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Katholische Kirche : Funkstille im Vatikan: Hängepartie um schwulen Botschafter

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Ein schwuler Botschafter im Vatikan - spielt die Kurie da mit? Jedenfalls lässt die Zustimmung für den französischen Diplomaten schon auffällig lange auf sich warten.

shz.de von
erstellt am 14.Apr.2015 | 13:50 Uhr

Vatikanstadt | Der Vatikan schweigt. Seit mehr als drei Monaten wartet Paris auf grünes Licht für seinen neuen Botschafter beim Heiligen Stuhl - in der Regel eine Formalie. Zumal Frankreichs Präsident François Hollande seinen Protokollchef Laurent Stefanini nach Rom schicken will, der als ausgewiesener Kenner des Kirchenstaats gilt. Von 2001 bis 2005 war der 55 Jahre alte Diplomat bereits Nummer zwei der französischen Botschaft in der Villa Bonaparte in Rom. Doch nun ist seine Nominierung überraschend zum Politikum geworden: Französische Medien berichten übereinstimmend, Rom blockiere die Personalie, weil Stefanini schwul ist.

Für die katholische Kirche ist der Umgang mit Homosexualität nach wie vor ein heikles Thema. Bei der Familiensynode im Vatikan im vergangenen Jahr waren Homosexuelle eins der großen Streitthemen. Konservative Kreise stemmen sich vehement gegen eine Öffnung.

Sieht die Kurie die Personalie deshalb als Provokation und schiebt sie bewusst auf die lange Bank? Der Fernsehsender France 24 zitiert einen nicht namentlich genannten Kenner der Beziehungen zwischen Frankreich und dem Vatikan, der Papst blockiere Stefanini aus Gründen der Kirchendoktrin.

Offiziell ist von keiner Seite eine Bestätigung dafür zu bekommen, dass die sexuelle Orientierung des Diplomaten der Anlass für die ungewöhnlich lange Hängepartie ist - Dementis gibt es aber auch nicht. Im Vatikan heißt es lediglich: „Kein Kommentar“. In Paris bestätigt der Élysée-Palast nur, dass man noch auf grünes Licht aus Rom warte. Und stellt Stefaninis Qualitäten heraus: „Der Präsident hat ihn ausgewählt, weil er einer der besten französischen Diplomaten ist.“ Am 5. Januar hatte das französische Kabinett Stefanini nominiert.

Grundsätzlich kann der Kirchenstaat wie alle anderen Staaten auch einen vorgeschlagenen Botschafter ablehnen. Dies kommt allerdings relativ selten vor. Und anders als in manchen Medien dargestellt, geht Stefanini mit seinem Privatleben sehr diskret um, wie die Deutsche Presse-Agentur aus seinem Umfeld erfuhr.

Diskret ist nun jedenfalls nichts mehr. Die Fraktion der Liberalen im Europaparlament kritisierten die kolportierte Blockade der Personalie ebenso wie der italienische Homosexuellen-Verband Arcigay. „Es ist keine Überraschung, aber wir sind sehr wütend“, erklärte Präsident Flavio Romani. „Offensichtlich wird auch im Vatikan Wasser gepredigt und Wein getrunken“, ergänzte er mit Blick auf Aussagen von Papst Franziskus.

Denn der Umgang der katholischen Kirche mit Homosexuellen ist unter Papst Franziskus immerhin zu einem Thema geworden, das diskutiert wird. „Wenn jemand schwul ist, und er den Herrn sucht und guten Willen zeigt, wer bin ich, das zu verurteilen“, sagte der Argentinier 2013. Bei seiner Generalaudienz saßen vor einiger Zeit Lesben und Schwule in der ersten Reihe.  Andererseits sind die Widerstände in der Kirche nach wie vor groß.

Während der Zwischenbericht der Familiensynode schon als eine Öffnung der Kirche gefeiert wurde, fand sich im Abschlussdokument schließlich keine Zwei-Drittel-Mehrheit für die umstrittenen Passagen. Darin hatte es etwa geheißen, homosexuellen Menschen müsse mit „Respekt und Taktgefühl“ begegnet werden. Die in Frankreich vor zwei Jahren von der sozialistischen Regierung durchgesetzte „Ehe für alle“ war der Kirche ohnehin ein Dorn im Auge, homosexuelle Lebenspartnerschaften werden von ihr nicht anerkannt.

Bleibt die Frage, ob die Kurie Stefanini als Botschafter letztlich doch noch durchwinkt. Angesichts seines Profils und seiner guten Kontakte in Rom erscheint das Manöver des Vatikans zumindest merkwürdig. Ein klares Nein dürfte jedenfalls nicht kommen: „Der Vatikan formuliert keine Ablehnung“, zitiert France 24 eine „informierte Quelle“ in Rom. „Er antwortet nicht (...) und es ist dann an dem betroffenen Land, dieses Ausbleiben einer Antwort zu interpretieren.“ Bislang sieht Frankreich dazu keinen Anlass.

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