Spiele von Nagano. 2001 sah sie nach drei schwierigen Jahren keine sportliche Zukunft mehr für sich. Sie machte einen klaren Schnitt und wurde Schauspielerin.

mark spitz
Foto: dpa

Franziska van Almsick (mit 26), Kristin Otto (mit 23), Ian Thorpe (mit 24) und Michael Phelps (mit 27, wieder aktiv): Die großen Schwimmer der Geschichte ergreifen auffallend häufig schon in jungen Jahren die Flucht aus dem Becken. Mitbegründet hat diese Tradition der Amerikaner Mark Spitz, 1972 in München zur lebenden Legende wurde: Sieben Siege, sieben Weltrekorde, sieben Goldmedaillen. 2008 übertrifft ihn sein Landsmann Michael Phelps als erfolgreichster Olympionike aller Zeiten. Im Alter von 22 Jahren zog sich Spitz aus der Sportlerbranche zurück.

Markus Deibler
Foto: dpa
 

Auch den Hamburger Markus Deibler hält mit Mitte 20 nichts mehr im Wasser. Kurz nachdem er bei den Kurzbahnweltmeisterschaften in Doha 2014 erstmals Gold geholt und dabei seinen ersten Weltrekord aufgestellte hatte, erklärte er seinen Abschied vom Sport. Er wolle sich anderen Projekten widmen. Dazu gehört eine Eisdiele in St. Pauli.

Martina Hingis
Foto: dpa

Martina Hingis war eine Frühstarterin. Mit 16 Jahren gewann die Schweizerin ihr erstes Grand-Slam-Turnier im Einzel. 209 Wochen besetzte sie die Nummer 1 der Weltrangliste. Das Aufkommen der Power-Spielerinnen, einige Verletzungen und der Erfolgsdruck verdarben ihr die Lust am Spiel. Mit 22 hatte sie genug vom Ballwechsel und erklärte ihren Rücktritt. In den Folgejahren feierte sie ein paar kleinere Comebacks, die aber nicht vom sportlichen Ehrgeiz geprägt waren.

Foto: Imago

Für die Beobachter des internationalen Fußballs war der Franzose Éric Cantona ein brutaler Wahnsinniger. Bei genauerem Hinschauen erwies sich das Enfant Terrible von Manchester United dann aber doch als sensibles Genie. Fußballfans konnten es kaum fassen, dass der Weltklasse-Stürmer mit seinen atemberaubenden Toren, dessen formvollendeter Kung-Fu-Kick gegen einen Hilfsarbeiter im Stadion sich wie ein Kunstwerk in die Fußball-Analen eingezeichnet hatte, mit gerade mal 31 auf einmal nur noch Schöngeist, Schauspieler und letztenlich Funktionär sein wollte. Trotz seiner Entgleisungen wurde Cantona am 19. November 2005 zum besten Premier League-Spieler aller Zeiten gewählt.

 

Magdalena Brzeska ließ Männerherzen höher schlagen und durch sie wurde den Deutschen erst bewusst, dass es so was wie „Rhythmische Sportgymnastik“ überhaupt gibt. 19-Jährig saß sie in der der ZDF-Sendung „das aktuelle sportstudio“ und erklärte ihre erfolgreiche Karriere für beendet. 26 Mal wurde sie zuvor Deutsche Meisterin.

Philipp Boy
Foto: dpa
 

Ein „Knacks im Kopf“ nach vielen Stürzen vom Reck war der Grund für den Turn-Europameister und zweimaligen Vizeweltmeister Philipp Boy aus Cottbus, schon mit 25 Jahren die Karriere zu beenden. Zwei Ziele hatte er sich nicht erfüllen können und daher die Motivation verloren: „Ich wollte die Nummer Eins in Deutschland werden und eine Medaille bei Olympia.“ Er behauptet: „Es gibt null Wehmut.“

Christian Reif
Foto: dpa
 

Christian Reif: Zwei Tage vor seinem 30. Geburtstag beendet der Weitsprung-Europameister von 2010 im Oktober 2014 überraschend seine Karriere. Im Sommer war der Rehlinger mit 8,49 Metern noch Bestleistung gesprungen, wurde bei der EM in Zürich aber nur Achter. Danach gab er dem Beruf den Vorrang: Reif wechselte ins Management eines Handelsunternehmens.

tobias rau
Foto: dpa
 

Tobias Rau hat dem Druck im Stadion getrotzt, ein Lehramtsstudium gestartet. Mit 27 Jahren beendete der siebenmalige Fußball- Nationalspieler im Sommer 2009 seine Laufbahn bei Arminia Bielefeld. „Ich war froh, den Druck los zu sein. Als Fußballer war der ab dem Aufwachen da“, gestand der Außenverteidiger, der seine beste Zeit beim VfL Wolfsburg verbrachte. Beim FC Bayern München kam der Blondschopf kaum zum Zug.

magdalena neuner
Foto: dpa
 

Uli Hoeneß wollte sie schon zum FC Bayern lockern, da war sie ganze 22. Daraus wurde nichts und ganz so schnell ging es dann auch nicht über die Bühne mit dem Ende der Karriere. „Die Leute müssen sich darauf einstellen, dass ich nicht ewig lange im Biathlon sein werde. Ich denke, dass es bei mir relativ schnell vorbei sein wird. Es gibt für mich auch ein anderes Leben. Ich habe tausend andere Dinge, die ich gerne mache“ – mit dieser Aussage im NDR verblüffte die Biathlon-Überfliegerin Magdalena Neuner das Publikum im November 2011. Würde das große Aushängeschild des deutschen Skiverbandes wirklich mit 25, auf dem Höhepunkt der Karriere die Welt des Sports verlassen und das Rampenlicht tauschen? „Gold-Lena“, die Strahlefrau, die Waschechte, die mehrfach mit Goldmedaillen gekürte und dreifache Sportlerin des Jahres, machte 2012 kurzen Prozess. Inzwischen ist sie sogar Mutter geworden.

björn borg
Foto: Imago

Björn Borg war seinerzeit ähnlich erfolgreich wie Abba und noch voll im Saft, als er im Alter von gerade mal 26 Jahren aus heiterem Himmel seinen Rücktritt vom Tennissport bekannt gab. Kontrahent John McEnroe hatte den Schweden wiederholt mit Niederlagen genervt. Den Holzschläger holte der bedeutende Schwede danach zwar noch ab und zu vom Nagel. Doch der Rest war ihm zu bunt. Heute ist er Namensgeber für eine vor allem in Schweden erfolgreiche Bekleidungs- und Parfum-Marke.

(Mit dpa)

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