TV-Tipp : Die Geister des Flusses

Am Tatort erwartet die Ermittler Chloe Bresson (Stephane Caillard) und Joseph Dialo (Adama Niane, stehend) ein furchtbarer Anblick. /Arte
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Am Tatort erwartet die Ermittler Chloe Bresson (Stephane Caillard) und Joseph Dialo (Adama Niane, stehend) ein furchtbarer Anblick. /Arte

Ein grausamer Mord und eine Entführung bringen eine junge Kommissarin an den Rand des Wahnsinns. Wie sie dennoch ihren Weg findet, zeigt eine französische Miniserie auf Arte.

shz.de von
25. Januar 2018, 00:01 Uhr

Ob weiß oder schwarz - die Hautfarbe eines Menschen sollte eigentlich egal sein. Doch in einigen, mehr oder weniger fernen Ländern kann davon noch immer keine Rede sein.

Darüber, und von einem grausamen Mordfall erzählt die Serie «Die Geister des Flusses» aus Frankreich. Alle vier jeweils rund 45-minütigen Teile sind am Donnerstag (25. Januar, 20.15 Uhr) auf Arte zu sehen. Der Sender blendet zu Beginn den Hinweis ein, dass einige Passagen auf empfindsame oder junge Zuschauer schockierend wirken können. Zumindest für den Anfang gilt das ganz sicher.

Das Segel des Bootes ist blutbefleckt, im Mast hängen zwei verstümmelte Leichen, und der Kadaver eines ausgebluteten Faultieres. Auch die Kajüte ist voller Blut, ein verschmiertes Messer liegt herum. Die Toten sind ein französisches Ehepaar, das hierher an die Nordostküste Südamerikas ausgewandert ist und mit ihrem Boot dringend benötigte Schulbücher an die Kinder der Bushinengués, einem indigenen Volksstamm, verteilt hat.

Ihr neunjähriger Sohn Jean ist spurlos verschwunden und offenbar entführt worden. Es gibt Zeugen, die ihn mit einen Mann mit dunkler Hautfarbe gesehen haben wollen, aber mehr trauen sie sich nicht zu sagen - auch aus Angst. Das ist der erste Fall für die Polizistin Chloé (Stéphane Caillard), die aus disziplinarischen Gründen nach Cayenne, Hauptstadt des Übersee-Départements Französisch-Guayana, versetzt worden ist. Zusammen mit ihrem einheimischen, aber ziemlich abweisenden Kollegen Dialo (Adama Niane) muss sie das abscheuliche Verbrechen aufklären, in das auch Dialo verwickelt zu sein scheint.

Was sie bei ihren Ermittlungen herausfinden, bringt beide an ihre Grenzen. Chloé handelt ganz nach ihrem Motto: «Finde das Bedürfnis, dann findest Du den Täter». Hier handelt es sich um das Bedürfnis nach Unsterblichkeit - das mit Hilfe mystischer Rituale und grausamer Opfergaben («Eine Seele für eine andere Seele») erreicht werden soll.

Die vier Folgen von Regisseur Olivier Abbou («Madame Hollywood») sind spannend erzählt, musikalisch gut untermalt und mit vielen mystischen Bildern und Geräuschen aufgeladen - etwas überfrachtet womöglich. Doch schon die Anfangssequenz dieser Serie ist ausgesprochen atmosphärisch: Chloé fährt eine einsame Straße entlang, als ihr plötzlich ein Tier vor das Auto läuft und ein Reifen platzt.

Sie steht völlig verdattert neben dem Jeep und lauscht den Geräuschen des Dschungels, während die Kamera in die weite Ebene des Flusses schwenkt. Er ist oft im Bild, mal klar, mal vernebelt. Alle Grenzen sind fließend, und die wahren Feinde unsichtbar.

Die Toten waren weiß, sie lebten in einem streng abgeriegelten Haus, in ihre toten Körper waren Zeichen eingeritzt - war das Verbrechen möglicherweise ein Ritualmord, ein Racheakt? Die junge weiße Kommissarin ist allenfalls geduldet, später vielleicht ein wenig respektiert. «Der Weg zum Licht» - eine oft im Film genannte Metapher - ist voller Angst, aber am Ende auch voller Hoffnung.

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