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Schauspieler : Martin Feifel: In mir schlummert ein Clown

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Der TV-Thriller «Tod im Internat» erzählt in zwei Teilen von der Suche nach einem verschwundenen Mädchen - und von der Aufarbeitung vergangener Ereignisse.

shz.de von
erstellt am 08.Okt.2017 | 23:59 Uhr

Martin Feifel (53) ist durch viele kleinere und größere Rollen am Theater und in unzähligen TV-Filmen einem breiten Publikum bekannt geworden. Ende August war sein Film «Mutter auf Streife» (Das Erste) zu sehen.

Jetzt läuft der zweiteilige Thriller «Tod im Internat» (Montag und Mittwoch, 9./11.10., 20.15 Uhr, ZDF). Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur spricht er über seinen Part in diesem Film, über große und kleine Rollen und warum er doch nicht Clown geworden ist.

Frage: Was treibt die Figur um, die Sie spielen: Verzweiflung oder gar Rache?

Antwort: Nun, ich glaube, das hat mit Rache nichts zu tun, vielmehr mit einer großen Sehnsucht. Wenn man so eine Vergangenheit hat wie Volker Jens, in der er benutzt wurde von Mächten, von denen man gar nichts mehr wissen möchte, und von denen er zum Abtauchen und zu einem Leben in Indien gezwungen worden ist, wo er seine Freundin verloren hat, dann ist das kein Wunder. Dann erfährt er von seiner Tochter Sophie, und plötzlich ändert sich alles. Trotz der neuen Identität gibt er irgendwann einfach auf. Für mich war das Wichtigste an dieser Figur, dass ich mich in sie wirklich hineinversetzen konnte.

Frage: Es geht in dem Film auch um Verdrängen und Verschweigen. Wie hält ein Mensch das so lange aus?

Antwort: Gar nicht in diesem Fall, es hat ihn zerstört. Volker weiß, dass er nicht mehr glücklich werden wird, aber er hat mit Sophie etwas Gutes geschaffen, und das beruhigt ihn. Er hatte ein bewegtes Leben, mit Demonstrationen an der Startbahn West bei Frankfurt, auch mit Erfahrungen am Rande der RAF. Er hatte sich politisch positioniert.

Frage: Wie schätzen Sie die heutigen Proteste, wie im Juli in Hamburg, ein?

Antwort: Die Qualität des Widerstandes hat sich rapide verändert, so wie sich auch die Generationen verändert haben. Nur die Politik ist seit 20 Jahren wie ein Vakuum, das hängt wie eine riesige Käseglocke über dem Land. Es ist ganz schwer, insbesondere für die nachwachsenden Generationen, ein richtiges Demokratieverständnis zu bekommen. Es gab schon früher einen Schwarzen Block, aber selbst da war die politische Motivation größer, als es sie heute ist. Durch dieses Vakuum entsteht ein Stau, dann explodiert plötzlich etwas, was mit Politik kaum noch oder gar nichts mehr zu tun hat.

Frage: Vielen Menschen scheint heutzutage alles gleichgültig zu sein.

Antwort: Ja. Es ist ihnen wurscht, wer kaputt geht. Jeder kümmert sich nur noch um sich selbst und dass ihm nichts passiert. Dabei sollte man doch immer eine Motivation haben, auf deren Basis sich diskutieren lässt, aber das war in Hamburg offenbar nicht mehr möglich. Da entstanden rechtsfreie Räume - das darf nicht sein. So kann man kein vernünftiges Gespräch führen.

Frage: Sie können kleine Rollen ganz groß machen. Warum sehen wir Sie nicht öfter im TV?

Antwort: Das dürfen Sie mich nicht fragen. Das entscheiden ja die Redaktionen in den Sendern. In der jüngsten Zeit ist die Auftragslage leider recht dünn, da kommen dann ganz schnell wieder Existenzängste hoch. Das finde ich nach 28 Jahren in diesem Beruf sehr verstörend.

Frage: Sie wollten ursprünglich einmal Clown werden. Warum wurde daraus nichts?

Antwort: Zum einen ist die Ausbildung sehr kräftezehrend, und mein Rücken hat das leider nicht mitgemacht. Zum anderen ist es so: Den Clown muss man in sich selber finden, das kann man nicht erlernen. Bei mir schlummert er wohl noch, aber mehr zur Tragikomik hin, im Stile eines Buster Keaton.

ZUR PERSON: Martin Feifel (53) wurde am 16. Juni 1964 in München geboren. Ursprünglich wollte er Clown werden, absolvierte dann aber eine Schauspielausbildung an der Schauspielschule Bochum (1987-1990). Sein Filmdebüt gab er in einer kleinen Nebenrolle als SS-Mann in der Filmkomödie «Schtonk!» (1991) von Helmut Dietl. Zuletzt sah man ihn im «Tatort - Die Liebe, ein seltsames Spiel». Feifel lebt in München.

Website Martin Feifel

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