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Präsidentschaftskandidat in Umfragen vorn : Donald Trump: frauenfeindlich, ausländerfeindlich, authentisch

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Er nimmt kein Blatt vor den Mund, beleidigt, hetzt und schert sich nicht um „political correctness“: Der 69-Jährige liegt dennoch in den Umfragen vorne.

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2015 | 11:49 Uhr

Washington | Die Polit-Profis Jeb Bush oder Ted Cruz sehen alt aus gegen den republikanischen Präsidentschaftsbewerber Donald Trump. Der Große Provokateur liegt in der jüngsten CNN-Umfrage vom September weiter vorn und hat seinen Vorsprung sogar ausgebaut. Unter Anhängern der Republikaner stößt Trump auf 32 Prozent Zustimmung. Mitte August waren es noch 24 Prozent.

Am 8. November 2016 wird in den USA die 58. Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika stattfinden. Formal werden an diesem Tag die Wahlmänner bestimmt, die ihre Stimmen für die Ämter des Präsidenten und des Vizepräsidenten abgeben. Die eigentliche Präsidentenwahl findet am 18. Dezember 2016 statt. Barack Obama kann nach zwei Amtszeiten nicht mehr kandidieren.

Dabei sorgt Trump immer wieder mit gezielten Provoaktionen für Schlagzeilen. Zuletzt beleidigte er Carly Fiorina, eine Mitstreiterin im Vorwahlkampf. In einer Reportage des Journalisten Paul Solotaroff für das Magazin „Rolling Stone“ beschreibt dieser eine Szene in einem Konferenzraum. Trump sieht seine Rivalin Fiorina im Fernsehen und schreit plötzlich: „Guck dir dieses Gesicht an“. Und ergänzt: „Würdest du die wählen? Kannst du dir vorstellen, dass dieses Gesicht das des nächsten Präsidenten ist?“. Dann lacht er lauter und fügt hinzu: „Ich meine, sie ist eine Frau und ich sollte jetzt nichts schlechtes sagen, aber wirklich Leute, kommt schon: Meinen wir das ernst?“ Carly Fiorina reagierte auf die Beleidigungen in einem Fernsehinterview. „Die Kommentare sprechen für sich selbst und lassen meine Umfragewerte steigen.“

Trump ist ein Neuling in der Politik. Zwar gewann er im Jahr 2000 die Vorwahlen in Kalifornien, ein politisches Amt bekleidete der Immobilienunternehmer aber noch nie. Das merkt man nicht zuletzt daran, dass er politisch gesehen in immer neue Fettnäpchen tritt. Bei Auftritten verkündet er immer wieder, keine Zeit für „political correctness“ zu haben. Der Grund: Auch das Land habe keine Zeit. Kommentatoren erklären Trumps Erfolg mit dessen „authentischen Auftritten“, bei denen der Milliardär bewusst provoziere und seine konservativen Themen setze. Dabei steht der 69-Jährige nicht zum ersten Mal wegen frauenfeindlicher Bemerkungen in der Kritik.

Das bekam bei einer Fernsehdebatte im August auch Moderatorin Megyn Kelly vom Sender Fox News zu spüren. Als diese ihn auf seine frauenfeindlichen Kommentare ansprach und fragte: „Stimmt es, dass Sie Frauen, die sie nicht mögen, als fette Säue, Hunde, Schlampen oder ekelerregende Tiere bezeichnet haben?“ Die knappe Antwort Trumps: Nur Rosie O'Donnell habe er so genannt. Die US-Komödiantin und der Republikaner verbindet seit Jahren eine Feindschaft. Am nächsten Tag sagte Trump in einem CNN-Interview, die 44-jährige Nachrichtenfrau Kelly sei ein „Leichtgewicht“. Er deutete an, dass sie ihn nur attackiert habe, da sie Menstruationsprobleme gehabt habe. Trump: „Man sah das Blut aus ihren Augen kommen, Blut kam aus wo auch immer“. Später versuchte er seinen verbalen Aussetzer zu revidieren.

Auch das deutsche Topmodel Heidi Klum war von Trumps frauenfeindlichen Bemerkungen nicht verschont geblieben. So deutete der US-Milliardär in einem Interview mit der New-York-Times-Kolumnistin Maureen Dowd an, das Model sei auf seiner persönlichen Bewertungsskala abgerutscht. „Heidi Klum. Leider ist sie nicht mehr eine Zehn“, erklärte Trump.

Die vierfache Mutter konterte mit einem kurzen Videoclip auf Twitter. Darin posiert sie mit wehenden Haaren für einen Fotografen, auf ihrem knappen T-Shirt steckt ein Zettel mit der Nummer 10. Ein Mann mit grauer Perücke und einer Donald-Trump-Maske schleicht sich ran und reißt den Zettel ab, darunter kommt eine 9,99 hervor. Gelassen zuckt Klum mit den Schultern und strahlt in die Kamera.

