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TV-Tipp : David Hockney - Die wiedergefundene Zeit

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Es gibt nicht allzu viele Künstler, die nicht nur ihre Zeit, sondern ganze Generationen von Menschen beeinflusst haben. Der Maler David Hockney gehört zweifellos dazu.

Der britische Maler, Grafiker, Bühnenbildner und Fotograf David Hockney feierte am 9. Juli seinen 80. Geburtstag. Grund genug für ein Porträt dieses außergewöhnlichen Künstlers, und so ist die Dokumentation «David Hockney - Die wiedergefundene Zeit» an diesem Sonntag um 17.20 Uhr auf Arte zu sehen.

Er wird vom Filmautor Michael Trabitzsch zugleich als der bekannteste wie der unbekannteste Künstler bezeichnet. Hockney wurde 1937 in Bradford/Yorkshire geboren, als viertes von fünf Geschwistern. Sein Vater Kenneth war Buchhändler und Hobbymaler, die Familie rechnete sich der Arbeiterklasse zu. Über seinen Vater sagt Hockney, dass dieser aristokratisch gedacht und ihm beigebracht habe, sich nicht um das zu kümmern, was die anderen sagten.

Seine Karriere nahm 1959 ihren Anfang, als er sich an der Londoner Royal College of Art einschrieb - just in dem Moment, als eine ganze Generation mit den Konventionen ihrer Eltern brach und die globale Ära des Pop begann - mitsamt Emanzipation und Revolte.

Dennoch wird Hockney, der ein sehr visueller Mensch gewesen ist, in dieser informativen Dokumentation (allerdings mit viel Klaviergeklimper) nicht als Pop-Art-Maler bezeichnet. Es äußern sich Künstler wie Julie Christie oder Mick Jagger: «Es ist eine der ersten Generationen, die sich nicht um materielle Dinge kümmern musste. Wer hungrig ist, kümmert sich nicht um Moral», sagt Jagger. Der Galerist David Juda erläutert, dass Hockney seiner Zeit weit voraus gewesen ist: «Er war zu seiner Zeit einer der ganz wenigen, die sich zu ihrer Homosexualität bekannt haben. Das war ungemein wichtig!» Der Regisseur Ridley Scott studierte gemeinsam mit Hockney und erinnert sich, dass er einst neben dem gelangweilten Studienkollegen saß, weil er ein Skelett zeichnen musste.

Bei ausgedehnten Reisen durch die USA, wo er sich frei ausleben konnte, entdeckt Hockney offenbar ein Grundmotiv für seine Kunst, nämlich die Verbindung aus Raum und Zeit - also dass man sich ständig im Raum bewegt, zusammen mit der Zeit, so dass alles ein Teil sich ständig verändernden Geschehens ist. Er stellt sich fortan die Frage, wie der Künstler diese Wirklichkeit abbildet, die zudem ständig mit den Emotionen des Betrachters verbunden ist. In Los Angeles beginnt Hockney mit dem Malen seiner später berühmten Pool-Bilder wie «Sunbather» oder «A Bigger Splash», gehalten im realistischen Stil und in leuchtenden Farben. Sie zeigten meist nackte Männer, die wie Pin-ups präsentiert wurden, gleichsam ironisch und voyeuristisch und dennoch geschützt durch das gerahmte Bild. Alle diese Bilder erzählen auch etwas über die Beziehungen, die der Maler mit den Männern auf den Bildern unterhalten hat.

Das Tate Britain Museum in London richtete ihm in diesem Frühjahr eine große Retrospektive aus; das Centre Pompidou in Paris übernahm diese Schau, verdoppelte die Ausstellungsfläche und präsentiert damit (noch bis zum 23. Oktober 2017) die größte Retrospektive seiner Werke überhaupt.

Im vergangenen Jahr erschien seine großformatige Biografie «A Bigger Book». Hockney lebte viele Jahre in Kalifornien, in Santa Monica und Malibu, und suchte dort die Unendlichkeit an Aussichtspunkten des Grand Canyon: «A Bigger Grand Canyon». 2000 kehrte er nach England zurück, genauer nach Bridlington, wo er die Schönheit der Landschaft - mit Raum, Zeit und Vergänglichkeit - in vielen unnachahmlich bunten Bildern und Aquarellen festgehalten hat. Heute lebt er abwechselnd in London und Los Angeles, hat ungefähr 2000 Bilder gemalt und denkt nicht daran, mit dem Malen aufzuhören.

David Hockney - Die wiedergefundene Zeit

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erstellt am 16.Jul.2017 | 00:01 Uhr

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