zur Navigation springen

Regisseur von Schtonk und Rossini : Helmut Dietl ist tot

vom

Der Starregisseur stirbt im Alter von 70 Jahren. Vor rund anderthalb Jahren machte er seine schwere Krebserkrankung öffentlich.

shz.de von
erstellt am 30.Mär.2015 | 16:51 Uhr

München | Er war einer der bedeutendsten Regisseure Deutschlands: Helmut Dietl ist tot. Er starb im Alter von 70 Jahren in München, wie engste Familienkreise der Deutschen Presse-Agentur bestätigten. Nach Informationen von „Zeit Online“ war seine Familie bei ihm, als er am Montagmittag in seiner Münchner Wohnung starb.

Vor knapp eineinhalb Jahren hatte der einst starke Raucher seine schwere Lungenkrebs-Erkrankung öffentlich gemacht. „Wenn man bedenkt, wie viel ich geraucht habe, dann ist es geradezu ein Wunder, dass es so lange gut gegangen ist“, sagte er damals im Interview der „Zeit“.

Erst im vergangenen Jahr aber, als er den „Bambi“ für sein Lebenswerk bekam und das Publikum ihn mit Standing Ovations feierte, hatte er noch gesagt, er habe die 960.000 Zigaretten, die er in seinem Leben geraucht habe, überlebt - und könne nun den Lebenswerk-Preis in Empfang nehmen. „Wenn Sie in zehn Jahren wieder einen Lebenspreis zu vergeben haben - ich bin bereit.“

Dietl wurde in den 80-er Jahren berühmt mit den Serien „Monaco Franze“ und „Kir Royal“. Zu seinen bekanntesten Filmen zählen „Schtonk“, eine Persiflage auf die Veröffentlichung der gefälschten Hitler-Tagebücher, und die Komödie „Rossini oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“.

Mit großer Begeisterung und viel Ironie deckte der im oberbayerischen Bad Wiessee geborene Dietl menschliche Schwächen auf und beleuchtete gesellschaftliche Kuriositäten.

Sein Kollege Michael „Bully“ Herbig, der die Hauptrolle in Dietls letztem Film „Zettl“ spielte, wandte sich auf seiner Facebook-Seite mit bewegenden Worten an seinen Freund: „Ich muss Dir ja wohl nicht sagen, wie unfassbar traurig ich bin“, schrieb er. „Du warst und bist mein Held. Als ich von Deinem Abschied erfahren habe, weinte auch der Himmel über Schwabing ... es hagelte sogar. Zu Recht, Regen alleine wäre ja auch nicht standesgemäß.“

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) würdigte Dietl, den Träger des Bayerischen Verdienstordens, als einen „der ganz großen deutschen Regisseure und Drehbuchautoren“. Er sei eine Institution gewesen. „Er hat Bayern und München mit seinen Werken tief in die Seele geschaut und damit unvergleichliche Charaktere geschaffen.“

Der bayerische Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU) nannte Dietl einen „großen Chronisten der Seele Bayerns“.

Dietl war in vierter Ehe mit seiner Frau Tamara verheiratet. Das Paar hat eine Tochter. Aus einer früheren Beziehung stammt sein Sohn David, der als Regisseur („König von Deutschland“) in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist.

Eine Auswahl der wichtigsten Werke von Helmut Dietl:

Serien:
„Münchner Geschichten“ (1974): Zeigt den Alltag des Münchners Karl Häusler („Tscharlie“). Mit Ruth Drexel und Towje Kleiner.
„Monaco Franze - Der ewige Stenz“ (1983): Über die Münchner Schickeria und den Lebemann Franz Münchinger und seine Frau „Spatzl“. Mit Helmut Fischer, Ruth-Maria Kubitschek und Christine Kaufmann.
„Kir Royal“ (1986): Dreht sich um den Klatsch-Reporter Baby Schimmerlos. Mit Franz-Xaver Kroetz und Senta Berger.

Filme:
„Schtonk!“ (1992): Satire über die gefälschten Hitler-Tagebücher. Mit Götz George, Uwe Ochsenknecht und Veronica Ferres.
„Rossini, oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“ (1997): Komödie über die Münchner Medienszene. Mit Götz George, Heiner Lauterbach, Veronica Ferres und Gudrun Landgrebe.
„Late Show“ (1999): Komödie über einen Fernseh-Chef im Quotentief. Mit Thomas Gottschalk, Harald Schmidt und Veronica Ferres.
„Vom Suchen und Finden der Liebe“ (2005): Liebeskomödie, angelehnt an den Orpheus-und-Eurydike-Mythos. Mit Moritz Bleibtreu, Alexandra Maria Lara und Uwe Ochsenknecht.
„Zettl“ (2012): Komödie um den Chefredakteur eines Berliner Klatschmagazins. Mit Michael „Bully“ Herbig und Dieter Hildebrandt.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen