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Drama : «Das Löwenmädchen»: Ein Film über das Anderssein

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Ein Mädchen kommt mit einem Fell wie ein Löwe zur Welt. Ihr Vater schämt sich, die Leute gaffen, und für Forscher ist das «Löwenmädchen» eine kuriose Sensation. Doch das hochbegabte Kind findet sich nicht mit seinem Schicksal ab.

shz.de von
erstellt am 11.Sep.2017 | 11:10 Uhr

Als die kleine Eva Arctander 1912 in einem norwegischen Ort zur Welt kommt, trauen die Menschen ihren Augen nicht. Das Baby ist am ganzen Körper behaart wie ein Löwe - und von Geburt an verdammt zu einem Leben als Außenseiter.

«Es sieht aus wie eine Katze», sagen die Leute über das Kind. Der Vater, der sich schämt, lässt seine Tochter fast nie aus dem Haus. Als sie endlich zur Schule darf, wird sie gehänselt. Doch obwohl sie mit ihrem Äußeren ringt, gibt Arctander ihren Traum nicht auf. Der Kinofilm «Das Löwenmädchen» nach einem Roman von Erik Fosnes Hansen erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die trotz ihres Andersseins ihren Weg findet.

«Sie darf nie näher ans Fenster als bis hier.» Evas Vater, der Stationsmeister Gustav Arctander, malt in seiner Wohnung mit Kreide einen Streifen aufs Parkett. Es ist eine Anweisung für das Kindermädchen, das sich um seine Tochter kümmert. Vor dem Haus lauern sensationslüstern die Bewohner des Ortes. Um die Rarität zu bestaunen, reisen Ärzte und Wissenschaftler von weither an. Während draußen die Züge vorbeirauschen, wird ihr dunkles Zimmer für das Mädchen mehr und mehr zum Gefängnis.

Dass sie anders ist, merkt Eva schnell. «Andere haben ein Gesicht, ich nicht.» Trotzdem ist sie neugierig auf die Welt draußen. Wenn sie den Vorhang zur Seite zieht, um die anderen Kinder zu beobachten, wie sie auf der Straße im Schnee spielen, straft ihr Vater sie.

Der Anblick des Löwenmädchens schmerzt den schweigsamen Stationsmeister umso mehr, weil seine geliebte und schöne Frau bei dessen Geburt gestorben ist. Evas unbändiges Temperament überfordert ihn. Rolf Lassgård, deutschen Zuschauern als Kommissar Wallander aus den Verfilmungen der Henning-Mankell-Krimis und Filmen wie «Ein Mann namens Ove» bekannt, überzeugt als zwischen Liebe und Scham zerrissener Gustav Arctander.

Zwischenzeitlich steht der bekannte Mime in dem melancholischen Streifen fast zu sehr im Mittelpunkt, während die Entwicklung der Protagonistin, gespielt von drei verschiedenen Schauspielerinnen (Aurora Lindseth Løkka als Siebenjährige, Mathilde Thomine Storm als 14-Jährige und Ida Ursin-Holm als junge Frau), erst spät Fahrt aufnimmt.

Der Film beschreibt vor allem das Gefühlsleben einer jungen Frau, die dieselben Träume und Wünsche hat wie andere in ihrem Alter, aber nirgendwo dazugehört, und die Reaktionen ihrer Umwelt. «Du bist schräg, aber irgendwie nett», meint ein Junge aus ihrer Klasse. Selbst als sie in ein menschliches Kuriositäten-Kabinett türmt, um unter Ihresgleichen zu sein, fühlt sich Eva nicht am richtigen Ort.

Hier sind in Nebenrollen in der norwegisch-deutsch-schwedischen Co-Produktion auch einige deutsche Schauspieler wie Ken Duken («Zweiohrküken»), der den ebenfalls an einem Gendefekt leidenden «Echsenmann» spielt, und Burghart Klaußner («Das weiße Band») als Direktor der skurrilen Truppe zu sehen.

Für das entschlossene und hochbegabte «Löwenmädchen» blitzt im Film - im Gegensatz zum Roman - am Ende doch noch Hoffnung auf, als es einen Weg findet, sein Schicksal zu akzeptieren und ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Das Löwenmädchen, Deutschland/Norwegen/Schweden 2016, 114 Min., FSK ab 12, von Vibeke Idsøe, mit Rolf Lassgård, Ken Duken, Burghart Klaußner, Connie Nielsen.

Das Löwenmädchen

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