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Showmaster : Mike Krüger: Von Quickborn hinaus in die Welt

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Seine Kindheit war alles andere als rosig. Trotzdem schaffte es Mike Krüger, „ein optimistisches Kerlchen“ zu werden. Von seiner bewegten Karriere erzählt der Entertainer in seiner neuen Autobiografie.

Hamburg | Als Rudi Carrell 1975 anrief und ihn in seine Samstagabend-Show „Am laufenden Band“ einlud, konnte es Mike Krüger erst nicht glauben und dachte, jemand habe sich einen Scherz erlaubt. Doch der 23-jährige mittellose Architekturstudent, der nebenbei in einer Hamburger Kneipe als Sänger auftrat, hatte richtig gehört: Der legendäre Showmaster wollte, dass er seinen Song „Mein Gott, Walther“ in seiner Sendung präsentierte, die damals um die 22 Millionen Zuschauer sahen.

Ein Stern am Showbusiness-Himmel war geboren und Rudi Carrell meinte vorausschauend: „Mach weiter solche lustigen Lieder, dann könnte aus dir vielleicht sogar mal was werden.“ Seit 40 Jahren hat Mike Krüger seitdem auf so ziemlich jeder Bühne zwischen Nordsee und Wörthersee gespielt. Und zu seinem Bühnenjubiläum hat sich der Sänger, Schauspieler und Showmaster selbst ein Geschenk gemacht: seine Autobiografie unter dem Titel „Mein Gott, Walther - Das Leben ist oft Plan B“. Darin erzählt er unter anderem auf amüsante Weise, „warum eine einsame Kindheit auch humorbildend sein kann und wie er aus Versehen zu einem der beliebtesten Entertainer der Republik wurde.“

Thomas Gottschalk (l) und Mike Krüger während der Dreharbeiten am Wörthersee im Juni 1983 zum Kinofilm „Die Supernasen“.

Thomas Gottschalk (l) und Mike Krüger während der Dreharbeiten am Wörthersee im Juni 1983 zum Kinofilm „Die Supernasen“.

Foto: Istvan Bajzat, dpa
 

Dabei begann sein Leben alles andere als rosig. Die ersten Seiten des Buches sind äußerst heftig und man muss mehrmals schlucken angesichts der traurigen Details. So erfährt der Leser, dass Michael Friedrich Wilhelm (so sein richtiger Name) Krüger am 14. Dezember 1951 zwei Monate zu früh in Ulm geboren wurde und halbseitig gelähmt in einem Brutkasten lag. Erst sechs Monate später konnten ihn seine Eltern mit nach Hamburg nehmen. Als er drei Jahre alt war, starb seine Mutter unter ungeklärten Umständen in einem Pariser Hotelzimmer, zu seinem Vater und seiner Stiefmutter konnte er nie eine richtige Beziehung aufbauen. Sie steckten ihn mit zehn Jahren in ein Internat in Büsum, wo die Kinder noch mit dem Rohrstock verprügelt wurden.

Warum er trotzdem oder gerade deswegen so ein optimistischer Mensch wurde, erklärt Mike Krüger im so: „Ich denke, da gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man macht das Gegenteil von dem, was man erfährt und wird positiv und optimistisch. Oder man wird so, wie es einem vorgeführt wird. Ich glaube, dass kann man in manchen Fällen gar nicht selber beeinflussen. Die Gene sind dann manchmal positiv oder negativ. Bei mir waren sie Gott sei Dank positiv. Ich habe dann das Gegenteil von dem gemacht, was ich in der Kindheit erlebt habe. Lachen hilft ja viel, gerade, wenn man traurig ist.“

Nach dem Durchbruch mit „Mein Gott, Walther“ (1975) hängte der gelernte Betonbauer, der als Lehrling den neuen Hamburger Elbtunnel mitbaute, sein Architekturstudium an den Nagel und stürzte sich ins aufregende Showbusiness.

In lustigen Anekdoten erfährt der Leser zum Beispiel, wie der Erfinder des „Nippel“ und „Bodo mit dem Bagger“ zusammen mit Karl Dall und Jürgen von der Lippe herausfinden wollte, wie teuer eine komplette Hotel-Minibar ist (689,50 Mark), dass die Rolling Stones tatsächlich nichts anbrennen ließen und wie Thomas Gottschalks Ehefrau Thea bei einem Treffen am Tegernsee den Titel für die erfolgreiche Kinokomödie „Die Supernasen“ erfand.

Aber auch Misserfolge steckte der Blödelbarde, der 1984 mit „Krügers Nationalquark“ seine erste Fernsehsendung bekommen hatte, scheinbar ohne große Probleme weg. So sahen Kritiker in seiner ersten eigenen Samstagabend-Show „Vier gegen Willi“ in der ARD, in der die Kandidaten teils mit abstrusen Spielideen konfrontiert wurden, den „Untergang des Abendlandes“. Wesentlich erfolgreicher war da seine Teilnahme als festes Mitglied bei der satirischen Talkshow „7 Tage - 7 Köpfe“ bei RTL (1996-2005), in der Comedians auf die vergangene Woche zurückblickten – dafür gab es den Deutschen Fernsehpreis und den Bambi.

Jochen Busse (Mitte, sitzend) und sein „7 Tage - 7 Köpfe“-Team (l-r) Kalle Pohl, Bernd Stelter, Oliver Welke, Gaby Köster und Mike Krüger.

Jochen Busse (Mitte, sitzend) und sein „7 Tage - 7 Köpfe“-Team (l-r) Kalle Pohl, Bernd Stelter, Oliver Welke, Gaby Köster und Mike Krüger.

Foto: Hermann Wöstmann, dpa
 

Den heutigen TV-Formaten kann Krüger, der sich mit 63 Jahren langsam in den Ruhestand verabschieden und sich mehr dem Golfsport widmen möchte, nur wenig abgewinnen: „Das hat meiner Meinung nach mit Unterhaltung überhaupt nichts zu tun. Die finanzielle Not von ehemaligen Showstars dazu auszunutzen, sie in einen Dschungel einzusperren mit einer Gage, die ihnen vielleicht über das nächste halbe Jahr hilft, das finde ich unterste Schiene.“

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erstellt am 01.Okt.2015 | 12:39 Uhr

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