Wochenzeitung im Shitstorm : Kim Schmidt-Comic abgelehnt: „Flüchtlingssituation keine Basis für Cartoons“

Der abgelehnte Cartoon wurde auf Facebook über 2300 Mal geteilt.

Der abgelehnte Cartoon wurde auf Facebook über 2300 Mal geteilt.

Eine Flensburger Wochenzeitung druckt einen Comic nicht ab, da er unpassend sei. Die Entscheidung sorgt für Entrüstung im Netz.

shz.de von
07. September 2015, 13:46 Uhr

Flensburg | Seine „Local Heroes“ haben Kim Schmidt aus Dollerup zu einem bekannten Comic-Zeichner gemacht. Spielerisch und leicht geht dem 50-Jährigen das Zeichnen von der Hand: die Kühe auf dem Bauernhof, der Faulenzer Öde und seine skurrile Oma oder Unser Schumi – nichts und niemand ist vor Kim und seiner Feder sicher. Auch politische Themen greift Schmidt immer wieder auf. Seinen neuesten Cartoon fand eine Flensburger Wochenzeitung jedoch zu unpassend, um ihn abzudrucken. Kurzerhand veröffentlichte Kim Schmidt ihn auf seiner Facebook-Seite – und löste damit einen Shitstorm gegen die „MoinMoin“ aus.

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Über 2300 Mal wurde der Comic über die Oma mit Namen „Martha Pfahl“ seitdem geteilt und knapp 2000 Mal mit „Gefällt mir“ markiert. In vielen Kommentaren unter dem Beitrag wird Unverständnis über die Absage der „MoinMoin“ geäußert. Insbesondere die Begründung für das Nichtabdrucken sorgt für Kopfschütteln. „Ich war einfach enttäuscht, dass der Comic nicht gebracht wurde“, sagt Kim Schmidt, „da habe ich spontan den Weg über das Internet gewählt.“ Dass das so eine Welle schlagen würde, damit hatte auch Schmidt nicht gerechnet. „Das Thema bewegt natürlich so ziemlich jeden, und ich hatte gedacht, ich hab so meine tausend bis zweitausend Leser, denen will ich den Comic einfach zeigen.“

Auf der offiziellen Facebookseite des Verlags heißt es: „Der Verlag ist der Meinung, dass das Thema im Hinblick auf die Flüchtlingssituation keine Basis für Cartoons ist. Zudem kann der Comic von Kim Schmidt falsch interpretiert werden.“ Der Hashtag #Refugees Welcome wurde nachträglich aus dem Statement auf Facebook entfernt. Auf Anfrage wollte sich die Redaktion der „MoinMoin“ am Montag nicht weiter zu der Entscheidung äußern.

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In den Kommentaren heißt es: „Natürlich ist die Situation Basis für Cartoons“ oder „Wie kann euch nur eine solche Fehleinschätzung unterlaufen?“ Ein anderer schreibt: „Politische Cartoons sind schon fast die Urform von Cartoons“.

„Satire darf alles“, heißt es immer und das Thema der politischen Zeichnungen erinnert unweigerlich an die Redakteure der Satirezeitung „Charlie Hebdo“, die sich trotz massiver Drohungen mit Cartoons immer wieder politisch positioniert haben und sich nie vor Konfrontationen versteckten. Am 7. Januar starben nach einem Anschlag zwölf Menschen, darunter acht Redakteure, in der Redaktion des Satiremagazins.

Mit der Redaktion der „MoinMoin“ habe er ein Gespräch gehabt, sagt Schmidt. Der Verlag sehe sich jetzt in ein schlechtes Licht gestellt und falschen Vorwürfen ausgesetzt. „Das ist ja kein rechtes Blatt, aber in dieser Sache war die MoinMoin einfach zu zaghaft“, sagt Schmidt. Dabei engagiert sich auch die Flensburger Wochenzeitung für Flüchtlinge und berichtet regelmäßig über Hilfsaktionen und Spendenprojekte.

Kim Schmidt hat zur aktuellen Flüchtlingssituation in Deutschland und Europa jedenfalls ein klare Meinung. Der Comic sei vom Gag her gar keine Riesensache gewesen, dennoch könne er dieses Relativieren bei der Diskussion um die Flüchtlinge nicht mehr hören. Immer gebe es dieses: „Wir wollen ja helfen, aber...“. „In dieser Zeit gibt es kein aber. Den Menschen aus Syrien, Somalia oder auch vom Balkan geht es schlecht“, sagt Schmidt und fügt hinzu: „Die Menschen kommen hierher, weil hier Frieden herrscht, weil man hier sehr gut leben kann und weil es uns hier so gut geht, können wir ihnen auch super gut helfen“. Es sei schließlich genug für alle da. Europa habe sich jedoch bislang nicht mit Ruhm bekleckert, sondern liefert eine eher peinliche Vorstellung ab. „Die Politik kommt jetzt so langsam in die Puschen, aber eigentlich auch erst, seit die Bevölkerung das Ganze mit Hilfsaktionen selbst in die Hand genommen hat.“

Der neue Local Heroes von Kim Schmidt für shz.de greift die Thematik ein bisschen nordischer auf. „Was sagen Sie bloß zu den ganzen Flüchtlingen?“ Die knappe Antwort: „Ich sach Moin!“ Der Spruch kursiert derzeit immer wieder im Internet und bringt es laut Schmidt „norddeutsch unaufgeregt“ ziemlich auf den Punkt.

Der neue Comic von Kim Schmidt.
Kim Schmidt

Der neue Comic von Kim Schmidt.

Wer Flüchtlingen in Schleswig-Holstein helfen möchte, der findet in unserem Artikel „Spenden, Kontakt, Integration: So können Sie Flüchtlingen in SH helfen“ den richtigen Ansprechpartner.

Kim Schmidt arbeitet seit rund 20 Jahren als freiberuflicher Comic-Zeichner. Er lebt und arbeitet in Dollerup in der Nähe von Flensburg. Seit 1996 erscheint im Journal des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (sh:z) immer samstags seine Tier-Cartoonserie „Local Heroes“, die auch in 16 Sammelbänden erschienen sind. Cartoon-Landkarten von Schmidt sind bereits für alle deutschen Bundesländer erhältlich, dabei wurden Landkarten mit lokalen Besonderheiten und verballhornten Städtenamen (z. B. „Kokshaufen“ für Cuxhaven oder „Humbug“ für Hamburg) gezeichnet.
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