TV-Tipp : Geheimes Saudi-Arabien

Das Öl ist Saudi-Arabiens flüssiges Gold.
Das Öl ist Saudi-Arabiens flüssiges Gold.

Das Öl ist Saudi-Arabiens flüssiges Gold. Lange galt das Wüstenreich dem Westen als Stabilitätsanker in der Region. Wird das unter dem neuen Kronprinzen so bleiben?

shz.de von
05. Juli 2018, 00:01 Uhr

Für viele Frauen in Saudi-Arabien war es ein historischer Tag - endlich durften sie Auto fahren. Die kürzliche Aufhebung des Fahrverbots durch Kronprinz Mohammed bin Salman (32) im Juni galt manchem Beobachter als der Anbruch einer neuen Zeit im islamisch-konservativen Königreich.

Doch wie weit ist es her mit der Reformbereitschaft? Gibt es in einem der reichsten und mächtigsten Länder der Welt tatsächlich Hoffnung auf ein Ende von Willkür, Korruption und Gewalt?

Die BBC-Produktion «Geheimes Saudi-Arabien» (2017) geht diesen Fragen in beeindruckender Gründlichkeit nach. Mit hochkarätigen Experten, mutigen Zeitzeugen und investigativem Filmmaterial gibt Autor Mike Rudin einen spannenden Einblick in die ideologischen und finanziellen Verstrickungen des saudischen Herrscherhauses. Die dreiteilige Dokumentation ist an diesem Donnerstag (21 Uhr) auf ZDFinfo zu sehen. Das ZDF zeigt die erste Folge bereits in der Nacht zum Mittwoch (0.45 Uhr).

«Ich fürchte, die Arabische Welt ist seit fünf Jahren auf dem Weg in ein Inferno», lautet das beunruhigende Resümee des amerikanischen Nahost-Experten Bruce Riedel. Als Grund sieht Autor Rudin den unbedingten Führungsanspruch Saudi-Arabiens in der islamischen Welt, vor allem gegenüber dem Erzrivalen Iran.

Deshalb finanziere der wichtige Verbündete des Westens seit Jahrzehnten mit Milliarden und Abermilliarden aus dem Ölgeschäft den islamistischen Extremismus, sagt er. Der erste Teil der Dokumentation («Auf den Spuren des Terrors») verfolgt das akribisch vom Bosnienkrieg über die Terroranschläge vom 11. September bis nach Afghanistan, Syrien, Indien, Palästina und zuletzt den Jemen.

Die zweite Folge «Auf der Spur des Geldes» schildert an mehreren Beispielen die schier unvorstellbaren Summen, mit denen sich Mitglieder des saudischen Königshauses Geschäfte mit dem Westen vergolden lassen. Allein bei einem Rüstungsdeal mit Großbritannien in den 80er Jahren sollen sieben Milliarden Euro «Provisionen» geflossen sein. Die Ermittlungen wurden eingestellt.

Der im vergangenen Jahr von König Salman neu ernannte Kronprinz hat ein ehrgeiziges Programm gegen die Korruption verkündet. Im November ließ er 500 der reichsten Männer des Landes bei einer Razzia verhaften, darunter auch elf Prinzen der Königsfamilie. Dagegen stellt der Film die Bilder vom eigenen Reichtum des jungen De-facto-Herrschers, der sich locker eine 400-Millionen-Euro-Yacht leisten kann.

Teil drei schließlich geht unter dem Titel «Aufbruch und Unterdrückung» den zwiespältigen Signalen nach, die der Kronprinz sendet. Vor allem junge Saudis hoffen der Dokumentation zufolge auf sein Reformprogramm. Gleichzeitig werden unter seinem strikten Regime Andersdenkende nach wie vor verhaftet, verfolgt oder gar geköpft. Allein für Beleidigung des Königs drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Über diesen Mann hätte man sich in der mehr als zweistündigen Dokumentation mehr Informationen gewünscht. Wer ist er? Was treibt ihn an? Doch auch das gehört zur Wahrheit dieser Geschichte: Das Königshaus hat sich jeglicher Mitarbeit oder Stellungnahme verweigert, wie der Abspann verrät.

«Freunde mit Fehlern», so nennt der frühere CIA-Direktor David Petraeus die Verbündeten im Wüstenreich und fügt mit Blick auf den jungen, unerfahrenen Prinzen hinzu: «Wenn Saudi-Arabien instabil würde, wäre das eine Katastrophe für den Nahen Osten und für die gesamte Welt.»

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert