TV-Tipp : Kalkofes Mattscheibe: Das Schlimmste bis jetzt

Oliver Kalkofe, Medienkritiker, Moderator und Komiker, zieht Zwischenbilanz.
Oliver Kalkofe, Medienkritiker, Moderator und Komiker, zieht Zwischenbilanz.

Jahresrückblicke gibt es zuhauf, Halbjahresbilanz zieht aber kaum jemand. Der Satiriker Oliver Kalkofe hat 2018 im TV schon so viel Unfassbares erlebt, dass er sich nicht länger zurückhalten kann.

shz.de von
27. Juli 2018, 00:01 Uhr

Das Jahr 2018 ist halb rum, an Rückblicke denkt noch keiner. Keiner? Fast keiner. Oliver Kalkofe (52) hat nach eigenem Bekunden schon so viel Fürchterliches im Fernsehen gesehen, dass er nicht länger den Mund halten kann.

Deswegen sendet sein Stammkanal - der Münchner Privatanbieter Tele 5 - an diesem Freitag um 22.05 Uhr den Satirebeitrag «Kalkofes Mattscheibe: Das Schlimmste bis jetzt», in dem der Kabarettist wieder einmal in verschiedene Rollen schlüpft und Prominente bis zur Schmerzgrenze durch den Kakao zieht.

«Wer dachte, es geht nicht mehr schlimmer - weit gefehlt! 2018 geht es im deutschen TV und Internet noch bekloppter und irrer zu wie je zuvor», sagt Kalkofe. Unter anderem beschäftigt sich der satirische Spaßmacher mit dem gescheiterten Versuch des Unternehmers Carsten Maschmeyer mit seiner Gründer-TV-Show «Start up!» bei Sat.1, mit der skandalumwitterten Echo-Verleihung, mit einem kantigen Interview der ZDF-Moderatorin Marietta Slomka mit Staatssekretärin Dorothee Bär und den Zukunftsvisionen des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder.

Das immerwiederkehrende Prinzip Kalkofes: Er bringt zunächst Originalausschnitte der Protagonisten bei ihren ohnehin schon skurrilen öffentlichen Auftritten, dann plötzlich von einer Sekunde auf die andere schlüpft der geschminkte Kalkofe in die Rolle des prominenten Zeitgenossen und treibt die Situation verbal auf die Spitze. Besonders nett anzuschauen ist eine von Phoenix übertragende Rede Söders, als der Ministerpräsident über die Entwicklung der Raumfahrtindustrie in Bayern zu reden beginnt und Kalkofe als neuer Söder plötzlich reinplatzt.

«Wir werden den modernsten jodelnden Supercomputer der Welt bauen, mit Zapfanlage», verspricht Kalkofe-Söder. «Wir werden eine Obergrenze für Alien-Invasionen festlegen, eine Ufo-Maut einführen und nicht eher ruhen, bis am Eingang eines jeden Planeten ein Kruzifix hängt. Dann sind wir das Bayern mit den dicken Eiern, the big balls, das werden wir nicht nur der Welt beweisen, sondern the fucking whole universe.» Als Kalkofe sich den Maschmeyer in der Sat.1-Show «Start up!» vornimmt, lobt er den Unternehmer in vollen Zügen. «Gegen den kann man Jesus in die Tonne treten, der Mann ist pure Menschenliebe mit Warmherzigkeit bis zum Gefrierbrand.»

In die Sat.1-Show schmuggelt sich Kalkofe auch als Kandidat mit einer Geschäftsidee ein, auf die Maschmeyer als Investor doch eigentlich abfahren müsste. Sie heißt: «AWB - alles wird behalten», preist der «Jungunternehmer» Kalkofe an. Die Einnahmen des Unternehmens sollen sich aus allem zwischen «Handtaschenraub und Hütchenspielerei» generieren. «Maschmeyers so grandios in die Hose gegangener Personality-StartUp war schon ein Top-Highlight der TV-Absurdität», teilte Kalkofe der Deutschen Presse-Agentur mit. Dass an Kalkofe ein guter Rapper verloren sein könnte, beweist er in seiner Parodie auf die aus dem Ruder gelaufene Echo-Verleihung im April.

Die «selbst verursachte Komplett-Demontage der Musikindustrie durch den Ego-Echo-FuckUp war Irrwitz vom Feinsten», so Kalkofe weiter. «Das erste Halbjahr lässt für 2018 auf neue Rekorde auf dem Feld des medialen Wahnsinns hoffen!»

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