Plädoyer für Selbstbestimmung : «Licht»: Sehen und gesehen werden

Maria Theresia Paradis (Maria Dragus) war eine der talentiertesten Pianistinnen ihrer Zeit.  /Geyrhalterfilm/Farbfilm
Maria Theresia Paradis (Maria Dragus) war eine der talentiertesten Pianistinnen ihrer Zeit.  /Geyrhalterfilm/Farbfilm

Ende des 18. Jahrhunderts begann die blinde Pianistin Maria Theresia Paradis, sich trotz der strengen Regeln bei Hof für sich und ihre Belange einzusetzen – «Licht» ist der dazugehörige, faszinierende Film dazu.

shz.de von
27. Januar 2018, 15:01 Uhr

Hamburg (dpa) – Obwohl die Österreicherin Maria Theresia Paradis Ende des 18. Jahrhunderts zu den talentiertesten Pianistinnen ihrer Zeit zählte, ist sie kaum bekannt.

Anders als von vergleichbaren Künstlern wie Johann Sebastian Bach, Joseph Hayden oder Wolfgang Amadeus Mozart, sind von Paradis' Liedern, Opern und Instrumentalwerken heute nur noch wenige erhalten.

Auch zu Lebzeiten spielte die spätere Musikpädagogin vorwiegend fremde Stücke. Für Regisseurin Barbara Albert («Fallen») kein Grund, sich in ihrem achten Kinofilm «Licht» nicht trotzdem dem Leben der Klaviervirtuosin zu widmen. Ihr biografisches Drama ist ein einfühlsames Porträt einer talentierten Frau, aber auch ein Plädoyer für Selbstbestimmung.

Als Kind ist Maria Theresia Paradis (Maria Dragus) plötzlich erblindet. Von ihrem Umfeld vornehmlich angestarrt und gemieden, flüchtet sie sich in das Klavierspiel. Auch die schwierigsten Werke beherrscht sie aus dem Effeff, bis sie sich auf Anraten ihrer Eltern in die Behandlung des Heilers Franz Anton Mesmer (Devid Striesow) begibt. Während ihn Kritiker für einen Scharlatan halten, gelingt es ihm mit Hilfe seiner streitbaren Fluidums-Therapie, Maria das Augenlicht zurückzugeben.

Zunächst nur schemenhaft, erkennt die junge Frau nach und nach Formen und Farben, verliert dadurch aber auch ihr Gespür für das Klavierspiel. Für ihre Eltern wird diese Erkenntnis zur Katastrophe, während sich auch der Arzt zunehmend für seine Therapie rechtfertigen muss.

Regisseurin und Drehbuchautorin Barbara Albert verfolgt in «Licht» nicht das komplette Leben ihrer Protagonistin, sondern setzt sich ganz gezielt mit wenigen Wochen auseinander, in denen sich die von allen nur liebevoll Resi genannte Maria Theresia in Behandlung bei Franz Anton Mesmer befindet. Was genau es mit den streitbaren Methoden des Arztes auf sich hatte, ist bis heute nicht vollständig geklärt, zumal ein Unfall dafür sorgte, dass Resi nach ihrem dortigen Aufenthalt wieder vollständig erblindete.

Trotzdem ist es nicht nur spannend, wie wertfrei und gleichermaßen detailgetreu Albert die Ereignisse einfängt, sondern auch, wie sich Resi nach und nach in dem für sie unsichtbaren Umfeld zu behaupten weiß. Die Zeit der Behandlung ist für die junge Frau letztlich vielleicht nicht mit dem erhofften Erfolg verbunden, trägt aber einen Großteil dazu bei, dass sie im Anschluss daran nicht mehr unter der Fuchtel ihrer herrischen Eltern steht.

«Tiger Girl»-Star Maria Dragus geht in der Rolle der gleichermaßen unbeholfenen wie resoluten Maria Theresia Paradis auf fast ekstatische Weise auf und trägt «Licht» mühelos mit ihrem Spiel. An ihrer Seite erdet Devid Striesow («Ich bin dann mal weg») die mitunter fast satirisch überhöhte Szenerie in der Rolle des liebevoll-undurchschaubaren Heilers. Die beiden überzeugen als eingespieltes Duo zwischen einer ganzen Reihe starker Nebendarsteller, die wie unsereins staunen, wenn sich eine vermeintlich hilflose Frau zurück ins Leben kämpft.

Licht, Deutschland/Frankreich 2017, 97 Min., FSK ab 6, mit Maria Dragus, Devid Striesow, Lukas Miko, Katja Kolm

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