Privatsender : Endlich Glück am Vorabend? Sat.1 mit «Endlich Feierabend!»

Annett Möller und Daniel Boschmann, Moderatoren des Magazins 'Endlich Feierabend!'. /SAT.1
Annett Möller und Daniel Boschmann, Moderatoren des Magazins "Endlich Feierabend!". /SAT.1

Sat.1 will es noch einmal wissen: Auf der Suche nach neuen Zuschauern hat der Sender bereits am 16. Juli eine Vorabendrateshow eingeführt, und jetzt kommt auch noch ein Magazin dazu. Neu ist das alles nicht.

shz.de von
26. Juli 2018, 11:46 Uhr

RTL und Sat.1 sind seit mehr als 30 Jahren die beiden größten deutschen Privatsender. Daran hat sich trotz aller Veränderungen im Fernsehbusiness nichts geändert.

Wenn es der Branche gut geht, geht es auch den beiden Konkurrenten gut - wenn es dagegen knirscht, dann leiden RTL und Sat.1 zeitgleich mit.

In einer Hinsicht sind die beiden Dauerrivalen Lichtjahre auseinander: Wenn es um die Sendezeit zwischen 18.00 und 20.00 Uhr am Vorabend geht, ist RTL ein Hort der Stabilität mit seinen Soaps wie «Alles was zählt» und «Gute Zeiten, schlechte Zeiten», den Magazinen «Explosiv» und «Exclusiv» sowie der Nachrichtensendung «RTL aktuell».

Sat.1 dagegen arbeitet schon seit Jahrzehnten an seiner wohl größten Problemzone, dem Vorabend. Das soll sich nach dem Willen von Geschäftsführer Kaspar Pflüger endlich ändern: Zunächst hat Pflüger am 16. Juli die Spielshow «Genial daneben» (immer um 19.00 Uhr) als tägliches Format ins Programm genommen, jetzt kommt mit «Endlich Feierabend» von diesem Montag (18.00 Uhr) an ein neues Magazin dazu.

Ist das nun der Weisheit letzter Schluss? Schwer zu glauben, denn wie viele Vorabendmagazine hat der Sender bereits verschlissen und wegen fehlender Akzeptanz wieder abgesetzt? «Das Sat.1 Magazin» unter anderem hielt sich immerhin zwischen 2007 und 2012. Der Nachfolger «push» ging 2012 auf Sendung, hielt sich aber nur wenige Monate. Mit «Unser Tag» war 2015 schon nach zehn Werktagen Schluss.

Auch stellte Sat.1 reihenweise andere Formate ein. Das große Krisenjahr war 2015, als die hoffnungsvoll in der Nähe Berlins gestartete Überlebenskünstlerkolonie «Newtopia» nach einigen mehr oder minder großen Skandälchen geschlossen wurde und bei der Vorabendserie «Mila» mit Susan Sideropoulos nach zwei Wochen die Reißleine gezogen werden musste, das Publikum in Scharen weglief.

Die Fehleranalyse und das Wundenlecken bei Sat.1 ist nun nach drei Jahren vorbei. Statt sich über die Vergangenheit zu ärgern, richtet Pflüger die Augen nach vorn: «Mit der Vorabend-Offensive gehen wir einen weiteren wichtigen Schritt in unserer Neuaufstellung», sagte er laut seinem Sender. «Nach einer intensiven Entwicklungs- und Testphase sind wir jetzt für diesen Timeslot mit mehreren Formaten in unterschiedlichen Genres hervorragend aufgestellt.»

Für das neue Magazin bediente sich Sat.1 sogar an der Personaldecke von RTL: Mit Annett Möller (39) stieß eine langjährige «RTL aktuell»-Moderatorin zum Münchner Sender. Sie wird gemeinsam mit Daniel Boschmann (37), seit 2016 beim Frühstücks-TV, durch das Magazin führen. Boschmann erlaubte sich in der Reihe «Hotel Herzklopfen» bei Sat.1 sogar schon einen Ausflug in die Unterhaltung.

Für die frühere RTL-Moderatorin ergab sich die Gelegenheit zum Wechsel nach eigenen Worten nach der Geburt ihrer Tochter. «Ich möchte gerne mehr Unterhaltungssendungen moderieren, und da kam das Sat.1-Angebot gerade recht», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Deswegen habe sie auch gerne zugegriffen. Ob sie gar im Falle eines Scheiterns bei Sat.1 gar über eine Rückkehrklausel zu RTL verfügt, ließ sie offen.

Kollege Boschmann, der im Morgenprogramm des Senders tätig war, will «die Seele des Frühstücksfernsehens in den Vorabend transportieren», wie er sagt. Der lineare Versorgungsstrang, den das Früh-TV gelegt habe, werde auch in den sich wandelnden medialen Zeiten in 20 Jahren noch seine Funktion haben. Und genau das gelte auch für den Feierabend. «Hier begleiten wir die Familien in die schönste Zeit des Tages», sagt Boschmann. Hat er eine Alternative im Falle des Scheiterns wie einst bei «Unser Tag»? «Auch Steve Jobs hatte keinen Plan B, als er so etwas wie ein Telefon ohne Tasten entwickelte.»

Geschäftsführer Pflüger denkt jetzt schon etwas weiter: Noch im Herbst soll die neue tägliche Soap «Alles oder Nichts» starten. Damit will Sat.1 wieder an größere Erfolge wie «Anna und die Liebe» oder «Verliebt in Berlin» anschließen, als sich noch viele Millionen nichts anderes vorstellen konnten, als am Vorabend Sat.1 zu sehen.

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