Pünktlichkeit : Jutta Maaßen schwimmt durch den Main zur Arbeit

Jutta Maaßen schwimmt mit ihrer wasserdichten Fahrradtasche im Main.
Jutta Maaßen schwimmt mit ihrer wasserdichten Fahrradtasche im Main.

Eine Ingenieurin aus Hessen hat aus der Not eine Tugend gemacht: Weil sie mit einer Mainfähre nicht mehr pünktlich zur Arbeit kommt, durchquert sie den Fluss auf eigene Faust.

shz.de von
07. August 2018, 09:15 Uhr

Jutta Maaßen schwimmt fast jeden Tag von Hessen durch den Main zur Arbeit nach Bayern. Früher nahm die 52-Jährige in Seligenstadt die Mainfähre nach Karlstein. Doch seit dem Frühjahr 2017 legt das Schiff nicht mehr am frühen Morgen ab.

Mit der ersten Fähre, die um 9.45 Uhr startet, kommt die Ingenieurin nicht mehr pünktlich zu ihrer Arbeitsstelle im Innovationspark Karlstein bei Aschaffenburg. Die Tauchlehrerin fackelte nicht lange und schwimmt seither morgens die gut 100 Meter durch den Main: «Das dauert nur wenige Minuten.»

Die Strömung helfe ihr ans andere Ufer. Nur jetzt bei dem Niedrigwasser infolge der langen Hitzeperiode müsse sie «richtig aktiv werden». Angst vor Booten auf der Wasserstraße hat sie nicht: «Die Schiffe sind langsam.» Für den Fall, dass sie doch mal schnell ausweichen muss, trägt sie Flossen: «Ich hab ja keine Arme, die halten ja die Tasche.» Wenn sie morgens den Fluss durchschwimmt, ist Maaßen übrigens zuvor schon etwa neun Kilometer von ihrem Wohnort Rodgau-Jügesheim bis zum Ufer in Seligenstadt geradelt.

Bevor Maaßen mit ihren Sportklamotten vom Rad in den Main steigt, verstaut sie Arbeitskleidung, Handy und Geld in einer wasserundurchlässigen Fahrradtasche. Damit die Sachen während des Schwimmens so trocken wie möglich bleiben, hat sie sich einen besonderen Schwimmstil angewöhnt: Sie schwimmt rückwärts auf dem Rücken, Kopf über Wasser und hält die mit Luft gefüllt schwimmende Tasche mit einer Hand fest.

Unterströmungen gebe es an der Stelle im Main nicht, sagt Maaßen. Der Fluss sei auch wieder sauber genug. Ihr Fahrrad lässt Maaßen bis zum Abend am Anleger in Seligenstadt stehen. In Karlstein steht ein altes Zweitrad, auf dem sie dann nass die etwa 500 Meter bis zu ihrer Firma fährt. Im Raum für die Putzleute zieht sie sich um. «Bis dahin bin ich schon wieder abgetropft.» Und wie geht es nach der Arbeit zurück nach Hause? Auf dem Rückweg nimmt Maaßen die Fähre, denn dann verkehrt die ja wieder.

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