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Talentschmiede : Münchner Filmhochschule feiert 50-jähriges Jubiläum

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Bernd Eichinger, Wim Wenders und Caroline Link haben etwas gemeinsam: Sie alle haben an der Hochschule für Fernsehen und Film in München studiert. 50 Jahre ist die HFF alt und stolz auf große Namen und viele Preise. Wie ehrfürchtig sollten heutige Studenten da sein?

shz.de von
erstellt am 12.Jul.2017 | 16:01 Uhr

Fast 50 Jahre ist es her, da machte ein Münchner Student einen Kurzfilm. «Alabama - 2000 Light Years», ein Thriller im Geist der Zeit, in dem viel geraucht wird zur Musik von Bob Dylan, Jimi Hendrix und den Rolling Stones.

Die 21 Minuten in schwarz-weiß sind ein frühes Werk von Wim Wenders, der sein musikalisches Roadmovie 1969 an der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) drehte.

So wie Wenders lernten viele andere berühmte Filmemacher ihr Handwerk an der HFF: Die Oscar-Preisträger Caroline Link und Florian Henckel von Donnersmarck, der Filmproduzent Bernd Eichinger oder die Regisseure Roland Emmerich und Sönke Wortmann. Am Freitag wird bei einem Festakt an das 50-jährige Bestehen der Hochschule erinnert.

Der Anfang war bescheiden. 1967 nahm die HFF in einer Jugendstilvilla im Stadtteil Schwabing ihren Studienbetrieb auf und wurde kritisch beäugt, als Experiment.

«Es war ein Chaotenhaufen, aber es war prima», erinnerte sich Professor Heiner Stadler vom Lehrstuhl Dokumentarfilm, der von 1970 bis 1974 dort studierte. Nur wenige Studenten waren eingeschrieben, alles sehr übersichtlich.

Doch das Gemütliche und Gutbürgerliche gefiel nicht allen. «Wir dachten, wir gehören nicht in eine Jugendstilvilla sondern in eine Fabrik», sagte Stadler. 1988 ging der Wunsch mit dem Umzug in eine alte Bettfedernfabrik im Stadtteil Giesing in Erfüllung. Ein legendärer Ort mit vielen ungezwungenen Partys und sogar einem Garten.

Als die Ära Giesing Mitte 2011 vorbei war, waren viele Studenten und Professoren wehmütig, darunter die ehemalige Vizepräsidentin Michaela Krützen: «Ich frage mich natürlich schon, wo die Studenten in Zukunft ihren Gasgrill aufstellen werden. Die waren es ja schon gewohnt, alle ihre Feste auch bis in die Puppen in der Schule zu feiern», sagte sie damals der «Süddeutschen Zeitung».

Gefeiert wird immer noch, auch in dem prestigeträchtigen Neubau aus Beton und Glas im Münchner Kunstareal, in Sichtweite der berühmten Pinakotheken. Hörsäle, vier Kinosäle und Arbeitsräume wurden mit moderner Technik ausgestattet.

Das war 1991 noch anders, als die Regisseurin Caroline Link ihren Abschlussfilm in einem Münchner Kino vorführen wollte. Damals gab es noch klassische Filmrollen in einem Projektor. Der Leinwand-Vorhang ging auf, der Film startete - und dann brannte das Filmmaterial an einer Stelle durch. Keine Vorführung.

Links Vater drückte seiner verzweifelten Tochter einen goldenen Plastik-Oscar in die Hand, nicht ahnend, dass sie 2003 den echten Goldjungen erhalten sollte für ihr Drama «Nirgendwo in Afrika».

«Dieser Oscar steht bis heute neben dem echten in meinem Wohnzimmer. Er bedeutet mir ungefähr genauso viel», schreibt Link im Buch «Vom Widerstand des Geräts», das zum 50-jährigen HFF-Jubiläum erschienen ist.

Viele Legenden ranken sich um frühere Zeiten und so mancher trauert ihnen immer noch nach. Buchherausgeber und Technik-Professor Peter Slansky sieht das entspannt. «Was wäre mit der Filmbranche, wenn sie nicht Mythen produzieren würde? Da denkt jeder an seine Studienzeit zurück», sagt er.

Die neuen Studenten sollten sich jedoch nicht von großen Namen und Erfolgen früherer Studenten einschüchtern lassen, das sei für junge Kreative belastend. «Sie sollen lieber die richtige Ehrfurcht vor ihren Vorgängern haben - und es dann selber aber anders machen.»

HFF München

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