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Mit Kidman und Farrell : «Die Verführten»: Drama von Sofia Coppola

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Als einziger Mann landet Colin Farrell in einer Mädchenschule. Dort buhlen Nicole Kidman, Kirsten Dunst und Elle Fanning um seine Aufmerksamkeit - bis die Stimmung kippt.

shz.de von
erstellt am 24.Jun.2017 | 16:28 Uhr

Allein unter Frauen zu sein, davon träumt manch ein Mann. Doch dass die ersehnte und ungeteilte Aufmerksamkeit auch schnell zum Alptraum werden kann, davon erzählt nun Sofia Coppola in ihrem Drama «Die Verführten».

Darin beobachtet sie wunderbar präzise und immer wieder mit Ironie, wie Colin Farrell als Soldat während des Amerikanischen Bürgerkriegs Mitte des 19. Jahrhunderts in einer Mädchenschule landet - und auf Nicole Kidman, Kirsten Dunst und Elle Fanning trifft. Beim Filmfest Cannes gewann Coppola dafür bereits den Preis für die beste Regie.

Im Hintergrund sind Schüsse zu hören, als eine der jungen Schülerinnen im Wald beim Pilze sammeln den schwer verletzten Soldaten John McBurney findet. Er gehört zwar zu den verfeindeten Nordstaaten, doch die Schulleiterin Martha Farnsworth (Kidman) und die Lehrerin Edwina Dabney (Dunst) verstecken ihn vor den Truppen des Südens und pflegen ihn.

Er liegt zunächst nur im Bett, doch allein die bloße Anwesenheit eines gut aussehenden Mannes genügt, um das Leben der Frauen in dem herrschaftlichen Anwesen irgendwo im Bundesstaat Virginia durcheinanderzubringen. Denn die Frauen leben von der Außenwelt abgeschnitten; der Soldat offenbart in diesem prachtvoll ausgestatteten Drama nun ihre Einsamkeit und Sehnsüchte. 

Es sind Kleinigkeiten, mit denen sie um die Aufmerksamkeit des Mannes buhlen. Sie ziehen sich hübsche Kleider an, legen Schmuck an und versuchen vor allem, mit John McBurney sprechen oder gar flirten zu können. Regisseurin Coppola beweist dabei nach «Lost in Translation» und «Somewhere» einmal mehr, wie subtil und humorvoll sie inszenieren und vor allem wie genau sie Stimmungen und Gefühle einfangen kann. So schwankt das Innenleben ihrer Protagonistinnen zwischen Langeweile, sexuellem Begehren, Eifersucht und dem Kribbeln erster Verliebtheit. Und auch der Film selbst ist eine kunstvolle Mischung aus Melodram, Thriller, Historienstück und Komödie.

Oscarpreisträgerin Coppola adaptierte für dieses Drama den Roman von Thomas Cullinan und legt damit auch gleichzeitig ein Remake von Don Siegels «Betrogen» vor. Während das Werk aus dem Jahr 1971 mit Clint Eastwood in der Hauptrolle aber aus der Sicht des Mannes erzählte, fokussiert die 46-jährige Regisseurin nun auf die Frauen und jungen Mädchen und nimmt damit eine deutlich feministischere Perspektive ein.

Es ist dann auch das starke Spiel der Schauspielerinnen, das «Die Verführten» über die eine oder andere erzählerische Länge trägt: Kirsten Dunst gibt die etwas verschüchterte Lehrerin, die für die noch so schlichten Komplimente des charmanten Soldaten besonders empfänglich ist. Fanning wiederum spielt als heranwachsende Schülerin gekonnt und vermeintlich unschuldig mit ihren Reizen, während Nicole Kidman die energische Schulleiterin verkörpert, die sich für alle Schülerinnen in ihrer Obhut verantwortlich fühlt.

Coppola bedient dabei sicherlich einige Klischees. Allerdings passt das auch zu ihrer etwas überzeichneten Inszenierung, die gerade im letzten Drittel fast groteske Züge annimmt und für die Zuschauer höchst unterhaltsam ist. Denn als Eifersucht und Misstrauen immer stärker werden, eskaliert die Situation in dem Gutshaus - mit harschen Konsequenzen für den mittlerweile wieder gesunden Soldaten.

Die Verführten, USA 2017, 93 Min., FSK ab 12, von Sofia Coppola, mit Colin Farrell, Elle Fanning, Kirsten Dunst

Die Verführten

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