Bei einem Pressetermin in Dubuque im Bundesstaat Iowa warf Trump einen Journalisten eines spanischsprachigen US-Fernsehsenders aus dem Saal. Dieser wollte Trump zum Thema Einwanderungspolitik befragen. Doch Trump schnitt ihm das Wort ab und sagte, er sei nicht aufgerufen, er solle sich setzen. Als der Journalist dagegen protestierte und Kritik an Trumps Plänen äußerte, erschien ein Sicherheitsmann und führte den Reporter aus dem Raum. Jorge Ramos, so der Name des Journalisten, durfte später wieder den Saal betreten.

Ein Wahlprogramm lässt Trump momentan noch vermissen. Einzig seine Forderungen zum Thema Einwanderung sind auf seiner Homepage zu finden. Sein „Immigration Plan“ hat drei zentrale Thesen:

Eine Nation ohne Grenzen ist keine Nation“. Trump fordert unter anderem eine Mauer an der Grenze zu Mexiko, die vom Nachbarland bezahlt werden soll. 25.000 zusätzliche Grenzschützer sollen eingesetzt werden und auch Drohnen patroullieren.

Eine Nation ohne Gesetze ist keine Nation“. Entsprechende Gesetze müssten verabschiedet werden, um die Verfassung Amerikas und seiner Bürger zu stärken und zu schützen und die Einwanderung stärker zu reglementieren.

Eine Nation, die sich nicht um die Belange der eigenen Bürger kümmert, ist keine Nation“. Einwanderungsgesetze müssten Arbeit, Gehälter und Sicherheiten zuerst für alle Amerikaner garantieren.

Hinter Trump auf Platz zwei in den Umfragen liegt der Afroamerikaner Ben Carson, ein früherer Neurochirurg, mit 19 Prozent.Abgeschlagen sind bislang der frühere Gouverneur von Florida, Jeb Bush, mit neun Prozent und der texanische Senator Ted Cruz mit sieben Prozent. Gewählt wird der neue Präsident erst im November 2016. Die CNN-Umfrage ist daher nur mit Einschränkung repräsentativ. Experten verweisen zudem darauf, dass der Präsidentschaftswahlkampf gerade erst begonnen hat.

Bei den Demokraten führt weiterhin die frühere Außenministerin Hillary Clinton in Umfragen. Sie wird landesweit allerdings bedrängt vom Links-Kandidaten Bernie Sanders, der in einer Umfrage in dem für die Vorwahlen wichtigen Staat Iowa sogar vor Clinton liegt.

Hintergrund: Die Person Donald Trump

Donald Trump (69) beherrscht nicht nur mit reißerischen Parolen die Schlagzeilen, sondern er zählt auch zu den bekanntesten Geschäftsleuten der USA. Ein politisches Amt bekleidete der Immobilienunternehmer noch nie, er gewann aber im Jahr 2000 immerhin die Vorwahlen in Kalifornien.

Als Außenseiter im Politikbetrieb erlaubt er sich provokante Querschläge auf seine Gegner. Bei den Amerikanern ist er wegen seiner großspurigen Art sowie seiner blonden Föhnfrisur bekannt.

Seine Karriere als Geschäftsmann begann Trump in einem Büro im New Yorker Stadtteil Brooklyn. Dort wickelte er Geschäfte der Baubranche mit seinem Vater ab, der als Sohn deutscher Einwanderer durch seine Immobilien in der Metropole am Hudson River zum Millionär wurde.

Während der mit einem Bruder und zwei Schwestern aufwachsende Trump seinen Vater als Mentor beschreibt, lobt auch dieser den jungen Donald. Einige seiner besten Deals habe er mit seinem Sohn gemacht, sagte er. „Alles, was er anfasst, wird zu Gold.“ 1975 wird er Präsident der Trump Organization. Es folgen Investitionen in Hotels, in Casinos und im Central Park.

Sein Vermögen verdient der Geschäftsmann aber nicht nur mit Immobilien, sondern auch mit Übertragungsrechten an Miss-Wahlen sowie an der Reality-Fernsehserie „The Apprentice“, mit Verkäufen seiner zahlreichen Biografien und mit eigenen Mode- und Möbelmarken. Nach eigenen Angaben zählt er außerdem zu den bestbezahlten Rednern der Welt: Für eine Ansprache in zwei australischen Städten erhielt er einst mehr als drei Millionen Dollar.

Politisch steht Trump als Zentrist zwischen Republikanern und Demokraten. Er pflegt Kontakt zu Politikern beider Lager. Der in New York lebende 69-jährige Investor hat fünf Kinder aus drei Ehen.

Seinen Spitznamen „The Donald“ verpasste ihm seine erste Frau, das tschechische Model Ivana Zelnickova. Seit seiner Eröffnung im Jahr 2001 ist der Trump Tower in Manhattan unweit des Central Park bis heute das Aushängeschild seines Imperiums, das Trump zufolge mehr als zehn Milliarden, nach Schätzungen des Magazins „Forbes“ allerdings nur rund vier Millionen Dollar wert ist. .

 
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