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Sommer-Talk : Dunja Hayali: «Gesagt ist gesagt, gesendet ist gesendet»

vom

Seit 2010 präsentiert sie das ZDF-«Morgenmagazin», steht aber oft abends ebenfalls vor der Kamera. Auch wenn sie manchmal unausgeschlafen ist, hält Dunja Hayali an journalistischen Tugenden fest.

shz.de von
erstellt am 07.Jul.2017 | 14:55 Uhr

Für das «Morgenmagazin» («MoMa») muss Dunja Hayali sehr früh aufstehen. Seit Mittwoch (5. Juli) präsentiert die Moderatorin außerdem noch sieben Mal ihren eigenen Sommer-Talk im ZDF. Sie zwar sei ein Morgenmuffel. Vor der Kamera verfliege die Müdigkeit sofort, sagt Hayali im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur.Frage: So früh schon zum Dienst - das dürfte manchmal kein leichter Tagesablauf sein...Antwort: Da wir uns mit den Kollegen der ARD abwechseln, ist mein Leben nur jede zweite Woche durcheinandergewirbelt. Wenn der Wecker um 3.45 Uhr klingelt, ist das für einen Morgenmuffel schwierig genug. In der "MoMa“-Woche lebe ich in einem Parallel-Universum: Ich gehe schlafen, wenn andere arbeiten, und arbeite, wenn andere noch schlafen. Mein Biorhythmus hat sich vor langer Zeit verabschiedet. Während meiner Sendung im Sommer setze ich allerdings im «Moma» aus, beides würde beim besten Willen nicht gehen.Frage: Was reizt Sie am «Morgenmagazin»?Antwort: Die bunte Mischung, die vielen Gespräche und die Zuschauer in den Tag zu begleiten. Und der Live-Charakter. Gesagt ist dann gesagt, gesendet ist gesendet. Dabei müssen wir relevante und richtige Information liefern, was bei aller Hysterie unter anderem in den sozialen Medien nicht immer leicht ist.Frage: Inwiefern?Antwort: Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Nach jedem Anschlag versucht man uns in eine Ecke zu drängen, zuletzt bei Manchester, damit wir sofort erklären, dass es ein islamistischer Täter war. Wir müssen uns aber so lange im Konjunktiv bewegen, bis die Fakten bestätigt sind. Seriöser Journalismus muss Recherche und Fakten-Check als oberstes Prinzip haben. Wir müssen nicht immer die Ersten sein. Denn wenn eine Nachricht nicht stimmt, schaden wir uns selber am meisten.Frage: ARD und ZDF wurde vorgeworfen, in der Flüchtlingsfrage lange von den Problemen weggeschaut zu haben.Antwort: Schauen Sie noch mal zurück. Auf die Monate August/ September 2015. Unter welchen Eindruck hat Deutschland die Grenzen geöffnet? Da hatten wir die Bilder von 70 Toten in einem Lastwagen oder den toten Jungen am Strand. Das hat eine Welle der Hilfsbereitschaft und Empathie ausgelöst. Viele Menschen in Deutschland haben angepackt. Zu wenig wurde aber im gleichen Zuge auf das Unkontrollierte geschaut. Allerdings ist auch wahr: Jeder Flüchtling, der straffällig wird, ist ein Stich in die helfende Hand. Bei einer Million, die zu uns gekommen sind, müsste man aber sehr naiv sein, um darunter keine Kriminellen Verbrecher zu vermuten.

Frage: Der Vorwurf der «Lügen- und Lückenpresse» war da schon in der Welt...Antwort: Wie soll man denn heute noch was verheimlichen. Und warum auch? Das Gegenteil ist doch mein Job. Berichten, einordnen, hinschauen, aufdecken. Sagen und zeigen, was ist. Der alte Satz stimmt immer noch: Sie können ihre eigene Meinung haben, aber nicht ihre eigenen Fakten. Und wenn eine Nachricht ihren Weg nicht die Sendung schafft, aufgrund von Zeit-, Platz- oder Relevanzmangel, dann finden Sie sie bestimmt irgendwo online. Information ist eine Bring- und Holschuld.

ZUR PERSON: Dunja Hayali, gebürtige Westfälin irakisch-christlicher Eltern, präsentiert seit 2010 als Hauptmoderatorin das ZDF-«Morgenmagazin». Zuvor war sie Co-Moderatorin an der Seite von Claus Kleber und Steffen Seibert beim «heute Journal» und bei «heute». Seit dem 5. Juli moderiert sie siebenmal mittwochs live aus dem ZDF-Studio in Berlin ihre eigene Talkrunde.

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