zur Navigation springen

Streisand-Effekt nach Presse-Rüffel : Dänisches Königshaus dementiert größere Brüste von Prinzessin Marie

vom
Aus der Onlineredaktion

Das ging den Royals dann doch zu weit: Eine Illustrierte muss einen Bericht über eine Brust-OP bei Prinzessin Marie widerrufen.

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2015 | 15:28 Uhr

Kopenhagen | Es geschieht so gut wie nie, dass das von Skandalen so selten heimgesuchte dänische Königshaus sich gegen Medienberichte zur Wehr setzt. Nachdem ein Wochenmagazin aber über eine angebliche operative Brustvergrößerung bei Prinzessin Marie berichtet hatte, sah die royale Familie den Graben des Privaten überschritten. Die Illustrierte „Her&NU“ wurde dazu verpflichtet, den Artikel in der neuen Ausgabe zu dementieren.

„Her&NU“ hatte behauptet, dass sich die Frau von Prinz Joachim, Prinzessin Marie, während eines Besuchs in Litauen kürzlich in einer Klinik in Kaunas einer Schönheitsoperation unterzogen hatte, um größere Brüste zu bekommen. Außerdem muss „Her&NU“ auch die Meldung dementieren, dass bei der gebürtigen Französin zwei bisherige Brust-Implantate durch zwei größere ersetzt wurden.

Die königliche Verfahrensweise schlägt derzeit wesentlich höhere Wellen als die Ursprungsmeldung. „BT“ titelt sogar, zwischen dem Wochenblatt und dem Königshaus sei ein „Krieg“ ausgebrochen – der Streisand-Effekt? Die Namensgeberin dieses Phänomens, Barbra Streisand, machte vor einigen Jahren auch die Erfahrung, dass der Versuch, unliebsame Information zu unterdrücken, in der Konsequenz noch höhere öffentliche Aufmerksamkeit nach sich ziehen kann. Als die US-Sängerin einen Fotografen aufgrund einer Luftaufnahme ihres Hauses verklagte, wurde das Foto in aller Welt thematisiert und gezeigt.

Brustvergrößerungen werden in Dänemark viel beworben – unter anderem auf öffentlichen Bussen. Die OPs haben sich in letzter Zeit zu einem populären Geburtstagsgeschenk für die Partnerinnen entwickelt. In den Großstädten Litauens boomt die plastische Chirurgie für ausländische Gäste seit Jahren. Es werden Schönheits-Operationen im Gesamtpaket mit Wellness-Urlauben angeboten, die sich gut als Geschenk verpacken lassen.


Dass ein solches Dementi durch eine Pressemitteilung des Königshauses angekündigt wird, ist nach Ansicht der Schriftstellerin Trine Villemann „höchst ungewöhnlich“. Sie glaubt, dass dies „durch eine unglückliche Prinzessin ausgelöst worden ist, die ihre Privatsphäre tief verletzt sieht“. Das Blatt „BT“ hat die königliche Pressemitteilung online veröffentlicht. Dort heißt es ausdrücklich, Marie habe sich in Litauen keiner Brustoperation unterzogen.

Möglichereise handelt es sich aber auch um eine neue Taktik im Umgang mit den Medien, die sich an schwedischem Vorbild orientiert. Die Royalen auf der anderen Seite des Öresunds praktizieren bisher eine wesentlich offensivere Pressepolitik als ihre dänischen Kollegen, wenn die Presse nach ihrer Ansicht gewisse Grenzen überschreitet.

Dänische Royals: Der hitzige Mantel der Immunität und die Rolle der Medien

Für das dänische Königshaus gelten auch vor dem Gesetz andere Regeln. Mitglieder der Königsfamilie genießen verfassungsrechtliche Immunität. Dieses Privileg schützt die dänischen Royals seit 1665 vor jeder Form von Strafverfolgung. Gewissermaßen dürfte die Königin sogar jemanden töten, ohne dafür belangt zu werden. Doch ganz nach dem Motto „License to kill“ läuft das königliche Leben natürlich nicht ab. Das Volk betrachtet das Verhalten seiner teuren Monarchen umso mehr mit Argusaugen. Immer, wenn jemand die Gesetzesgrenzen überschreitet, wird reflexartig das Ende der Immunität, aus bestimmten Kreisen gar die Abschaffung der Monarchie, gefordert. „Echte Republikaner müssen beten, dass Joachim weiter wie ein Idiot fährt, das Leben seiner Kinder aufs Spiel setzt und sich wieder unter jungen Mädchen in diversen Kneipen volllaufen lässt. Es wird ihm schon gelingen, die Monarchie ganz unmöglich zu machen“, wetterte „Ekstra Bladet“ vor elf Jahren nach einer Fahrt des durch eine Trennung von seiner ersten Frau Alexandra  in Ungnade gefallenen Prinzen mit überhöhter Geschwindigkeit.

Nachdem Prinz Henriks blutrünstiger Lieblingsdackel Evita vor ein paar Jahren einem Leibgardisten mal wieder die Wade blutig gebissen hatte, blieb dem königlichen Köter die eigentlich obligatorische Einschläferung im Land der harten Hundegesetze erspart. Stattdessen reiste die gefährliche Dame mit in die Sommerferien. Auch das führte natürlich zu Tumulten in der Öffentlichkeit. Als sich Kronprinz Frederik (46) Anfang des Jahres ermächtigte, trotz sturmbedingter Sperrung über die unpassierbare Große-Belt-Brücke zu fahren, war die Monarchie mal wieder Streitthema. Das Fußvolk musste ausharren, der Prinz fuhr einfach los. „Dem Kronprinzen tut leid, was passiert ist“, ließ er über die Pressestelle ausrichten. Wenigstens die Königin hält sich immer an die Regeln.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen