Spanisches Königshaus : König Juan Carlos – der gefallene Held

Fast 40 Jahre war er das Oberhaupt Spaniens, jetzt will König Juan Carlos I. den Thron seinem Sohn Kronprinz Felipe überlassen. shz.de lässt den Weg des einstigen Nationalhelden zum unwürdigen Repräsentanten der Monarchie Revue passieren.

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03. Juni 2014, 16:42 Uhr

Einst führte er sein Land in die Demokratie und wurde vom spanischen Volk als Held gefeiert. Nach fast 40 Jahren als royales Oberhaupt ist Juan Carlos jedoch als Skandalnudel verschrien und treibt tausende Bürger in 20 spanischen Städten zu antimonarchistischen Demonstrationen auf die Straße – allein in Madrid kamen nach Medienberichten etwa 20.000 Menschen zu einer Kundgebung zusammen.

König Juan Carlos hatte am Montag erklärt, er wolle einer jüngeren Generation den Weg freimachen. „Eine neue Generation verlangt aus gerechtem Grund die Hauptrolle“, sagte der gesundheitlich angeschlagene 76-jährige Monarch.

Sein Nachfolger soll sein 46-jähriger Sohn Felipe werden. Ob dieser den Beliebtheitsgrad der Monarchie wieder steigern kann, bleibt abzuwarten.

Ein Diktator erkor den 1938 im Exil geborenen Juan Carlos zum Nachfolger, doch allen Skeptikern zum Trotz führte König Juan Carlos I. sein Land zur Demokratie. Unter der Obhut Francisco Francos (Foto) hatte Juan Carlos seine Ausbildung erhalten, 1969 ernannte Franco den Prinzen zu seinem königlichen Nachfolger.

Juan Carlos Francisco Franco
Foto: dpa

Als Juan Carlos im November 1975 – kurz nach dem Tod des Diktators – mit 37 Jahren den Thron bestieg, stand er an der Spitze eines Landes, das seit dem Bürgerkrieg (1936-1939) gespalten war und dessen Bevölkerung für die Monarchie wenig übrig hatte. Gegen den Widerstand des alten Regimes und gegen die Pläne Francos leitete Juan Carlos einen Demokratisierungsprozess ein. 1976 entließ er den von Franco eingesetzten Ministerpräsidenten Carlos Arias Navarro und machte den reformfreudigeren Adolfo Suárez (1932-2014) zum bis dahin jüngsten Ministerpräsidenten in Spaniens Geschichte.

In einem Referendum billigten die Spanier 1976 ein Gesetz, in dem sich die Regierung zur grundlegenden Reform der politischen Institutionen verpflichtete. Weitere Meilensteine waren die Zulassung von Parteien und Gewerkschaften, die Parlamentswahlen 1977 und die Verfassung von 1978. Sie definiert Spanien als „sozialen und demokratischen Rechtsstaat“ und gesteht den Regionen das Recht auf Autonomie zu. Die letzten Zweifler brachte Juan Carlos auf seine Seite, als er im Februar 1981 die junge Demokratie standhaft gegen einen militärischen Putschversuch verteidigte. Damals hatte der König den Versuch von Teilen der Guardia Civil und des Militärs vereitelt, eine neuerliche Diktatur zu errichten – und das nur in Form einer Ansprache, in der er an die Aufständischen appellierte, ganz ohne den Einsatz von Gewalt.

Die Verdienste des Königs um die Wiedereinführung der Demokratie nach dem Ende der Franco-Diktatur (1939-1975) oder die Niederschlagung eines Putschversuchs im Februar 1981 liegen mittlerweile weit zurück. Bei vielen jungen Spaniern sind diese Zeiten in Vergessenheit geraten. Vorherrschend in den Köpfen sind die Skandale des Königs, die den Ruf des Königshauses stark angekratzt haben.

Die angeblichen Affären des Königs sind ein Kapitel für sich. So soll er neben der deutschen Adeligen auch Liebesbeziehungen mit den Schauspielerinnen Sara Montiel (Foto) und Bárbara Rey sowie der Sängerin Paloma San Basilio gehabt haben. Immer wieder machten Gerüchte um uneheliche Kinder des Königs die Runde.

Foto: Imago
Foto: Imago

Seine Affären sollen Juan Carlos' Kinder ihm verziehen haben, den Schmerz, den er seiner Ehefrau, Königin Sofia, damit zufügte jedoch nie. Die beiden heirateten am 14. Mai 1962.

Ein teurer Jagdausflug ins afrikanische Botsuana empörte 2012 die Spanier, die in einer großen Wirtschaftskrise steckten. Das Ganze kam ans Licht, weil der Monarch in seiner Jagdhütte stolperte und sich die Hüfte brach. Doch nicht nur das nach dieser Aktion von der Bevölkerung als geheuchelt empfundene Mitleid des Königs den von der Krise gebeutelten Bürgern gegenüber sorgte für Empörung. Wegen der Elefantenjagd entschuldigte sich der König öffentlich, was in der Geschichte der spanischen Monarchie beispiellos ist, und gelobte Besserung. Von dem Imageschaden konnte er sich jedoch nicht wieder erholen.

Ein weiteres brisantes Detail des königlichen Vergnügens: Juan Carlos reiste in Begleitung der deutschen Adeligen Corinna zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Auch mit ihr wird dem König eine Affäre nachgesagt.

Zudem erschüttert aktuell eine Korruptionsaffäre den Palast: Königstochter Cristina steht im Verdacht, in einen Finanzskandal um ihren Ehemann Iñaki Urdangarín verwickelt zu sein. Ihm wird die Unterschlagung von Steuergeldern in Höhe von etwa sechs Millionen Euro zur Last gelegt.

Ein erschreckender Teil in Juan Carlos' Leben ereignete sich im Jahre 1956: Als sein Bruder Alfonso 15 Jahre alt war, starb er an einer Schussverletzung am Kopf. Eine Zeitung hatte behauptet, es sei der ältere Juan Carlos gewesen, der die Waffe in der Hand hielt. Die offizielle Version lautete, der Schuss habe sich beim Reinigen der Waffe gelöst. Eine gerichtliche Untersuchung des Falls fand nie statt.

mit dpa

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