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Das „Gewissen der Nation“ : Japans Kaiserin Michiko wird 80

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Japans Kaiserin Michiko wird von ihrem Volk tief verehrt. Doch es gibt Sorgen um ihre Gesundheit.

Tokio | Japans Medien nennen sie das „Gewissen der Nation“. Wann immer die japanische Kaiserin Michiko in der Öffentlichkeit auftritt, begegnet sie ihrem Volk voller Würde, Freundlichkeit und Anteilnahme. Dankbar und zutiefst bewegt verfolgen die Japaner, wie sich die Kaiserin, die am 20. Oktober 80 Jahre alt wird, an der Seite ihres Mannes, Kaiser Akihito, unermüdlich für ihr Land einsetzt. Michiko und ihr ebenfalls 80 Jahre alter Gatte machen den Opfern von Naturkatastrophen Mut, besuchen Altenheime und Einrichtungen für Behinderte. Auch auf internationalen Reisen präsentieren sie sich als ein würdevolles Symbol ihres Landes. Doch die von allen tief verehrte Kaiserin hat auch eigene Sorgen. 

Dieser Tage erschien ein Buch zu Ehren Michikos, die sich seit 25 Jahren als Ehrenpräsidentin für das Rote Kreuz engagiert. Wer der äußerlich zerbrechlich wirkenden Kaiserin einmal selbst begegnete, weiß, was für eine ungemein interessierte Frau sie ist, die stets mit wachen, wissbegierigen Augen ihren Gesprächspartnern zuhört. Geradezu zu Tränen gerührt waren viele Japaner beim Anblick ihres hochbetagten Monarchenpaares, als es sehr schnell nach Beginn der Dreifachkatastrophe vom 11. März 2011 immer wieder in die Katastrophengebiete und Notlager reiste und den Überlebenden Trost spendete, sich ihre Sorgen und Nöte ruhig anhörte und den Menschen Mut zusprach.

Obwohl die Gesundheit schon seit Jahren immer wieder Anlass zur Beunruhigung gibt, macht das Paar darum kein großes Aufhebens.„Es ist nicht mein Wunsch, gesundheitliche Probleme öffentlich zu machen, aber ich muss meine Abwesenheit erklären“, entschuldigte sich die Kaiserin im vergangenen Jahr, als sie manch öffentliche Aufgaben aus gesundheitlichen Gründen nicht wahrnehmen konnte. „Es tut mir leid, dass ich dadurch vielen Menschen Sorgen bereite.“

In der Tat macht sich das Volk um sie Sorgen. Das gleiche gilt für ihren Mann Akihito. Die Frage, ob der unermüdlich arbeitende Monarch nicht besser abdanken sollte, verbietet sich für viele Japaner.  Nicht wenige aber meinen, dass der im Volk äußerst beliebte Kaiser und damit auch seine Gemahlin kürzertreten sollte. Umsomehr wächst der Druck auf Michikos ältesten Sohn und Thronfolger Naruhito und ihrer Schwiegertochter, der sich nur langsam von langer Krankheit erholenden Kronprinzessin Masako.

Naruhito wird von Nippons Hofberichterstattern seit geraumer Zeit vorgehalten, sich noch gar nicht richtig mit seiner künftigen Rolle als Monarch zu befassen. Als vermeintlichen Beweis führen Kritiker an, dass sich das Kronprinzenpaar mehr mit sich selbst als der Nation beschäftige. Kaiserin Michiko, die ihren Sohn liebevoll großgezogen habe, sei traurig und auch bekümmert, dass sich das Kronprinzenpaar nur recht selten bei ihr blicken lasse. Kronprinzessin Masako wird dabei immer wieder mit ihrer Schwiegermutter verglichen. Kritiker vermissen bei Masako den „Geist der Selbstlosigkeit und mütterlichen Liebe“, den die von allen verehrte Kaiserin für das Volk aufbringe, wie es die Zeitschrift „Shukan Gendai“ ausdrückte. Niemand, so schlussfolgert das Blatt, könne Michiko übertreffen.

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erstellt am 18.Okt.2014 | 11:36 Uhr

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