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Christiane Reppe im Interview : „Die Stimmung ist bei den Paralympics viel menschlicher“

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Dabei sein ist alles. Dem olympischen Motto kommt bei den Paralympics eine ganz besondere Bedeutung zu. Warum das so ist, hat die beinamputierte Schwimmerin Christiane Reppe vergangenes Jahr in London selbst erfahren.

Berlin | Mit fünf Jahren verliert Christiane Reppe aufgrund einer Tumorerkrankung ihr rechtes Bein. Von sportlichen Höchstleistungen hält sie das noch lange nicht ab. 2012 tritt sie bei den Paralympics in London an. Begleitet wird sie dabei von dem Filmemacher Niko von Glasow. Der hat für sein neuestes Projekt „Mein Weg nach Olympia“ neben der 26-Jährigen Europa- und Weltrekordschwimmerin noch zahlreiche weitere Teilnehmer der Paralympischen Spiele aus verschiedenen Ländern porträtiert. Im Interview der Nachrichtenagentur dpa erklärt Reppe, warum Leistungssport auch für Menschen mit Behinderung von Bedeutung ist und was das Besondere an den Paralympics ist.

Was glauben Sie, kann der Film „Mein Weg nach Olympia“ im Positiven bewirken?
Was ich gut finde ist, dass er in die Richtung des Films „Ziemlich beste Freunde“ geht. Ich war schon bei zwei Premieren unseres Films dabei, darunter bei der Berlinale - das Publikum lacht unheimlich viel. Die Leute gehen glücklich raus und sagen: „Mensch, dass hat mir wirklich was gebracht. Das war nicht so auf die Tränendrüse gedrückt und: ach Gott, die Behinderten und das ist ja wirklich alles schade und die armen Leute“. Daher finde ich, dass sich viele „Mein Weg nach Olympia“ anschauen sollten und, dass die Leute viel dadurch lernen können und an das Thema herangeführt werden.

Bekommt der Behindertensport zu wenig öffentliche Aufmerksamkeit?
Es könnte immer mehr sein, und es wird ja auch mehr. Die Paralympics sind von Mal zu Mal präsenter in den Medien. Auch wenn man die Aufmerksamkeit noch nicht vergleichen kann mit dem Nichtbehindertensport. Es ist noch ein langer Weg.

Der Regisseur des Films, von Glasow, der ursprünglich den Paralympics sehr skeptisch gegenüber stand, findet nun, dass dort der olympische Gedanke viel stärker verwirklicht sei, als bei den regulären Olympischen Spielen. Was meint er? 
Bei den Paralympics spürt man eine ganz andere Energie. Im Nichtbehindertensport geht es mittlerweile viel um Geld. Und ich glaube, dass die Stimmung bei uns viel menschlicher ist. Irgendwie entsteht so ein besonderes Gefühl. Ich denke, dass gilt auch für die Zuschauer bei den Paralympics. Ich hatte eine richtige Gänsehaut, als eine kleinwüchsige britische Schwimmerin Gold geholt hat und alle Zuschauer gebrüllt haben, und das sind Tausende gewesen. Das ist ein Moment, wo man denkt: Oh Gott, es ist so geil, hier zu sein! 

Warum ist Leistungssport auch für Menschen mit Behinderung wichtig? 
Um sich zu beweisen, dass man trotzdem was kann. Ich habe nach London ein Jahr gar nichts gemacht, mit dem Schwimmen aufgehört. Und dachte, jetzt steigst du ins Berufsleben ein, es wird alles schön und normal, aber mir hat das wirklich gefehlt. Ich habe das Gefühl gehabt, mein Leben ist jetzt irgendwie vorbei, ich bin ein ganz normaler Mensch und das fand ich langweilig. Ich brauche immer eine Herausforderung. Und man läuft ja als Behinderter durch die Welt und muss viel abhalten. Schon als Kind: Jeder schaut einen an, es gibt Leute, die lachen über einen, einige behandeln einen schlechter, andere besser, auch das ist schwierig, weil man eine Sonderstellung hat und eigentlich nur wie ein ganz normaler Mensch behandelt werden möchte. Das wird man aber nicht. Also muss man sich beweisen.

Sie haben gesagt, Sport könne ein Medium sein, um Berührungsängste abzubauen zwischen Menschen mit und Menschen ohne Behinderung. Inwiefern? 
Zum Beispiel durch solch einen Film. Ich kann mir vorstellen, dass der ein oder andere dadurch ein bisschen mehr darüber nachdenkt, wie er mit Behinderten umgeht. Dass man den Behinderten nicht immer in rosarote Watte packen muss, dass das ein normaler Mensch ist, dem man ganz normal „Hallo“ sagen kann.

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erstellt am 16.Okt.2013 | 14:09 Uhr

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