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Ermittlungen nach Erdogan-Satire : Jan Böhmermann sagt Auftritt bei Grimme-Preisverleihung ab

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Es sind schwierige Wochen für den ZDF-Moderator. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn. Das trübt die Freude über einen Grimme-Preis.

shz.de von
erstellt am 08.Apr.2016 | 11:55 Uhr

Marl | ZDF-Moderator Jan Böhmermann vom „Neo-Magazin-Royale“ wird am Freitagabend mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet, doch zu der Verleihung in Marl wird er nicht erscheinen: „Ich fühle mich erschüttert in allem, an das ich je geglaubt habe“, postete der 35-Jährige am frühen Freitagmorgen auf Facebook. „Mein Team von der Bildundtonfabrik und ich bitten um Verständnis, dass wir heute Abend nicht in Marl feiern können.“

Am Donnerstag habe Böhmermann mit der Institutsdirektorin Frauke Gerlach gesprochen und am Freitag per SMS die Absage geschickt, sagte Grimme-Instituts-Sprecher Lars Gräßer. „Ich vermute, dass er im Morgengrauen die Entscheidung getroffen hat, nicht zu kommen“, sagte Gräßer. „Der Preis wird in Abwesenheit übergeben.“ Böhmermann soll den renommierten Fernsehpreis für seine Satire rund um den Mittelfinger des griechischen Ex-Finanzministers Yanis Varoufakis aus dem Frühjahr 2015 bekommen.

Wie weit kann Satire gehen? Das versucht Jan Böhmermann immer wieder zu zeigen. Zuletzt mit seinem Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Doch jetzt gibt es Anzeigen gegen den Moderator. Auch die Bundeskanzlerin hatte Kritik geübt.

Derzeit hat Böhmermann jedoch einigen Ärger: Die Staatsanwaltschaft Mainz hat Ermittlungen gegen ihn aufgenommen, weil er sich in seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ vor einer Woche in einem Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan mit Begrifflichkeiten unterhalb der Gürtellinie ausgelassen hatte. Jetzt wird der Moderator der Grimme-Preis-Verleihung fernbleiben.

Der Einschaltquote vom „Neo Magazin Royale“ gab das ganze Hin und Her am Donnerstag (22.30 Uhr) leichten Auftrieb: 290.000 Zuschauer (1,3 Prozent) schalteten die neue Ausgabe vom „Neo Magazin Royale“ ein, die Klicks im Netz sind noch nicht erfasst. Über Erdogan verlor Böhmermann kein Sterbenswörtchen. Als Studiogast hatte Böhmermann ARD-Kollegin Anne Will eingeladen:

Den Grimme-Preis soll Böhmermann für seinen satirischen Beitrag während der Griechenlandkrise bekommen. Er hatte Verwirrung gestiftet, als er behauptete, ein umstrittenes Youtube-Video mit Varoufakis gefälscht zu haben. Böhmermann gebühre das Verdienst einer großen Medienkritik, hatte die Grimme-Preis-Jury ihre Entscheidung begründet. Er habe die Medienrepublik in Aufruhr versetzt und dafür gesorgt, dass es einen Moment des Innehaltens gegeben habe. Für Böhmermann ist es bereits der zweite Grimme-Preis.

Beim Grimme-Preis sind in diesem Jahr die privaten Programmanbieter ungewöhnlich stark vertreten. Bei der Verleihung im Marler Stadttheater erhält RTL eine der renommierten TV-Auszeichnungen für die Spionageproduktion „Deutschland 83“. Preise gibt es auch für den VOX-Mehrteiler „Club der roten Bänder“. Der erstmals für besondere journalistische Leistung vergebene Grimme-Preis geht an den Südwestrundfunk (SWR) für die Recherche „Tödliche Exporte“. Seinen vierten Grimme-Preis erhält Olli Dittrich mit der WDR-Produktion „Schorsch Aigner - der Mann, der Franz Beckenbauer war“.

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