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Nach Vergewaltigungs-Vorwürfen : Kachelmann verklagt „Bild“-Zeitung: Gericht rät zur Einigung

vom

3,25 Millionen Euro Schmerzensgeld will Jörg Kachelmann von verschiedenen Medien. Sie sollen mit ihrer Berichterstattung seine Persönlichkeitsrechte verletzt haben.

shz.de von
erstellt am 25.Feb.2015 | 15:05 Uhr

Köln | In der Millionen-Klage des Fernsehmoderators Jörg Kachelmann gegen die „Bild“-Zeitung (Print und Online) hat das Landgericht Köln eine gütliche Einigung angeregt.

Der Vorsitzende Richter Dirk Eßer ließ durchblicken, dass die Kammer in einigen Fällen tatsächlich zu dem Schluss kommen könnte, dass „Bild“ das Persönlichkeitsrecht des Wetterexperten schwerwiegend verletzt habe. Eßer sagte ausdrücklich nichts zu der Summe, die das Gericht ihm an Geldentschädigung zusprechen würde. Aus seinem Vortrag war jedoch herauszuhören, dass es sich kaum um die von Kachelmann geforderten 2,2 Millionen Euro handeln dürfte.

Der Wetterexperte wirft „Bild“ eine schwerwiegende Verletzung seines Persönlichkeitsrechts vor. Es geht dabei um die Berichterstattung über den Vergewaltigungsprozess gegen ihn. Kachelmann (56) war 2011 vor dem Landgericht Mannheim vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen worden.

„Bild“ und die anderen Medien, die von ihm verklagt worden sind, weisen die Vorwürfe zurück. Falls sich Kachelmann und „Bild“ nicht einigen, will das Gericht am 24. Juni eine Entscheidung mitteilen. Kachelmann, der persönlich vor Gericht erschien, hat auch gegen die Magazine „Bunte“ und „Focus“ geklagt. Diese Verfahren wurden am Mittwoch jedoch auf einen anderen Termin verschoben. Zusammengerechnet belaufen sich Kachelmanns Forderungen auf 3,25 Millionen Euro.

Kachelmann (56) erschien selbst zu der Sitzung. Es gehe ihm unter anderem darum, was seine Kinder später einmal bei Google über ihn lesen würden, sagte er der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Medien hätten ihn in die berufliche Lage gebracht, in der er sich heute befinde. „Deswegen ist das für mich ein wichtiger Tag, und deswegen wollte ich da auch mit dabei sein.“

Auf Twitter gibt es Zuspruch:

Doch nicht jeder hat Verständnis für die hohen Forderungen.

Sein Anwalt Ralf Höcker rechnet damit, dass er „das höchste in Deutschland jemals eingeklagte Schmerzensgeld für Persönlichkeitsrechtsverletzung“ erzielen wird. Der Sprecher des Landgerichts, Christian Hoppe, sagte: „Es ist in der Tat so, dass die bisher in der Rechtsprechung zuerkannten Geldentschädigungssummen unter dem Betrag lagen, den Herr Kachelmann fordert.“

Der Fall Jörg Kachelmann war einer der spektakulärsten Strafprozesse der vergangenen Jahre - und auch nach dem Freispruch für den Moderator hören die juristischen Streitigkeiten nicht auf. Eine Chronologie des Falls:

9. Februar 2010:
Die Radiomoderatorin Claudia D. ruft die Polizei an. Ihr Freund habe sie in der Nacht zuvor vergewaltigt. In der späteren Vernehmung sagt sie, um wen es sich handelt. Kachelmann fliegt am selben Tag nach Kanada, wo er als Wetterexperte von den Olympischen Spielen berichtet.

20. März 2010:
Bei seiner Rückkehr wird Kachelmann am Frankfurter Flughafen festgenommen. Er kommt in Untersuchungshaft.

19. Mai 2010:
Die Staatsanwaltschaft Mannheim erhebt Anklage wegen des Verdachts der Vergewaltigung in einem besonders schweren Fall und gefährlicher Körperverletzung.

29. Juli 2010:
Das Oberlandesgericht Karlsruhe hebt den Haftbefehl gegen Kachelmann auf. Es bestehe kein dringender Tatverdacht.

6. September 2010:
Der Prozess vor dem Landgericht Mannheim beginnt.

13. September 2010:
Die Staatsanwaltschaft verliest die Anklage. Demnach soll Kachelmann seine langjährige Geliebte mit einem Messer bedroht und vergewaltigt haben.

9. März 2011:
Kachelmann heiratet seine Freundin Miriam, eine Psychologie-Studentin.

31. Mai 2011:
Das Gericht spricht Kachelmann frei - nach dem Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“.

9. Juni 2011:
Kachelmann gibt der „Zeit“ ein Interview. Er betont, dass er unschuldig sei - und kündigt juristische Schritte gegen alle an, die etwas anderes behaupten.

8. Oktober 2012:
Das Buch „Recht und Gerechtigkeit“ erscheint. Kachelmann hat es gemeinsam mit seiner Frau Miriam geschrieben. Sie berichten darin über ihre Sicht auf den Prozess.

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