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Kuba : Der ewige Comandante: Fidel Castro wird 88

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Um den „Máximo Líder“ ist es still geworden. Kubas alternder Revolutionsführer meldet sich immer seltener zu Wort.

shz.de von
erstellt am 12.Aug.2014 | 10:18 Uhr

Havanna | Kürzlich gab es wieder Post vom „Comandante“. Bescheiden bat der frühere kubanische Machthaber Fidel Castro um Platz für einen Beitrag in der Parteizeitung „Granma“: „Bitte nicht auf der Titelseite“. Das war natürlich stark untertrieben, denn nach wie vor ist jedem Wort Castros die größtmögliche Aufmerksamkeit sicher in dem sozialistischen Karibikstaat. Noch heute wird der Ex-Staatschef auf Kuba als unanfechtbarer „Revolutionsführer“ verehrt, obwohl er seit Jahren nicht mehr im Amt ist. Am Mittwoch wird Castro 88.

Öffentliche Auftritte des früher allgegenwärtigen „Máximo Líder“ sind rar geworden. Nach seiner schweren Erkrankung im Juli 2006 zog sich Castro zurück - damals sei er am Rande des Todes gewesen, räumte er später ein. Im Februar 2008 trat er schließlich in einem auf der „Granma“ veröffentlichten Brief offiziell zurück und übergab die Macht an seinen Bruder Raúl. Fortan wolle er nur noch ein „Soldat der Ideen“ sein, schrieb er.

Seitdem hatten die Kubaner reichlich Zeit, um sich an die neue Rolle des „Comandante“ zu gewöhnen. Bekannt und gefürchtet wegen seiner oft stundenlangen Vorträge in der Vergangenheit, entdeckte Castro in den Jahren nach seinem Rücktritt eine neue Vorliebe: Der begnadete Redner wurde zum Zeitungskommentator.

Fiebrig schrieb er lange Zeit Meinungsartikel für die „Granma“ - der „Genosse Fidel“ beglückte sein Volk manchmal mehrfach in der Woche mit seinen mehrseitigen „Reflexiones“, die immer pflichtgemäß auch in den Abendnachrichten im Fernsehen verlesen wurden. Themen, die ihn bewegten: der Klimawandel, die Verbreitung von Atomwaffen, die großen internationalen Konflikte - und immer wieder das „abscheuliche“ Gebaren des alten Erzfeinds USA.

In letzter Zeit ist aber auch in der Rubrik still geworden um Castro. Er schreibt immer seltener. Wenn Artikel erscheinen, werden sie im Ausland vor allem als Lebenszeichen gewertet. Seit Jahren dreht sich das öffentliche Interesse ohnehin fast nur noch um seinen Gesundheitszustand.

Gerüchte um seinen angeblichen Tod machen schnell die Runde, wenn er zu lange schweigt - die Regierung veröffentlicht dann im Gegenzug Fotos, auf denen er etwa mit hochrangigen Gästen in seinem Haus in Havanna zu sehen ist. Zuletzt hatten Russlands Wladimir Putin und Chinas Xi Jinping das Privileg.

Öffentlich gesehen wurde Castro zum letzten Mal im Januar, als er unerwartet eine Kunstausstellung besuchte. Die Bilder, die um die Welt gingen, zeigten ihn altersgekrümmt, das Sprechen fiel ihm nach Zeugenaussagen schwer. In den vergangenen Wochen meldete er sich gleich mit mehreren Artikeln zu Wort - der Gaza-Krieg und der Ukraine-Konflikt beunruhigten ihn sehr.

Fast ein halbes Jahrhundert lang regierte Fidel Castro das sozialistische Kuba. Nach dem Revolutionssieg von 1959 wurde der damals 33 Jahre junge Rechtsanwalt zur Ikone Lateinamerikas und linker Kreise auf der ganzen Welt. Kritiker warfen ihm später das systematische Unterdrücken der Opposition vor. Einer demokratischen freien Wahl hatte sich Fidel Castro nie gestellt.

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