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Leute : Die Promi-Geburtstage vom 29. September 2013: Lech Walesa

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Freiheitskämpfer, Nobelpreisträger, Präsident - selten kann ein Elektriker und Werftarbeiter auf ein so bewegtes Leben zurückblicken wie Lech Walesa.

shz.de von
erstellt am 29.Sep.2013 | 00:07 Uhr

Am 29. September wird der einstige Gewerkschaftsführer 70 Jahre alt - und mischt sich nach wie vor gerne in die öffentliche Diskussion in Polen ein. Nicht immer tut er sich dabei einen Gefallen - erst im Frühjahr kratzten schwulenfeindliche Bemerkungen nicht nur am Ruf, sondern auch am Bankkonto Walesas: Mehrere Einladungen zu lukrativen Vorträgen in die USA wurden rückgängig gemacht.

Bis heute ist der streitlustige Walesa in Polen umstritten: Für die einen ist er ein Nationalheld, für andere ein Mann von Gestern mit gelegentlicher Neigung zur Selbstüberschätzung. Einige sind bis heute überzeugt, dass sich Walesa als Spitzel für den Sicherheitsdienst anheuern ließ - was Walesa energisch bestreitet.

Andrzej Wajda, der große alte Mann des polnischen Kinos, hat ein anderes Bild von Walesa gezeichnet. Sein neuer Film «Walesa», quasi ein filmisches Geburtstagsgeschenk, zeigt den Walesa, der im Sommer 1980 als Streikführer auf der Danziger Lenin-Werft zum Gesicht des polnischen Arbeiterkampfs wurde. Das Bild des quirligen Schnauzbartträgers mit dem Abzeichen der Schwarzen Madonna an der Jacke ging um die Welt. Walesa, dessen Trauma die blutige Niederschlagung der Arbeiterproteste im Dezember 1970 war, trotzte der kommunistischen Führung Polens die erste unabhängige Gewerkschaft im sowjetischen Machtbereich ab.

Den Friedensnobelpreis, der Walesa vor 30 Jahren verliehen wurde, konnte der «Solidarnosc»-Chef nicht selbst entgegen nehmen: Er fürchtete, die kommunistische Regierung könnte ihm die Rückkehr nach Polen verweigern. Denn dem Danziger Triumph waren am 13. Dezember 1981 Kriegsrecht, Internierung und neue Bespitzelung gefolgt. Bei den Gesprächen am Runden Tisch, die 1989 den friedlichen Abschied der Kommunisten von der Macht einleiteten, war Walesa dann wieder mit dabei. Als er 1990 General Wojciech Jaruzelski im Präsidentenamt ablöste, schien das die Krönung des jahrelangen Kampfes zu sein.

Um so größer war Walesas Schock, als seine Bemühungen um eine zweite Amtszeit 1995 scheiterten. Zum einen war die einstige Bürgerrechtsbewegung zerstritten, zum anderen hatte Walesa mit seinem autoritären Auftreten alte Weggefährten und Bewunderer verprellt. Legendär sind dagegen Walesas Stilblüten. Vor alllem sein «Jestem za, a nawet przeciw» (ich bin dafür, und sogar dagegen) ist in Polen zum geflügelten Wort geworden.

In den vergangenen Jahren fühlte sich Walesa oft missverstanden und nicht ausreichend gewürdigt. Mit der heutigen «Solidarnosc»-Führung hat er gebrochen. «Das ist nicht mehr meine Gewerkschaft», bekräftigte er erst vor wenigen Wochen.

Unverstanden fühlt er sich auch von Ehefrau Danuta: Die hatte in ihrer vor zwei Jahren veröffentlichten Autobiografie beschrieben, wie ihr «Leszek» zwar Geschichte schrieb, den Haushalt und die Erziehung der acht Kinder aber ihr überließ. Blumen habe er ihr auch nie mitgebracht, klagte sie. Walesa grollte: Das Private solle gefälligst in der Familie bleiben.

Viel lieber sieht sich Walesa in der Rolle des weisen Staatsmannes, dessen Meinung auch heute noch gefragt ist. Mit seiner Stiftung will er Demokratie fördern - sei es im «arabischen Frühling», sei es in Birma. Im Oktober dürfte er sich daher ganz in seinem Element fühlen: Auf dem Gipfel der Friedensnobelpreisträger in Warschau ist er diesmal der Gastgeber.

NAME BERUF ALTER GEBURTSDATUM GEBURTSORT GEBURTSLAND
MERTESACKER, Per deutscher Fußballspieler 29 29.09.1984 Hannover Deutschland
NILSEN, Kurt norwegischer Popsänger 35 29.09.1978 Bergen Norwegen
BUHROW, Tom deutscher Journalist 55 29.09.1958 Siegburg Deutschland
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