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Dokumentarfilm : «Die Reise der Pinguine 2»: schöne Bilder, weniger Pathos

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Hunderte in Reihe watschelnde Pinguine, bizarre Tiefseelebewesen, Kükenflaum in Nahaufnahme: Dieser Film braucht die große Leinwand. Luc Jacquet kann schon auf einen der erfolgreichsten Dokumentarfilme je verweisen. Auch «Die Reise der Pinguine 2» ist unfassbar schön.

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2017 | 11:58 Uhr

«Die Reise der Pinguine» gehört zu den erfolgreichsten Dokumentarfilmen überhaupt. Der Oscar-prämierte Film über das ebenso faszinierende wie beschwerliche Dasein der Kaiserpinguine lockte von 2005 an weltweit mehr als 25 Millionen Zuschauer in die Kinos.

Nun hat der französische Filmemacher Luc Jacquet erneut unglaubliche Aufnahmen der Tiere aus der Antarktis mitgebracht. Im ersten Teil «sprachen» Mutter, Vater und Küken noch - was viele Zuschauer als kitschig empfanden. «Die Reise der Pinguine 2» ist mit weit weniger Pathos inszeniert - und fasziniert umso mehr.

Für den Film organisierte Jacquet eine neue Expedition ins ewige Eis. Im Herbst 2015 machte sich das Team auf den Weg und filmte monatelang unter extremsten Bedingungen. Auch mit Kameras ausgerüstete Drohnen und Tauchboote wurden eingesetzt. Der Mühe Lohn: Bilder, die atemberaubend sind, einmalig - und manchmal einfach nur unglaublich niedlich.

Wieder wird die Geschichte einer Kaiserpinguin-Familie erzählt. Ein schon 40 Jahre altes Männchen kehrt von einem Fischzug an den Ort zurück, an dem es einst selbst schlüpfte. Immer wieder ruft es nach seinem Küken. Ist es verhungert, hat ein Riesensturmvogel es erwischt?

Zunächst springt der Film fünf Monate zurück, als an einem eisigen Wintermorgen ein Ei gelegt und in einem gefährlichen Balanceakt von den Füßen der Mutter auf die des Vaters geschoben werden musste. Wieder in der Gegenwart folgt Erleichterung: Das Küken, ein süßer Flausch in Grau, piepst seinem Vater freudig umgeben, auch die Mutter ist da.

Ein weiterer Rückblick zeigt, wie die Pinguin-Männchen sich mit ihrem Nachwuchs auf den Füßen bei Sturm und Temperaturen unter minus 40 Grad eng aneinander drängen. Nicht alle halten diese Tortur und das monatelangen Hungern durch - davon zeugen verlassene, längst ausgekühlte Eier im Schnee.

Berührend sind auch die wundervollen Nachtaufnahmen und der Anblick des properen, schneeweißen Weibchens neben ihrem gräulichen, ausgemergelten Gefährten. Einmalig auch die Szenen, in denen der Vater seinen Zögling verlässt, um Beute für sich suchen zu können: Immer wieder weicht er ein Stückchen zurück, immer wieder trippelt das Kleine ihm rückwärts nach.

«Er hat schon ein seltsames Schicksal, der Kaiserpinguin», sagt Udo Wachtveitl («Tatort») an einer Stelle. Und, als das Männchen nach seinen langen Monaten auf dem Eis endlich wieder das Meer erreicht: «Der Kaiserpinguin ist in sein wahres Reich zurückgekehrt.» Angenehm zurückhaltend ist der Film vertont, nur selten schimmert das Pathos durch, für das der erste Teil kritisiert wurde. Stattdessen gibt der Film dem Knacken des Eises Raum, dem Klang durch Schnee stapfender Pinguinfüße oder einfach der Stille der magisch schönen Landschaft.

Jacquet zeigt einmalige Bilder der Lebewesen, die in der Tiefe unter meterdickem Eis leben. Zeigt die quirlige Lebensfreude der Pinguine, die endlich wieder das Meer um sich spüren. Dabei stellt er den Film kopf: So wirkt es, als würde der Pinguin sich glücklich in silbrigem Grund suhlen. Wundervoll auch die Szenen, die die herangewachsenen Küken am Eisrand zeigen. Tagelang verharren sie dort unsicher und lassen sich von wesentlich kleineren Adeliepinguinen in die grauen Puschelhintern kneifen.

Auch in «Die Reise der Pinguine 2» setzt Jacquet auf eine gute Geschichte, auf Optik, Emotion und Dramatik. Immer wieder hat er dafür Szenen gewählt, die sich gut vermenschlichen lassen: Ein mit den Flügeln flatterndes Küken zum Beispiel wirkt so, als würde es seinem davonwatschelnden Vater hinterherwinken. Dieses gezwungen Menschelnde wirkt - in seltenen Momenten - störend.

Von diesem kleinen Makel abgesehen lässt sich kaum erahnen, wie viel Ausharren, wie viel Engagement und wohl auch Glück in den einmaligen Aufnahmen stecken. Ansehen sollte man sich dieses Meisterwerk am besten im Kino. Ihre volle Wucht entfalten die Bilder und Geräusche nur dort.

Informationen zum Film

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