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"Sky Jump" in Las Vegas : Mutiger Sprung in die Tiefe der Wüste

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erstellt am 02.Aug.2013 | 02:26 Uhr

Heißer Nervenkitzel bei glühender Hitze über der Stadt der Sünde: Am Sky-Jump-Turm in Las Vegas stehen die Touristen Schlange. Nicht nur "Sky Master" Carlos Lucero kommt bei der Arbeit in der heißen Wüstenstadt ins Schwitzen. Auch seinen Kunden steht der Schweiß auf der Stirn. Vor allem Angstschweiß. Sein Arbeitsplatz ist eine kleine Aussichtsplattform auf dem Stratosphere Tower, 260 Meter hoch über der Kasino-Stadt. In schwindelnder Höhe, gleich neben dem Abgrund, redet der 31-jährige Carlos mit ruhiger Stimmer auf den nächsten Springer ein.
"Sky Jump" ist ein Nervenkitzel für Wagemutige. Nur mit einem Seil gesichert geht es 108 Stockwerke hinunter. Der Landepunkt auf der Terrasse des Kasino-Hotels sieht aus wie ein Stecknadelknopf, die Stretchlimousinen auf dem Strip gleichen hier oben Matchbox-Autos.

"Sie vertrauen mir ihr Leben an"

Kein Wunder, dass am Rand der Sprungrampe die Knie weich werden.
"Heute hatte ich eine Frau, die sich heulend auf den Boden setzte, als sie den Abgrund sah", erzählt Carlos. "Es ist wirklich nicht so schlimm, das wirst du bestimmt überleben", habe er sie beruhigt, grinst der "Sky Master".
Er selbst ist schon 21 Mal gesprungen, doch sein Job verlangt mehr als nur Mut. Er hat von allem etwas: Fallschirmsprung-Lehrer, Therapeut, Übersetzer und Techniker. "Wir haben Touristen aus aller Welt, manche sprechen kein Englisch, fast alle haben Angst und sie vertrauen mir ihr Leben an", sagt der kräftige Amerikaner.
Carlos ist von Anfang an dabei. Seit der "Sky Jump"-Eröffnung im Jahr 2010 haben mehr als 100.000 Besucher den Schritt ins Nichts gewagt. Es ist die höchste Freifallanlage der Welt. Mit 65 Stundenkilometern geht es im "kontrollierten freien Fall" hinunter, 17 Sekunden lang. Das Mindestalter ist 14 Jahre, nach oben gibt es keine Grenzen. "Ich habe einer 88-Jährigen an ihrem Geburtstag geholfen, sie hatte überhaupt keine Angst", erzählt Carlos.
Überhaupt seien Frauen oft furchtloser als Männer, berichtet er aus Erfahrung.
"Mein Mann und meine beiden Töchter wollen ein T-Shirt kaufen mit der Aufschrift "Mommy ist gesprungen"", sagt die Inderin Raka. In einem Springeranzug mit Gurtzeug steht die Urlauberin auf der luftigen Plattform, die Familie wartet unten. Ein letzter Check von Carlos, Gurt und Seil sind fest verankert, er zählt bis drei. Nichts passiert. Beim Blick nach unten verliert Raka den Mut. Erst im zweiten Anlauf, nach gutem Zureden von Carlos, lässt sie schreiend das Geländer los.

Der "Sky Master" darf alles, nur nicht schubsen

Nicht kopfüber, wie bei einem Bungee-Sprung, sondern eher wie Super-Man, leicht nach vorne geneigt und mit gespreizten Armen fliegen, empfiehlt Carlos. Ein gutes Dutzend Mal habe seine Überzeugungskraft nicht gereicht, räumt er ein. Mit dem Aufzug ging es für die allzu Ängstlichen wieder hinunter. "Ich darf niemanden von der Plattform schubsen", sagt der "Sky Master". Er kann nur mit Worten überzeugen.
Der Job sei nie langweilig, allein schon wegen der "coolen" Schreie, grinst Carlos. "Es gibt große, stämmige Kerle, die erst ganz mutig wirken. Dann springen sie und kreischen wie ein kleines Kind." "Total wahnsinnig", sagt der 19 Jahre alte dänische Tourist Martin Volderpoulsen strahlend nach geglückter Landung. Ein Seilgewinde bremst den Sturzflug in letzter Sekunde sanft ab. "Wenn man da oben steht, kommt man echt ins Schwitzen.

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