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Er argumentierte gegen Hass-Kommentatoren : Facebook sperrt Stern-Kolumnisten Micky Beisenherz

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Weil er sich am Aufruf Facebooks - für die Gegenrede und gegen Hasskommentare - beteiligte, wurde der Autor für 30 Tage gesperrt.

shz.de von
erstellt am 23.Sep.2015 | 15:38 Uhr

Der Umgang von Facebook mit Hass-Kommentaren in dem sozialen Netzwerk sorgt seit Wochen für Kritik. Während Bilder entblößter Brüste gelöscht und Nutzer mit Sperrungen belegt werden, bleibt Hetze oftmals stehen. Facebook versucht Nutzer davon zu überzeugen, Hasskommentaren entgegenzutreten. Facebook nennt das „Counterspeech“. Stern-Kolumnist Micky Beisenherz hat sich diesen Aufruf zu Herzen genommen und ist Hass-Kommentatoren entschlossen und mit Argumenten entgegengetreten. Ergebnis: Der Journalist wurde für 30 Tage des sozialen Netzwerks verwiesen, wie er auf Twitter postete:

Was ist passiert? Beisenherz kommentierte einen rassistischen Beitrag eines Facebook-Mitglieds, das unter anderem schrieb, dass Flüchtlinge in Deutschland nichts verloren hätten. Der Name des Users deutete auf einen Migrationshintergrund hin. Für Beisenherz besonders absurd. „Also schrieb ich, dass es mit seiner Einstellung Menschen wie ihn in Deutschland gar nicht geben würde“, sagte Beisenherz dem Magazin Stern. Rund eineinhalb Wochen später jetzt die Facebook-Reaktion. Der Kommentar wurde wegen eines Verstoßes gegen die „Gemeinschaftsstandards“ gelöscht, der Account von Micky Beisenherz für einen Monat gesperrt. Gegenüber dem Medienmagazin DWDL äußerte sich Beisenherz: „Ich wollte einen Hetzer zur Räson bringen und kann mir nur vorstellen, dass der Beitrag nicht braun genug war und nicht genügend Beleidigungen enthielt. Diese Beiträge haben ja offenbar größere Chancen, den ,Gemeinschaftsstandards‘ zu entsprechen.“

Beisenherz zweifelt mittlerweile an dem sozialen Netzwerk: „Ich muss mir auch langsam ernsthaft Gedanken über diese ,Gemeinschaft‘ machen und ob man dieser angehören sollte.“ Gegenüber dem Magazin Stern sagte er, er sei nicht nur genervt, weil er als Facebook-Junkie von der Nadel genommen worden sei, sondern er ärgere sich vielmehr über die Ungerechtigkeit.

Auf Twitter finden sich bereits zahlreiche Beisenherz-Sympathisanten, die unter dem Hashtag #FreeMicky für die Entsperrung des Radio- und Fernsehmoderators einsetzen:

Beisenherz ist bereits zum dritten Mal gesperrt. Beim ersten Mal zeigte er eine weibliche Brustwarze, danach wurde er wegen einer flapsigen Bemerkung über den Fußballer Christian Lell wegen Beleidigung für eine Woche gesperrt.

Auch shz.de-Onlinechef Joachim Dreykluft hat bereits seine Erfahrungen mit der Sperrung bei Facebook gemacht. Das kam so: Rechte Hetzer verwendeten ein Bild aus dem Holsteinischen Courier, um gegen Flüchtlinge zu hetzen. Der Bitte Dreyklufts, dieses Hass-Bild zu entfernen, kam Facebook erst nach, nachdem der sh:z einen Anwalt einschaltete. shz.de berichtete über den Vorfall und postete einen Artikel, der mit einem Foto nackter Brüste bebildert war. Der Artikel sollte laut Dreykluft auf die Missstände in den Gemeinschaftsstandards bei Facebook aufmerksam machen. Frei nach dem Motto: Hetze ist okay, Brüste nicht. Das Posting wurde gelöscht, Dreykluft für einen Tag gesperrt.

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