Mit François Cluzet : «Ein Dorf zieht blank» - ein Bürgermeister und sture Bauern

Bürgermeister Georges (Francois Cluzet) (l) will sein Dorf retten. Er muss jedoch die Bewohner davon überzeugen, sich für ein Foto auszuziehen. Concorde Filmverleih
Bürgermeister Georges (Francois Cluzet) (l) will sein Dorf retten. Er muss jedoch die Bewohner davon überzeugen, sich für ein Foto auszuziehen. Concorde Filmverleih

Der Kinohit «Ziemlich beste Freunde» machte den Franzosen François Cluzet auch in Deutschland zum Star. In seinem neuen Film spielt der 62-Jährige einen Provinz-Bürgermeister mit einer abenteuerlichen Idee.

shz.de von
11. August 2018, 14:05 Uhr

In «Ganz oder gar nicht» machten sich schon vor knapp 20 Jahren arbeitslose Stahlarbeiter aus Großbritannien nackig. Leicht angegraute Hausfrauen zogen sich in «Kalender Girls» für einen guten Zweck aus. Mit «Ein Dorf zieht blank» kommt nun eine weitere Variante des Komödienstoffs ins Kino.

Hauptdarsteller darin ist François Cluzet. Der 62-Jährige ist seit seiner Rolle in der Tragikomödie «Ziemlich beste Freunde» auch in Deutschland ein Star. An der Seite von Omar Sy als unkonventionellem Pfleger spielte Cluzet in dem Kinohit den gelähmten Philippe.

Schauplatz von «Ein Dorf zieht blank» ist ein kleines Örtchen irgendwo in der Normandie - im französischen Original heißt der Film deshalb schlicht «Normandie nue» (Nackte Normandie). Die Bauern dort schuften hart. Für Milch und Fleisch bekommen sie aber immer weniger Geld. Viele Landwirte sehen sich in ihrer Existenz bedroht. Der in Frankreich auch in der Realität mit Straßenblockaden und anderen Aktionen ausgetragene Kampf der Landwirte steht am Beginn des Films.

Im Stau zwischen aufgebrachten protestierenden Bauern und gelassenen Kühen steht auch der amerikanische Starfotograf Blake Newman (Toby Jones/«Atomic Blonde»). Er sucht einen Ort, wo er eines seiner berühmten Fotos voller nackter Menschen in der Landschaft machen kann. Als er schon aufgeben will, entdeckt er ein ganz gewöhnliches Feld, das ihm für seine Zwecke ideal erscheint. Dort will er die Dorfbewohner nackig zu einem Gesamtkunstwerk aufstellen und für seine Werk-Reihe fotografieren.

Bürgermeister Georges - hemdsärmelig gespielt von Cluzet - wittert die große Chance. Das Fotoprojekt würde sein Dorf auf einen Schlag landesweit bekannt machen. Und die notleidenden Bauern wären sich so endlich der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit sicher. Einziges Problem: Georges muss die Dorfbewohner davon überzeugen, sich für das Foto auszuziehen und öffentlich zu posieren. Kein leichtes Unterfangen, wie man sich denken kann.

Regisseur von «Ein Dorf zieht blank» ist der Pariser Philippe Le Guay, der bereits die leichtfüßigen, charmanten Komödien «Molière auf dem Fahrrad» (2013) und «Nur für Personal!» (2010) auf die Leinwand gebracht hat. Wie in diesen beiden Filmen sind auch bei «Ein Dorf zieht blank» das größte Plus die Darsteller. Sie verkörpern allesamt knorrige, eigenwillige Charaktere - vom widerspenstigen Landwirt bis zum eifersüchtigen Metzger, gespielt teils von «echten» Dorfbewohnern. Dem smarten Cluzet nimmt man seine Rolle als Landbewohner und Bauernanführer allerdings nicht so ganz ab.

Überhaupt ist die Story etwas dünn und vorhersehbar. Dass in Komödien auch lustvoll mit Klischees gespielt wird, das gehört natürlich dazu. In «Ein Dorf zieht blank» sind es die sturen Bauern mit ihren oft altmodischen Ansichten oder der zugezogene Städter, der von der schönen Natur schwärmt und doch gegen jedes dort wachsende Kraut höchst allergisch ist. Ein bisschen mehr Tiefe hätten die Charaktere jenseits der Stereotype schon verdient gehabt. So bleibt «Ein Dorf zieht blank» ein lustiges, allerdings etwas harmloses Kinovergnügen.

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